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Gabriele Frey wartet Kirchturmuhr
60 Jahre im Dienst der Kirchturmuhr

Altdöbern. IVon Uwe Hegewald

. „Wer hat an der Uhr gedreht“, heißt es im Gassenhauer von Paulchen Panter. Einwohner von Altdöbern wissen, wer regelmäßig an ihren Uhren dreht, insbesondere an der Kirchturmuhr.

Seit nunmehr sechs Jahrzehnten liegt das Regulieren, Reparieren und Warten in den Händen der Familie Frey, vom gleichnamigen Uhren- und Schmuckfachgeschäft in der Bahnhofstraße. Gabriele Frey, die täglich von außerhalb anreist, erklärt ihre Begeisterung für die Kirchturmuhr so: „Wenn ich morgens auf den Markt einbiege und die Gemeinde abends wieder verlasse, geht mein Blick nach oben.“

In fünfter Generation führt die Uhrmacherin, gemeinsam mit Ihrer Schwester Uta Frey-Ciesielski und der Mutter Christa Frey, das bereits 1869 gegründete Familienunternehmen. Seit 60 Jahren heißt es regelmäßig Kräfte bündeln, um nach 112 Treppenstufen und 24 Leitersprossen in die Uhrenstube zu gelangen. Dort befindet sich eines der wenigen noch funktionierenden, mechanischen Kirchturmuhren-Laufwerke in der Lausitz. „Sonst sind mir nur noch die Kirchturmuhren in Luckau und Elsterwerda und die Uhr im Spremberger Turm in Cottbus bekannt“, so Gabriele Frey, die die Mission Altdöberner Kirchturmuhr vom Vater Hubert Frey (1939-2009) übernommen hat.

Ein- bis zweimal monatlich geht es für die Fachfrau hoch hinaus, um in der Uhrenstube nach dem Rechten zu sehen.

Das Gehwerk der Uhr und die zwei Schlagwerke für den Stunden- und den Viertelstundentakt arbeiten noch immer wie vor mehr als 90 Jahren. Einzig das Aufziehen ist in den Jahren 2001 bis 2003 elektrifiziert worden.

„Mechanische Werke sind temperaturanfällig, da bleiben Schwankungen in der Genauigkeit nicht aus. Hervorgerufen werden sie durch unterschiedliche Luftfeuchtigkeit, was auch erklärt, warum die Kirchturmuhr im Sommer gern etwas vorgeht und im Winter der Zeit minimal hinterherläuft“, begründet sie das gelegentliche Eingreifen. Zur Umstellung auf Sommer- oder Winterzeit ist dieses auf jeden Fall notwendig. Ihre Faszination für betagte Uhrenmechanik ist ungebrochen, auch wenn ein Altdöberner Umrüsten auf Funkuhrentechnik ohne größere Probleme vollzogen werden könnte.

Mit ihren Erfahrungen ist Gabriele Frey eine gefragte Fachfrau. Ende Oktober weilte sie in Neuss am Rhein, um sich mit Kollegen über die Zukunft der Uhr der Christuskirche zu verständigen. In Altdöbern läuft die Kirchturmuhr sprichwörtlich wie geschmiert, jedoch nur wenige wissen, dass dies auf ehrenamtlichesWirken zurückzuführen ist, das bis in das Jahr 1957 zurückreicht. Damals hatten Freys den „Job“ von Walter Giese übernommen.