| 13:44 Uhr

Änderung der Produktion
Spreewaldbitter-Tage sind in Neudöbern gezählt

Aufnahme mit der historischen Brennerei Neudöbern im Hintergrund, die Anfang der 1990er Jahre für den Bau einer neuen Brennerei abgerissen wurde.
Aufnahme mit der historischen Brennerei Neudöbern im Hintergrund, die Anfang der 1990er Jahre für den Bau einer neuen Brennerei abgerissen wurde. FOTO: Uwe Hegewald
Neudöbern. Eine mehr als hundertjährige Tradition wird wohl in Neudöbern nun endgültig auslaufen: die Brennereiwirtschaft. Zuletzt wurde noch der Betriebsablauf der Spreewaldbitter-Produktion aufrecht erhalten.

Im kommenden Jahr werden die Tanklastzüge ein letztes Mal die Gemeinde ansteuern, informiert Roland Schneider, Bürgermeister der Gemeinde Luckaitztal (früher Gemeinde Schöllnitz). Dieser Name ist noch auf den ursprünglichen Etiketten erwähnt, aber schon bald Geschichte. Wie die Pressestelle der Firma „Schwarze und Schlichte“ mit Stammsitz in Oelde (Münsterland) auf Nachfrage mitteilt, zieht sich das Unternehmen aus Neudöbern zurück. Damit endet im Ort die Spirituosenverarbeitung, das 1897 mit der Gründung der Genossenschaft „Landwirtschaftliche Brennerei“ Neudöbern begonnen hatte, endgültig.

2010 zog der letzte Besitzer und Betreiber der Brennerei, Hans Erdmann Dinglinger, einen Schlussstrich unter die Produktion von 85-prozentigen Rohalkohol. Die Anlagen wurden komplett zurückgebaut, das in den 1990er-Jahren neu errichtete Objekt veräußert und nur noch die Ansprüche von „Schwarze und Schlichte“ sichergestellt. Das Unternehmen verlegte seinerzeit einen der Produktionsabläufe des Spreewaldbitters nach Neudöbern und damit gezielt in den Wirtschaftsraum Spreewald. Somit war gesichert, dass der Name der Dachmarke Spreewald verwendet werden durfte.

„Wir verlegen die Produktion komplett in unser Werk nach Rinteln (Niedersachsen), sehen uns dadurch jedoch gezwungen, die Etikettierung zu ändern“, sagt Pressesprecherin Baum. „Es wird dann nur noch Kräuterlikör nach Spreewälder Art produziert. Ansonsten ändert sich nichts“, ergänzt sie und beteuert: „An der überlieferten Rezeptur aus dem Spreewald halten wir selbstverständlich fest. Auch an den bewährten Flaschengrößen von 0,02 Liter (20er Pack) bis 0,7 Liter.“

Nun sind also die Tage für den Spreewaldbitter, der original in der Region zusammengestellt wurde, gezählt. Somit könnte ein Run auf den Spreewaldbitter mit dem identifizierenden Etikett eröffnet sein. Mit dem Entschluss zu „Kräuterlikör nach Spreewälder Art“ durch die Firma „Schwarze und Schlichte“ geht nunmehr auch ein Original die Spree hinunter: Die kleinen Spreewaldbitter-Fläschchen, die auf den Spreewaldkähnen nicht fehlen durften sind dann lediglich ein Kräuterlikör nach Spreewälder Art.