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Lieberose
Lieberoser Munitionsfund ist eine Rakete

 Die ungewöhnlich großen Fundstücke in der Lieberoser Heide gaben dem Kampfmittelbeseitigungsdienst Rätsel auf. Nun stellte sich heraus: Es waren wohl Teile einer russischen Übungsrakete.
Die ungewöhnlich großen Fundstücke in der Lieberoser Heide gaben dem Kampfmittelbeseitigungsdienst Rätsel auf. Nun stellte sich heraus: Es waren wohl Teile einer russischen Übungsrakete. FOTO: KMBD
Lieberose. Kampfmittelbeseitiger haben in der Lieberoser Heide Munition geborgen. Die hat sich als Teil einer sowjetischen Kurzstreckenrakete entpuppt.

Teile einer Rakete sind auf dem Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes Lieberoser Heide gefunden worden. Als Mitarbeiter der Landeswald-Oberförsterei in Peitz vor zwei Wochen nahe der Schießbahn die im Boden vergrabenen Metallteile entdeckten, vermuteten sie „etwas Größeres“, sagt Rüdiger Seliger, Leiter der Behörde.

Es handle sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Teile einer sowjetischen Kurzstreckenrakete vom Typ 8K14, die von der NATO unter der Bezeichnung „SS 1 Scud B“ geführt wurde, teilt der Kampfmittel-Beseitigungsdienstes (KMBD) des Landes Brandenburg mit. Der Flugkörper stamme aus Beständen der ehemaligen sowjetischen Armee. Vermutlich wurden die Raketenteile beim Abzug der russischen Streitkräfte auf dem damaligen Truppenübungsplatz vergraben.

Der Abtransport der gefundenen Raketenteile zum Munitionszerlegebetrieb des KMBD erfolgte am Freitag vergangener Woche. Die Fundstelle und das unmittelbare Umfeld wurden mit Sondiertechnik nochmals überprüft — mehr wurde nicht gefunden. Die Arbeiten vor Ort seien am Freitag abgeschlossen und die Grube wieder verfüllt worden.

Offen bleibt die Frage: Wieso blieben die Raketenteile auf einem Übungsplatz. Am Plausibelsten: Die sowjetischen Scud-Raketen waren in den 80er-Jahren das Gegenstück zu den amerikanischen Pershing-Raketen. Die Waffensysteme waren in Deutschland stationiert, wurden aber nie abgeschossen. Die in der Lieberoser Heide gefundenen Teile könnten Reste einer Übungsrakete sein, mit der das Zielen und Nachladen trainiert wurde.

Der Fund scheint auch für den KMBD ungewöhnlich zu sein. Es dauerte drei Tage, bis das Ergebnis der Untersuchung mitgeteilt wurde. Normalerweise verfügen die Kampfmittelbeseitiger über so viel Erfahrung, dass sie auch bei stark korrodierten Munitionsfunden eine erste Einschätzung abgeben können, um was es sich handelt.

Munition ist auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberoser Heide spätestens seit den verheerenden Waldbränden 2018 ein heißes Eisen, weil Löschkräfte auf Grund der im Boden vermuteten Explosivstoffe das Gelände nicht betreten und befahren dürfen. Der Landesforstbetrieb und die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg sind seit mehr als zehn Jahren dabei, Teile der Lieberoser Heide von Kampfmitteln beräumen zu lassen.

 Die ungewöhnlich großen Fundstücke in der Lieberoser Heide gaben dem Kampfmittelbeseitigungsdienst Rätsel auf. Nun stellte sich heraus: Es waren wohl Teile einer russischen Übungsrakete.
Die ungewöhnlich großen Fundstücke in der Lieberoser Heide gaben dem Kampfmittelbeseitigungsdienst Rätsel auf. Nun stellte sich heraus: Es waren wohl Teile einer russischen Übungsrakete. FOTO: KMBD