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Großer Jubel bei Premiere von „Das kalte Herz“
Ein Märchen für die ganze Familie

„Das kalte Herz“ ist ein märchenhaftes Abenteuer nach Wilhelm Hauff. Szenenfoto mit Wolf Gerlach (Kohlenmunkpeter) und Rupert J. Seidl (Holländer-Michel).
„Das kalte Herz“ ist ein märchenhaftes Abenteuer nach Wilhelm Hauff. Szenenfoto mit Wolf Gerlach (Kohlenmunkpeter) und Rupert J. Seidl (Holländer-Michel). FOTO: Marlies Kross
Jo Fabians Inszenierung „Das kalte Herz“ nach Wilhelm Hauff feierte am letzten Wochenende in der Kammerbühne des Staatstheaters Cottbus Premiere und begeisterte das Publikum.

Nach „Wilhelm Tell“ ist dieses märchenhafte Abenteuer für Kinder ab 6, Jugendliche und Erwachsene die zweite Produktion von Schauspieldirektor Jo Fabian, die am Theater an der Ruhr in Mülheim entstand. In Cottbus sind durch diese Kooperation sowohl inzwischen bekannte Gäste wie Annegret Thiemann und Matthias Horn („Kabale und Liebe“ und „Wilhelm Tell“) als auch Mitglieder des Cottbuser Schauspielensembles (Boris Schwiebert und Amadeus Gollner) zu sehen.

Peter Munk, ein armer, hart arbeitender Köhlerbursche, erfasst die Sehnsucht nach Ansehen, Geld und Erfolg. Verzweifelt setzt er seine ganze Hoffnung auf die alten, abergläubischen Wundergeschichten. Zuerst sucht er sein Glück beim sagenumwobenen Glasmännlein, doch dann wendet er sich an den als Dämon gefürchteten Holländer-Michel und geht mit ihm einen Pakt ein: Er tauscht sein Herz gegen einen kalten Stein und erhält im Gegenzug unermesslichen Reichtum. Doch von nun kann er sich weder an etwas erfreuen noch Traurigkeit oder Empathie empfinden.

Wilhelm Hauffs Novelle ist auf den ersten Blick ein schaurig-schönes, romantisches Märchen, auf den zweiten eine irrwitzige Jagd durch die Abgründe der menschlichen Seele und auf den dritten eine hellsichtige Untersuchung des Lebens in einer von Habgier geprägten Welt.

Durch diese Vielschichtigkeit des Stoffes, aber auch durch die Inszenierungsweise, die weniger auf Informationsvermittlung, als auf ein emotionales und sinnliches Erlebnis setzt, ist das „Kalte Herz“ ein generationsübergreifendes Märchen, das von jedem Zuschauer anders erlebt werden wird.

Die Inszenierung wird Wilhelm Hauffs Märchen gerecht. Und doch stupst sie die Zuschauer immer wieder in die Gegenwart.

„Älle hän mähr als wie i.,“ beklagt sich Kohlenmunkpeter im breiten Schwäbisch bei der Mutter, dass er als hart arbeitender Köhlerbursche den anderen an Geld, Ansehen und Erfolg nicht das Wasser reichen kann. Zwar warnt die Mutter (Gabriella Weber gibt ihr die Ausstrahlung einer lebensklugen Hexe), dass nicht alles Gold ist, was glänzt: Peter aber ist nicht zu halten. Wolf Gerlach spielt ihn als törichten, naiven Buben, der sich seinen Wunderglauben bewahrt und trotzig darauf beharrt, als Sonntagskind sein Glück fordern zu können, ohne freilich dafür die Verantwortung tragen zu wollen.

Um mit den Reichen mithalten zu können, und auch wegen der Lisbeth (Annegret Thiemann) treibt es Peter mit fiebrigen Augen zum Holländer-Michel. Rupert J.Seidl spielt in dieser Figur sehr überzeugend nicht nur seine Größe, die durch Videotechnik noch potenziert wird, sondern auch seinen Facettenreichtum aus. Wobei bald klar wird, dass man sich lieber von beiden Wunderknaben fern halten sollte.

Frappierend, wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene jeder für sich und gemeinsam angesprochen und verzaubert werden. Und wie es gelingt, dass sie sich nicht heraushalten.

Die nächsten Vorstellungen: Sontag, 25. November 16 Uhr; Samstag, 1. Dezember 19 Uhr; Sonntag, 2. Dezember 16 Uhr; Freitag, 7. Dezember 19 Uhr und Samstag, 22. Dezember 18 Uhr.

„Das kalte Herz“ ist ein märchenhaftes Abenteuer nach Wilhelm Hauff. Szenenfoto mit Wolf Gerlach (Kohlenmunkpeter) und Rupert J. Seidl (Holländer-Michel).
„Das kalte Herz“ ist ein märchenhaftes Abenteuer nach Wilhelm Hauff. Szenenfoto mit Wolf Gerlach (Kohlenmunkpeter) und Rupert J. Seidl (Holländer-Michel). FOTO: Marlies Kross