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Neuer Theater- und Orchesterrahmenvertrag
Trotz Vertrag Gehaltseinbuße am Staatstheater?

 Das Staatstheater Cottbus prägt die Region. Jahrelang hätten die Beschäftigten zum Erhalt der Kultureinrichtung auf mehrere Zehntausend Euro Lohn verzichtet, so Verdi-Gewerkschaftssekretär Hikmat El-Hammouri. Die Belegschaft hofft nun auf die Rückkehr zum Flächentarifvertrag.
Das Staatstheater Cottbus prägt die Region. Jahrelang hätten die Beschäftigten zum Erhalt der Kultureinrichtung auf mehrere Zehntausend Euro Lohn verzichtet, so Verdi-Gewerkschaftssekretär Hikmat El-Hammouri. Die Belegschaft hofft nun auf die Rückkehr zum Flächentarifvertrag. FOTO: Michael Helbig
Cottbus/Senftenberg. Der neue Theater- und Orchesterrahmenvertrag stellt Finanzausstattungen im Land Brandenburg auf sichere Füße. Am Staatstheater reicht das offenbar nicht, die Mitarbeiter sobald nach Flächentarif zu bezahlen. Von Ida Kretzschmar

Über einen Förderbescheid vom Land in Höhe von rund 440 500 Euro für 2019 konnte sich kürzlich das Piccolo-Theater in Cottbus freuen. Damit erhält das Kinder- und Jugendtheater mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. „Besonders glücklich sind wir, dass wir nun vier Jahre weit in die Zukunft planen und auch tarifähnliche Gehälter zahlen können“, freut sich Theaterleiter Reinhard Drogla. Die Finanzierung erfolgt auf der Grundlage des kürzlich unterzeichneten Theater- und Orchesterrahmenvertrages des Landes Brandenburg. Manuel Soubeyrand, der Intendant der Neuen Bühne Senftenberg, ist ebenfalls zufrieden mit der neuen Regelung. In den nächsten zwei Jahren sollen die Mitarbeitergehälter an den Flächentarifvertrag des öffentlichen Dienstes herangeführt werden.

In einer gemeinsamen Erklärung begrüßen auch Künstlergewerkschaften und Verdi den neuen Vertrag des Landes. Allerdings gebe es einen „gravierenden Schönheitsfehler“. Das Staatstheater Cottbus habe sich im November 2013 tarifvertraglich verpflichtet, spätestens zum 1. Januar 2020 alle Beschäftigten nach vollem Flächentarif zu bezahlen. „Obwohl allen Rechtsträgern seit sechs Jahren bekannt ist, dass zum 1. Januar 2020 die volle Tarifvergütung an alle Beschäftigten des Staatstheaters zu zahlen sei, reichen die jetzt eingestellten Mittel dafür immer noch nicht aus“, sagt der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), Gerald Mertens. Von mehr als einer Million Euro, die fehlen, ist die Rede. „Jeder einzelne Beschäftigte hat seit 2004 zum Erhalt des Theaters auf mehrere Zehntausend Euro Lohn verzichtet und fordert jetzt mit Recht die Einhaltung der Tarifverträge“, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Hikmat El-Hammouri.

Während sich also an der Neuen Bühne Senftenberg und am Piccolo-Theater neue Perspektiven für die Beschäftigten eröffnen, sind viele Mitarbeiter am Staatstheater Cottbus verunsichert. „Die Rückkehr zum Flächentarif wurde immer wieder verschoben. Auch jetzt gibt es keinerlei schriftliche Zusagen. Nicht mal ein neues Angebot der Kulturstiftung“, sagt DOV-Delegierter Steffen Picl. „Zur Zeit werden wir rund sechs Prozent unter dem Flächentarifvertrag bezahlt“.

Stephan Breiding, Pressesprecher im Brandenburgischen Kulturministerium, verweist auf eine Absichtserklärung im 3. Änderungstarifvertrag, das Vergütungsniveau des öffentlichen Dienstes der Länder spätestens bis Dezember 2022 anzustreben. Auch René Serge Mund, Verwaltungsdirektor der Kulturstiftung Cottbus – Frankfurt (Oder) betont, dass es sich um eine „gemeinsame Absichtserklärung von Arbeitgeber und Gewerkschaften und keine Verpflichtung“ handele. „Im vergangenen Haushaltsjahr wurden der Brandenburgischen Kulturstiftung öffentliche Zuwendungen in Höhe von 22 765 600 Euro zur Verfügung gestellt. 2019 werden es 2,3 Millionen Euro mehr sein. Die Tarifsteigerungen im Laufe der Jahre seien höher ausgefallen als angenommen. „Wir werden zur Fläche zurückkehren. Aber je höher das Verhandlungsergebnis, das im März erwartet wird, umso schwieriger wird es für uns, diesen Schritt schon am 1. Januar 2020 zu vollziehen. Die Schere, die im Laufe der Jahre durch Lohnverzicht entstanden ist, lässt sich nicht von heute auf morgen schließen“, unterstreicht er: „Auch wenn ich selbst mehr erhofft habe. Die Zuschussgeber kompensieren diese Schere nicht. Wir müssen eine Kompromisslösung finden.“