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Tischler präsentieren Gesellenstücke
Ein Phono-Schrank mit altertümlicher Patina

Die angehende Tischler-Gesellin Marie Schmaler arbeitet in der Tischlerwerkstatt von Udo Kemnitz in Neuhausen an ihrem Gesellenstück mit altertümlicher Patina.
Die angehende Tischler-Gesellin Marie Schmaler arbeitet in der Tischlerwerkstatt von Udo Kemnitz in Neuhausen an ihrem Gesellenstück mit altertümlicher Patina. FOTO: Michael Helbig
Gallinchen. Wenn im Berufsbildungs- und Technologiezentrum Gallinchen der Handwerkskammer Cottbus an diesem Samstag von 10 bis 16 Uhr die diesjährigen sieben Gesellenstücke der Tischler-Innung präsentiert werden, wird auch das Gesellenstück von Marie Schmaler aus Drehnow dabei sein.

(mih) Nachdem sie drei Jahre lang bei Tischlermeister Udo Kemnitz in Neuhausen alle Grundtechniken erlernt hat, kann Marie Schmaler nun ihr Gesellenstück, einen Phonoschrank für Plattenspieler und Schallplatten, präsentieren. Da ihr Vater ein Liebhaber Schallplatten ist, kam ihr die Idee, einen solchen Schrank zu fertigen. Nachdem sie zahlreiche Entwürfe skizziert und diese mit ihrem Papa diskutiert hatte, entstand eine perfekte technische Zeichnung für den 1,45 Meter breiten, 53 Zentimeter in der Tiefe messenden und mit fünf Schubfächern versehenen Plattenspieler-Schrank.

Bis kurz vor der Begutachtung durch die gestrenge Prüfungskommission der Tischler-Innung hat sie an ihrem Gesellenstück aus Eichenholz gearbeitet. „Eiche steht für Standhaftigkeit, und unsere Familie, in der alle auch Feuerwehrleute waren oder sind, ist sehr standhaft. Alle halten zusammen“, so die 21-Jährige.

Dabei kann sie mit einer Besonderheit aufwarten. Denn für die Oberflächenveredlung hat sie mit der Shu-Shi-Bou-Technik eine alte japanische Abflammtechnik eingesetzt. Diese verleiht der gewachsten Oberfläche des Phono-Schrankes eine altertümliche Patina. „Woran denken Sie, wenn Sie an Holz und Feuer denken?“, fragt die Fast-Tischler-Gesellin, die einst auch Mitglied der Jugendfeuerwehr Preilack war. „Richtig, an Zerstörung. Dabei spielt Feuer schon sehr lange in der Architektur eine Rolle. Wenn man zum Beispiel Holz für Pfahl-Häuser, wie in Skandinavien, an den Erd-Enden leicht ankohlt, wiederstehen sie viel besser der eindringenden Feuchtigkeit. Da habe ich mir gedacht, dass man diese Technik auch einmal bei der Möbelherstellung anwenden kann.“

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Oberfläche des Phono-Schrankes von Marie Schmaler ziert nunmehr eine natürliche Patina, so dass man den Eindruck hat, er sei schon älter und nicht gerade erst in der Tischlerwerkstatt von Udo Kemnitz entstanden. Und da das Gesellenstück ein Geschenk für ihre Eltern ist und diese schon lange Fans von Depeche Mode sind, ziert die eine Schranktür ein Porträt ihrer Eltern und die andere Tür eine Rose mit den Initialen „DM“.