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LaWo-Serie „Nicht ohne uns“
Damit Aussiedler und Flüchtlinge keine Fremden bleiben

Nele Schulz ist stolz auf das Foto von der Preisverleihung für den Aussiedlerbrief.
Nele Schulz ist stolz auf das Foto von der Preisverleihung für den Aussiedlerbrief. FOTO: Andreas Staindl
Lübben.. Nele Schulz (52) lebt seit 1992 in Lübben. Vor 25 Jahren kam sie mit ihrer Familie aus Kasachstan nach Deutschland. Sie engagiert sich in der Beratungsstelle der Diakonie. Von Staindl

Nele Schulz fühlt sich wohl im Spreewald. „Lübben ist meine Heimat“, sagt die 57-Jährige, die vor 25 Jahren aus Kasachstan in die Kreisstadt kam. „Hier habe ich Freunde und nette Nachbarn. Und ich kann gute Gespräche auch auf der Straße führen.“ Sie wurden damals nach Lübben verteilt und wollten ursprünglich weiter nach Westdeutschland.“ Doch die Aussiedler sind geblieben. „Mein Mann fand schnell Arbeit, unsere beiden Kinder Freunde in der Schule. Da zieht man nicht einfach weiter.“ Auch sie selbst hatte Beschäftigung in Lübben gefunden. Nele Schulz hat in der evangelischen Kita, in der Kita „Gute Laune“ und in der Fahr-und Kreisbibliothek gearbeitet. „Ich hatte Kontakt zu vielen Menschen. Das hat mir sehr geholfen, mich in meiner neue Heimat einzuleben. Es war ein schönes Gefühl, wenn mich etwa Eltern von Kindern auf der Straße erkannten und gegrüßt haben. Da habe ich gemerkt, dass ich angekommen bin.“

Ihr ehrenamtliches Engagement hat ihr zusätzlich geholfen, sich zu integrieren. „Integration gelingt leichter, wenn man am öffentlichen Leben teilnimmt und sich einbringt.“ Nele Schulz engagiert sich etwa in der Beratungsstelle der Diakonie in Lübben. Zahlreiche Feste tragen auch ihre Handschrift. Sie hat frühzeitig gelernt, sich einzubringen. „Ich habe mich schon als junges Mädchen für andere Kinder eingesetzt, war später viele Jahre Klassensprecherin, auch an der Universität.“ Die 57-Jährige hat Geschichte studiert. Ihre eigene Geschichte ist eng mit ihrem  Engagement verbunden. Seit 2005 ist sie ehrenamtliche Redakteurin, erst des „Aussiedlerbriefes“, später des Info-Blatts „Mitten unter uns“ des Diakonischen Werks in Lübben. Bärbel Blume, eine hauptamtliche Mitarbeiterin, hatte sie dazu ermutigt.

Inzwischen liegt die 41. Ausgabe vor. Nele Schulz schreibt beispielsweise die Geschichten anderer Aussiedler auf, macht sie mit Sitten und Bräuchen in Deutschland vertraut und gibt eigene Erfahrungen weiter – alles in deutscher Sprache. Sie hat schon zahlreiche weitere Beiträge gesammelt, die ebenfalls veröffentlicht werden sollen. Die Heftchen werden von Spätaussiedlern, Einheimischen und jetzt auch von Flüchtlingen gelesen. 2010 wurden die „Aussiedlerbriefe“ preisgekrönt. Sie sind mit einem dritten Preis des Wettbewerbs „Kirchliche Beheimatung von Ausgesiedelten“ der Aussiedlerseelsorge der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) ausgezeichnet worden. „Das war etwas ganz Besonderes für mich“, sagt Nele Schulz. Sie erinnert sich auch gern an Feste, die sie mit anderen Aussiedlern sowie Einheimischen vorbereitet und durchgeführt hat. „Es ist schön, ein Lächeln in den Augen der Besucher zu sehen und zu spüren, dass eine Idee ankommt, sich die Vorbereitungen gelohnt haben.“ Die 57-Jährige schöpft auch daraus ihre Kraft. Gesundheitlich geht es ihr nicht besonders gut; sie leidet an Multipler Sklerose. Vor zwei Jahren ist zudem ihr Mann verstorben.

Doch Nele Schulz engagiert sich weiter. „Ich hoffe, dass ich noch lange das ,Info-Blatt’ mitgestalten kann.“ Und dass sich ihr Wunsch, „für immer in Lübben zu bleiben“, erfüllt. Auch ihre beiden Kinder haben Wurzeln in Deutschland geschlagen. Die Tochter lebt inzwischen in Leipzig, der Sohn in Berlin. Beide haben studiert.

Die beiden Großstädte gefallen auch ihrer Mutter. Und doch will sie aus Lübben nicht weg. „Ich kenne hier so viele Leute, von überall kommt ein freundliches ,Hallo’ – das gebe ich nicht einfach auf.“ ⇥

Kennen Sie auch jemanden, der sich ehrenamtlich engagiert, und den wir in der Lausitzer Woche einmal vorstellen sollen? Dann schreiben Sie eine E-Mail an cottbus@lausitzer-woche.de