| 17:46 Uhr

Baustart im Industriepark Schwarze Pumpe
Junge Fachkräfte haben Bock auf die Papierfabrik

David Jung ist im Technischen Büro in der Projektplanung glücklich.
David Jung ist im Technischen Büro in der Projektplanung glücklich. FOTO: Arlt Martina
Schwarze Pumpe. Die Papierfabrik im Industriepark Schwarze Pumpe wächst. Am Mittwoch ist der Baustart für eine zweite Fertigungslinie, die Papiermaschine 2, feierlich vollzogen worden. Von Martina Arlt und Kathleen Weser

Überraschend hat die österreichische Prinzhorn-Gruppe im Frühjahr den Baustart für eine zweite Papiermaschine in der Hamburger Rieger GmbH im Industriepark Schwarze Pumpe verkündet. Am Mittwoch ist feierlich der erste Spatenstich im Industriepark Schwarze Pumpe vollzogen worden. Etwa 370 Millionen Euro schwer ist die Großinvestition, die aus dem europäischen Fördertopf zur Verbesserung regionaler Wirtschaftsstrukturen mit gut 34 Millionen Euro unterstützt wird. In knapp zwei Jahren soll die neue Fertigungslinie für weitere 500 000 Jahrestonnen Papier, praktisch ein neues Werk, in Betrieb genommen werden.

Kompetenter Fachkräftenachwuchs steht schon bereit. Denn das Unternehmen baut Zukunft und steht für gute berufliche Perspektiven. Etwa 200 neue Jobs entstehen mit der zweiten Papiermaschine.

Kai Grabowski (22) aus Spremberg hat schon dreieinhalb Jahre Betriebswirtschaftslehre (BWL) an der Cottbuser Universität studiert. Seit August arbeitet er nun im Personalmarketing der Papierfabrik in Schwarze Pumpe. „Ich arbeitete bereits als Werkstudent hier in diesem Unternehmen. Und ich bin  glücklich hier.“ Das Unternehmen sei sehr zukunftsorientiert. „Ich will gern in der Region bleiben und fühle mich beruflich hier angekommen“, sagt er.

Jessica Sonntag (22) aus Spremberg ist gelernte Industriekauffrau. Die Berufsausbildung hat sie im vergangenen Jahr erfolgreich abgeschlossen. „Mein Ziel war es immer, beruflich in der Verwaltungsbranche tätig zu werden. Die Papierfabrik ist ein attraktiver Arbeitgeber in der Lausitz. Und ich  möchte auf jeden Fall in meiner Heimat bleiben“, sagt sie. Derzeit studiert die junge Frau berufsbegleitend Betriebswirtschaft in Cottbus. In zwei Jahren will sie den Abschluss als staatlich geprüfte Betriebswirtin in der Tasche haben. „Derzeit bin ich im Vertrieb tätig und verkaufe sozusagen die großen Papierrollen und Gipsplattenkarton“, erzählt sie weiter. Durchschnittlich wiege so eine Rolle drei Tonnen. „In unserer Abteilung herrscht ein gutes Betriebsklima, wir sind alles Frauen. Ich komme gut zurecht und jeden Tag sehr gern zur Arbeit“, erklärt die junge Frau sichtlich zufrieden.

David Jung (28) aus Weißwasser ist gelernter Elektroniker für Automatisierungstechnik und seit dem Jahr 2013 in der Papierfabrik tätig. Er hat als Instandhalter und Elektriker begonnen und für viele Schaltpläne gesorgt. „Jetzt bin ich im Technischen Büro tätig, in der Projektplanung. Beruflich will ich mich hier schon weiter etablieren. Wir sind alles junge Leute. Das ist ein gutes Team. Der Job hier macht richtig Spaß“, sagt David Jung.

Jetzt ist die nächste große Wachstumsphase in der Lausitz eingeläutet. „Um gemeinsam mit unseren Kunden weiter wachsen zu können, ist der Ausbau des Standortes Spremberg ein wichtiger Schritt“, hat Harald Ganster, Managing Director der Hamburger Containerboard, am Mittwoch beim feierlichen ersten Spatenstich erklärt. „Damit erhöhen wir im Produktsegment weiße Wellpappe-Rohpapiere die Kapazität auf mehr als eine Million Tonnen“, erläutert er weiter. Weiße und braune Wellpapperohpapiere (Testliner) sollen hier künftig vollständig auf Altpapierbasis hergestellt werden. Die Breite der neuen Maschine wird 7,80 Meter betragen. Eine besonders ressourcenschonende Rohstoff-Aufbereitung werde so in Kombination mit einer patentierten Fahrweise der Papiermaschine möglich. „Mit 500 Mitarbeitern bei Hamburger Rieger, der Dunapack Spremberg und der SpreeRecycling sind wir mit dem Standort und seinen Einwohnern eng verbunden. Die Vergrößerung unserer Papierfabrik bekräftigt diese Verbindung und macht die Region zu einem der wichtigsten Papier- und Verpackungsstandorte in Europa“, betont Cord Prinzhorn, Hauptgeschäftsführer der familiengeführten Prinzhorn-Gruppe.

Die Papierfabrik ist Teil einer Lausitzer Erfolgsgeschichte, die für den nächsten Strukturwandel nach der Kohle Mut macht: Vor knapp 30 Jahren verlor der Industriestandort nach der Wende mit der Stilllegung der Braunkohleveredlungsanlagen seine Bedeutung als Zentrum der Strom- und Gasproduktion für ganz Ostdeutschland. Dieser schmerzhafte Strukturbruch ist in einen furiosen Neustart verwandelt worden: Seit 1990 bis heute hat sich Schwarze Pumpe vom Energie- und Kohleveredlungsstandort zum multifunktionalen Industriepark gewandelt.

Jessica Sonntag hat im Unternehmen gelernt und ist im Vertrieb tätig.
Jessica Sonntag hat im Unternehmen gelernt und ist im Vertrieb tätig. FOTO: Arlt Martina
Kai Grabowski arbeitet im Personalmarketing.
Kai Grabowski arbeitet im Personalmarketing. FOTO: Arlt Martina
Spatenstich Papierfabrik
Spatenstich Papierfabrik FOTO: Arlt Martina