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LAWO Redaktion vor dem Controller
Auf in den Wilden Westen

Red Dead Redemption 2 besticht durch brillante Grafik mit hoher Auflösung. Gamer können sich über mehr als 65 Stunden Spielzeit freuen.
Red Dead Redemption 2 besticht durch brillante Grafik mit hoher Auflösung. Gamer können sich über mehr als 65 Stunden Spielzeit freuen. FOTO: Jochen Till
Wild West. Für viele ist es schon jetzt das Spiel des Jahres 2018. Red Dead Redemption 2 verspricht eine riesige Spielwelt, tolle Charaktere und jede Menge Realismus. Auch die Lausitzer Woche hat sich vor die Konsole gesetzt und das Spiel getestet.

von Danny Büttner

Seit dem 26. Oktober gibt es für viele Gamer nur noch ein Spiel. Red Dead Redemption 2 lässt die Konsolen reihenweise heiß laufen. Doch warum ist das so? Meiner Meinung nach fesselt das Spiel vor allem durch Realismus und unglaubliche Detailverliebtheit. Treffen mit Freunden sind im Moment nicht möglich – in jeder freien Minute wird der Controller in die Hand genommen.

In Red Dead Redemption 2 spiele ich den gesetzlosen Arthur Morgan. Er ist Mitglied der berüchtigten „Van-der-Linde-Gang“. Nach einem schiefgegangen Raubüberfall ist er zusammen mit den Mitgliedern der Bande auf der Flucht. Über die verschneiten Berge schlagen sie sich in den Osten durch. Und gerade dort bricht ein neues Zeitalter an. Massentransportmittel, ein Rechtsstaat und die Industrialisierung läuten das Ende der Outlaws ein. In der riesigen Welt werden Merkmale dieser Zeit auch deutlich spürbar.

Schon nach wenigen Minuten Spielzeit fällt mir vor Begeisterung regelmäßig die Kinnlade runter. Beim Gang durch den Schnee zieht man Furchen, es knarzt und quietscht und ich spüre die Kälte quasi auf der eigenen Haut. Auch der Übergang der Jahreszeiten findet nicht abrupt statt, sondern fließend. So gibt es Tauwetter und matschige Straßen, die vom geschmolzenen Schnee gezeichnet sind.

Nach Bezug des ersten Lagers kann ich mich erstmals richtig austoben. Mit dem eigenen Pferd geht es durch die weitläufige Landschaft. In der nächsten Kleinstadt kann ich Poker spielen, ein Bad nehmen oder mich als Kopfgeldjäger auf Verbrechersuche begeben. Auf diese Weise fülle ich meinen Geldbeutel und gewinne an Ehre. Der Detailreichtum und die Lebendigkeit der Landschaft begegnet dem Spieler an jeder Ecke.

Fast 200 verschiedene Tierarten können entdeckt werden. Hunde laufen über die Wege, Vögel fliegen von Ast zu Ast, Eichhörnchen streifen durch die Wälder. Auch die Witterungsverhältnisse ändern sich dynamisch. Auf Sonnenschein folgen dunkle Wolken. Gewitter und Blitze sind hör- und sichtbar. Wird es windiger, fallen Blätter von den Bäumen.

Zurück im Lager beobachte ich meine Gangmitglieder bei unterschiedlichsten Aktivitäten – am Lagerfeuer kann ich beispielsweise mit dem Koch über alte Zeiten sprechen. Alles wirkt völlig durchdacht und gibt mir trotzdem das Gefühl vollkommener Freiheit.

Und immer wieder stellt sich die Frage der Ehre. So kann ich den Weg des Gesetzes gehen oder aber Überfälle inszenieren, Pferde und Geld stehlen, Waffenhändler ausnehmen, in abgelegenen Häusern die Einwohner ausrauben und und und. Kurz gesagt: Der kriminellen Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

In den ersten drei Verkaufstagen spülte Red Dead Redemption 725 Millionen US Dollar in die Kassen von Hersteller Rockstar. Das Spiel hatte die meisten Vorbestellungen aller Zeiten im PlayStation Network. Auch in unserer Region wurde das Spiel den Verkäufern aus den Händen gerissen. Im Media Markt Cottbus wurden bereits weit über 500 Exemplare verkauft. Besonders gefragt ist dabei die Version für die Playstation 4, welche auch bei mir zu Hause in der Konsole rotiert.

Wie uns Christoph Neumann, Leiter für Neue Medien/Entertainment des Media Markt Cottbus verrät, hat sich der Markt auf die große Nachfrage eingestellt und entsprechend hohe Stückzahlen geordert. Dennoch sollte man sich beeilen, denn die Vorräte der PS4-Version gehen langsam zu Neige.

Rockstar hat mit der Grafik, dem großartigem Sound und der toll inszenierten Geschichte etwas geschafft, was nur wenige Videospiele bei mir schaffen: Der unbedingte Wille, weiterspielen zu wollen. Wenn die Konsole aus ist, möchte ich direkt erfahren, wie die Story weitergeht, den Rest der Tiere entdecken, angeln und einfach nur durch die Prärie reiten.

Die Unberechenbarkeit des Wilden Westens wird perfekt eingefangen. Permanent entwickeln sich unvorhergesehene Situationen. Diese kann man entschärfen oder eskalieren lassen – anschließend spüre ich direkt die Konsequenz meines Handelns. All das wird mit liebenswerten Kleinigkeiten gespickt, beispielsweise einer Schatzsuche über Skizzen, dem trockenem Humor bis hin zu stillen Momenten, in dem man einfach nur in die Natur schaut.

Wie für den Hersteller Rockstar üblich, findet jeder Dialog auf Englisch statt. Mehr als 1 000 Synchronsprecher und Schauspieler wurden engagiert und sorgen für ein authentisches Spiel. Eine deutsche Übersetzung gibt es im Untertitel. Dies erfordert manchmal ein gewisse Portion Konzentration, da man Spiel und Text gleichzeitig folgen muss.

Viele Fachzeitschriften bewerten das Spiel mit der Bestnote und sprechen von einem Meilenstein der Videospielgeschichte. Dem kann ich mich im Prinzip nur anschließen und vergebe 101 von 100 möglichen Punkten. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal derart in einem Abenteuer versunken bin. Eines hoffe ich dennoch zu schaffen – in den kommenden Tagen möchte ich wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Aktuell wird wie gesagt noch tagein tagaus gespielt. Howdy.

Red Dead
Red Dead FOTO: Jochen Till