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Karpfenernte mit Schwierigkeiten
Ein schwieriges Jahr für Karpfen und Fischer

Teichwirt Toni Richter (36) prüft mit seinem Sohn Artur (2) vor dem Abfischen in Thalberg am Samstag, 27. Oktober, ab 7 Uhr die Größe der Karpfen. „Sie sind nur geringfügig kleiner und das trotz der harten Bedingungen in diesem Sommer“, sagt er.
Teichwirt Toni Richter (36) prüft mit seinem Sohn Artur (2) vor dem Abfischen in Thalberg am Samstag, 27. Oktober, ab 7 Uhr die Größe der Karpfen. „Sie sind nur geringfügig kleiner und das trotz der harten Bedingungen in diesem Sommer“, sagt er. FOTO: Veit Rösler
Im Herbst ist traditionell Karpfenernte. Das Abfischen wird vielerorts mit einem Fest gefeiert. Doch in diesem Jahr ist den Fischern eigentlich nicht so richtig zum Feiern zu Mute.

Gerd Michaelis, Geschäftsführer des Teichgutes Peitz, bekommt Sorgenfalten, wenn er an die Karpfenernte denkt. Der heiße und trockene Sommer hat seine Spuren hinterlassen. Das Peitzer Teichgebiet umfasst insgesamt 1400 Hektar im Spree-Neiße-Kreis in Peitz, Bärenbrück und Glinzig sowie in Petkamsberg bei Lübben.

Viele Teiche litten unter Wassermangel. „Acht Teiche mussten wir vorfristig notfischen“, sagt Gerd Michaelis. Wenn die Fische aus der Fütterung genommen werden bleiben sie natürlich auch kleiner und sind leichter. Bei den hohen Wassertemperaturen im Sommer haben die Fische zwar keinen Schaden genommen, aber der Zuwachs erfolgte nicht so wie erhofft. Das Niedrigwasser in den Teichen machte es den Fischräubern in diesem Jahr leicht. Michaelis befürchtet größere Schäden durch Kormorane und Silberreiher. Durch die Dürre in der Landwirtschaft mussten die Fischer auch mehr Geld für den Futtereinsatz aufbringen. Der Einkaufspreis für das Getreide habe sich verdoppelt. Das könnte sich auch auf den Karpfenpreis auswirken.

Die anhaltende Trockenheit bringt auch Probleme beim Abfischen. „Wir brauchen Frischwasser beim Ablassen der Teiche und außerdem Wasser für die Hälteranlagen. Die sind im Moment nur halb gefüllt“, sagt Gerd Michaelis. Solch eine Situation habe es noch nie gegeben. „Ich schaue jeden Tag auf den Wetterbericht und hoffe auf Regen“, so der Fischerei-Chef. Bis zum großen Schaufischen an diesem Wochenende am Peitzer Hälterteich liege noch alles im Plan. Dort sollen 100 Tonnen Fisch mit den Netzen herausgeholt werden. Sollte es danach weiter trocken bleiben, könnten einige Teiche nicht abgefischt werden und der potenzielle Speisefisch kann nicht auf den Markt gebracht werden, befürchtet Gerd Michaelis.

„Auch wenn die Temperaturen in diesem Jahr ideal für den Karpfen waren, dass Wasser war es nicht. In meinen Anlagen musste ich streng damit haushalten, denn der Zufluss aus dem Vetschauer Mühlenfließ kam fast zum Stillstand“, sagt der Stradower Fischer Karl Winkelgrund. Der Wasserstand in den Teichen sank bedrohlich, die Fische hatten kaum noch Lebensraum und somit auch wenig Nahrung.

Für die Fischfeinde war es dagegen ein gedeckter Tisch, denn Otter, Kormoran und Silberreiher hatten leichte Beute. Den sinkenden Wasserstand im Fließ führt er auch auf die Entnahmen der Anrainer zurück – Notabfischungen waren die Folge.

Winkelgrund nimmt auch die Politik in die Verantwortung: „Es wird viel und auch richtigerweise für den Naturschutz getan, aber zu wenig für die Menschen, die mit und in der Natur leben. Die ausufernden Bestände des Silberreihers wirken sich enorm schädigend für mich als Fischwirt aus. Hier muss gegengesteuert werden.“

Der Diplombiologe und erfahrene Stradower Fischer managt seine Teichanlagen nach wirtschaftlichen, aber auch nach biologisch-ökologischen Aspekten. Seine Haupteinnahmezeit ist der Spätherbst/Winter. Die Hälteranlagen, in denen sich die Fische vor dem Verkauf befinden, konnte er noch nicht in Betrieb nehmen, da ihm dass notwendige Wasser für die Durchströmung fehlt. Dennoch bleibt Karl Winkelgrund optimistisch: „Wer in der Natur arbeitet, muss sich auf wechselvolle Erträge einstellen, es gibt halt gute und schlechte Jahre.“

In der Ökologischen Teichwirtschaft Fürstlich Drehna werden rund 140 Hektar bewirtschaftet, im Raum Fürstlich Drehna und in Golßen. Es werden unterschiedliche Erträge erwartet.

„In unseren Gewässern bei Golßen sind wegen des Wassermangels und der hohen Verdunstung im heißen Sommer die Bedingungen schwierig gewesen. Im August sind einige Zuflüsse trocken gefallen. Wir mussten bereits im Sommer einige Teiche abfischen“, erklärt Gisela Bräuning-Krätzig.

In den nächsten 14 Tagen sollen die großen Teiche des Familienbetriebes abgefischt werden. Dabei hoffen die Fischer auf reichlich Regen.