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Nach dem warmen Winter
Straußeneier-Schwemme in Rüdingsdorf

 Die Strauße von Nicole Schmall genießen die Sonne. Die Brutzeit hat in diesem Jahr ungewöhnlich früh begonnen.
Die Strauße von Nicole Schmall genießen die Sonne. Die Brutzeit hat in diesem Jahr ungewöhnlich früh begonnen. FOTO: LR / Anja Brautschek
RÜDINGSDORF. Der milde Winter hat offenbar die Legelust auf der Straßenfarm beflügelt: Die Tiere von Nicole Schmall haben so viele Eier wie noch nie gelegt. 98 Eier hat die Züchterin gezählt.

 Neugierig recken die Strauße ihre Köpfe über den Zaun. Der Besuch wird argwöhnisch beobachtet. Doch nur kurze Zeit später genießen die Vögel das sommerlich anmutende Wetter. Bei strahlendem Sonnenschein picken sie mit ihren großen Schnäbeln gelassen im Boden, baden ausgiebig ihr Gefieder im Sand und machen sich schön für den Hahn. Denn der vergleichsweise milde Winter hat bei den exotischen Tieren die Frühlingsgefühle so richtig entfacht.

 „Wir haben schon jetzt das dreifache an Eier entnommen“, erzählt Nicole Schmall von der Jambo-Straußenfarm in Rüdingsdorf. Bereits am 28. Januar sind die ersten im Nest gelandet – so zeitig wie nie. 98 Eier haben die Strauße bislang gelegt.

Doch was nur damit anstellen? Verarbeitet werden können die Eier im Prinzip wie Hühnereier. Der Geschmack jedoch ist anders, sagt die Farmbesitzerin. „Es schmeckt irgendwie vollmundiger.“ Das Interesse an den Riesen-Eiern nehme stetig zu. 22 Bestellungen hat sie in diesem Jahr entgegengenommen.

 Für ihren Hofladen verwendet sie die Straußeneier außerdem für Kuchen oder als Rührei. Das Innere enthält weniger Cholesterin und sättigt mit etwa 1,5 bis 2 Kilogramm Gewicht eine ganze Großfamilie.

Sie selbst hat für die Straußeneier aber noch ein besonderes Rezept auf Lager: Straußeneierlikör. Aus Zucker, dem Eigelb der großen Eier und Alkohol rührt sie diese sattgelbe Spezialität an. Aus 40 Eiern hat sie bereits mehrere Liter produziert.

 Ein Ende ist bislang noch nicht in Sicht. Denn Strauße beginnen erst zu brüten, wenn das Nest voll ist. „Wenn es so weiter geht, werden wir mit der Brut einen Monat eher beginnen müssen“, sagt Nicole Schmall. Und die wird in Rüdingsdorf in diesem Jahr besonders spannend. Denn eine neue Straußen-Familie hat Brut-Premiere. „Hoffentlich klappt das. Der Hahn ist ein Vorzeige-Strauß und hat sich die besten Hennen ausgesucht“, erklärt die Farmbesitzerin.

 Die Tiere wurden von Familie Schmall groß gezogen. Der Hahn mit seinem charakteristischen, schwarz-weißen Gefieder wirkt opulent. Der Körper ist breit und muskulös. Die Beine sind kräftig. Mit einem gezielten Tritt können sie sogar einen Menschen töten. Jetzt, zur Paarungszeit, verteidigt das Männchen seine Familie und zeigt sich aggressiv. „Das ist das Wesen der Tiere. Strauße sind keine Kuscheltiere“, warnt Nicole Schmall vor den niedlich aussehenden Tieren. Die Gehege auf dem Jambo-Farm sind deshalb doppelt gesichert – mit Draht- und Elektrozäunen.

 Die Frühlingssonne genießen die Strauße dennoch sichtlich. Schattenplätze meiden die meisten. Einige dösen in Erdkuhlen.

Nur zu viel Nässe und Kälte mögen die großen Laufvögel besonders zur Brutzeit nicht. „In einem Jahr war es so schlimm, dass die Küken durch den Regen in den Eiern ertrunken sind“, erklärt sie. Bleibt das Wetter aber beständig, werden voraussichtlich schon im Juni die ersten Straußen-Küken schlüpfen. 

 Die Strauße von Nicole Schmall genießen die Sonne. Die Brutzeit hat in diesem Jahr ungewöhnlich früh begonnen.
Die Strauße von Nicole Schmall genießen die Sonne. Die Brutzeit hat in diesem Jahr ungewöhnlich früh begonnen. FOTO: LR / Anja Brautschek
(abh)