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20. Todestag von Gundermann
Gundermanns Lieder erreichen Europa

Gerhard Gundermanns Musik ist auch heute noch aktuell.
Gerhard Gundermanns Musik ist auch heute noch aktuell. FOTO: Hugo Dietrich
Großräschen/Hoyerswerda. 13 europäische Liedermacher, Musiker und Übersetzer treffen sich im Juni in Großräschen, um bei einem Workshop die Lieder des Liedermachers Gerhard Gundermann in zahlreiche europäische Sprachen zu übersetzen.

(pm/abr) Im Westen kannte man ihn lange kaum, im Osten war sein plötzlicher Tod vor 20 Jahren ein schwerer Schock für viele Menschen. Gerhard Gundermann war Tagebau-Baggerfahrer und Rockpoet, galt als „Dylan des Ostens“.

Er flog aus NVA, Stasi und Partei, schlief mal zwei und mal fünf Stunden pro Nacht und wurde wie viele Lausitzer Kumpels in den Neunziger Jahren arbeitslos. Seine raue Poesie und die ungewöhnlich schönen Sprachbilder in seinen Texten machten ihn zu einem unverwechselbaren Liedermacher. Die Lieder für seinen Vater, seine kleine Tochter, über seine Heimat, das Hochzeitslied für seine Frau oder auch das Lied für die Schutzengel über dem Revier haben in Ostdeutschland Musikgeschichte geschrieben und tauchen manchmal sogar in Schulbüchern auf.

Als Gundermann starb, wurden Gedichte und Lieder über seinen Tod geschrieben.

Die Freunde seiner Musik haben sich jetzt zwanzig Jahre später ihm zu Ehren etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Im Juni treffen sich Liedermacher, Regisseure, Musik-Dozenten und Übersetzer aus europäischen Ländern in der Lausitz im IBA-Studierhaus Großräschen, an dem See, der einst ein Tagebau war.

Nicht weit von dort, wo Gerhard Gundermann zum letzten Mal von seinem Bagger stieg, übersetzen sie seine Lieder ins Englische, Russische, Italienische, Polnische, Tschechische, Französische und Ungarische und machen sie konzertfähig. Offiziell wurden Gundermanns Lieder wurden bislang nur ins Holländische übersetzt, und zwar vom „als vorbildlichen Europäer“ preisgekrönten Liedermacher Johan Meijer (2017, Vierteljahrespreis der deutschen Schallplattenkritik). Er hat jetzt dieses europäische Projekt angestoßen: „Gundermanns Lieder in Europa“. Träger sind der Verein Gundermanns Seilschaft e.V. und ein holländischer sowie ein polnischer Verein.

Zahlreiche Freunde von Gundermanns Musik in aller Welt haben dafür gespendet. Auch auf sorbisch und auf plattdeutsch wird Gundermann erklingen. Auch eine kleine schöne Ost-West-Geschichte ist mit im Spiel: Ein Tübinger Theaterchef wagte sich als erster Interpret und als erster Westdeutscher schon wenige Monate nach Gundermanns Tod in großem Umfang an sein Werk und gründete die Randgruppencombo, die noch immer jedes Jahr zweimal in den Osten tourt. Heiner Kondschak wird beim Workshop mit dabei sein.

Zum anschließenden Konzert in der Kufa Hoyerswerda werden neben Gundermanns Familie und Freunden mit großem musikalischem Aufgebot durchaus auch Filmleute erwartet. Denn Regisseur Andreas Dresenhat gerade einen Film über Gundermann gedreht, der im August in die Kinos kommen wird. Auch Gundermann-Fan Axel Prahl spielt mit, und Alexander Scheer hat die Hauptrolle übernommen.

Gundermann-Symposium, Sonntag, 17. Juni, mit Manfred Maurenbrecher, Heiner Kondschak (Randgruppencombo), David Robb, Diete Oudesluijs, Kulturfabrik Hoyerswerda, Braugasse 1, 14 bis 18 Uhr.

Öffentliche Generalprobe am Donnerstag, 21. Juni (Todestag), 18 Uhr, IBA-Studierhaus, Großräschen mit den übersetzten Liedern. Mit Heiner Kondschak, David Robb, Johan Meijer, George Leitenberger. Jos Koning, Piotr Bakal, Bernd Pittkunings, Piero Angelo de Lazzer, Mikhail Iwanow, Jan Repka, Zhenja Oks. Der Eintritt ist frei.

Europa-Konzert: Gundermanns Lieder in Europa am Freitag, 22. Juni, 21 Uhr, in der Kulturfabrik Hoyerswerda – mit übersetzten Liedern des Europa-Workshops. Veranstaltung vom Gundermann e.V. und der Kufa Hoywoy.

Brigadefeier mit den „Liedgefährten“ am 23. Juni, 20 Uhr. Zusammen mit Mitgliedern der „Brigade Feuerstein“, die sich ihren Namen vor 40 Jahren gegeben hat und dem Bürgerchor Hoyerswerda soll der Tag zum Anlass genommen werden,  um gemeinsam zu feiern, Geschichten zu erzählen und seine Lieder zu singen. Als Gäste sind u.a. junge Liedermacher eingeladen, die von ihrer Begegung mit Gundermanns Liedern berichten werden und als nächste Generation dieses wichtige Erbe pflegen und weiter verbreiten. Weiterhin sollen auch Überraschungsgäste kommen.

Ticketverkauf über die Kufa Hoywoy, auch online über die Homepage.