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Unternehmen regional
Durch die digitale Welt helfen

 Mit seinen drei Assistenten führt Marco Retzlaff (3.v.l.) seit fünf Jahren  sein Computerfachgeschäft in Senftenberg. Ihm zur Seite stehen Marei Tupatsch (l.), Marco Krause (2.v.l.) und Hannelore Smurawski (r.).
Mit seinen drei Assistenten führt Marco Retzlaff (3.v.l.) seit fünf Jahren sein Computerfachgeschäft in Senftenberg. Ihm zur Seite stehen Marei Tupatsch (l.), Marco Krause (2.v.l.) und Hannelore Smurawski (r.). FOTO: Peter Aswendt
Senftenberg. (asw) „SehNix“ steht auf dem T-Shirt von Marco Retzlaff (33). Nein, es ist kein Kokettieren mit seiner Behinderung, sondern der Firmenname seiner erfolgreichen Computerfirma. Seit fünf Jahren repariert, installiert und konfiguriert der Diplom-Informatiker Computer in seinem Fachgeschäft in der Senftenberger Fischreiherstraße 1. Seit dem zweiten Lebensjahr ist Marco Retzlaff aufgrund eines Tumors erblindet.

Trotzdem konnte ihn niemand von seiner großen Leidenschaft, dem Computer, abhalten. „Meine Eltern haben dafür gesorgt, dass ich von Anfang an selbstständig bleibe. Ich bin sogar auf Bäume geklettert“, lacht er. Schritte in die Welt der Computertechnik machte er in der Schule für Sehbehinderte in Königs Wusterhausen.

Sein Studium absolvierte er in Senftenberg in der Fachrichtung medizinische Informatik: „Ich wollte keine Sonderbehandlung und habe mich sogar mit der Bildbearbeitung beschäftigt“, zeigt Marco Retzlaff schon ein wenig Stolz. Dass der in Schwedt geborene Computerfachmann sein Studium mit Auszeichnung beendete, ist nicht selbstverständlich: „Ich hatte zwar während der Vorlesungen einen Einzelfallhelfer dabei, aber trotzdem war ich auch auf das Verständnis der Dozenten angewiesen“, erinnert er sich.

Die Idee zur Selbstständigkeit kam eigentlich von seinem Bruder: „Er sagte, mach doch einfach“, lacht Retzlaff. Mit Beratung bei der Arbeitsagentur, Gründerseminar in Lauchhammer und Businessplan wurde dann alles in die Tat umgesetzt und am 4. März 2014 das Geschäft in Senftenberg eröffnet.

In der Zwischenzeit hat sich Marco Retzlaff einen Namen bei den vorwiegend privaten Kunden mit seiner Fachkenntnis gemacht. „Ich mache immer ein Gesamtangebot, keinen Stundensatz“, zeigt er auf, wie er den Kunden die Skepsis nimmt. „Viele denken, dass es bei mir länger dauert, weil ich nichts sehe, mag sein, aber deshalb ja der Projektpreis“, fügt er selbstbewusst hinzu. Wenn mal, was sehr selten ist, etwas nicht funktioniert, greift seine Erfolgsgarantie. Dann bezahlt der Kunde nichts. Dass er in fünf Jahren seiner Selbstständigkeit nur zwei Reklamationen hatte, erfüllt ihn mit besonderem Stolz. Kleine Helferchen, wie eine Sprachsoftware, die ihm Fehlermeldungen oder Statusansagen vorliest, werden installiert, und so hört der Unternehmer eben, was andere sehen.

Übrigens hat er nicht nur digitale Helfer in seinem Geschäft: „Ich bekomme geförderte Unterstützung für meine Assistenten“, verrät er. In der Woche stehen dafür 29 Stunden zur Verfügung, die Marco Retzlaff auf drei Arbeitskräfte aufteilt. „Sie lesen mir Bestellungen vor, helfen bei der Buchhaltung oder sortieren Ware ein“, beschreibt er die Arbeit seiner Mitarbeiter.

Marco Retzlaff ist trotz seiner Behinderung auf der Erfolgsstraße des Lebens unterwegs. Diesem Umstand verdankt er auch seinem grenzenlosen Optimismus und Tatendrang. „So wie ich nicht mit meinen Augen sehen kann, so verstehen manche die digitale Welt nicht. Da möchte ich einfach den Menschen helfen“, sagt er. Ein nächstes Ziel ist in seinem Kopf auch schon klar umrissen: „Ich möchte gerne in einer anderen Stadt noch ein zweites Geschäft eröffnen.“

 Mit seinen drei Assistenten führt Marco Retzlaff (3.v.l.) seit fünf Jahren  sein Computerfachgeschäft in Senftenberg. Im zur Seite stehen Marei Tupatsch (l.), Marco Krause (2.v.l.) und Hannelore Smurawski (r.).
Mit seinen drei Assistenten führt Marco Retzlaff (3.v.l.) seit fünf Jahren sein Computerfachgeschäft in Senftenberg. Im zur Seite stehen Marei Tupatsch (l.), Marco Krause (2.v.l.) und Hannelore Smurawski (r.). FOTO: Peter Aswendt