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Triathlon
Kalt erwischt – und trotzdem meisterhaft

Finsterwalde/Hamburg. Der Finsterwalder Triathlet Franz Löschke hat in Hamburg ein aufregendes Ironman-Debüt erlebt. Am Ende wurde er deutscher Meister – trotz eines Missgeschicks unterwegs. Von Mirjam Danke

Das tut richtig weh. Vor allem beim Treppensteigen hat Franz Löschke zurzeit große Schmerzen. „Gehen funktioniert gerade nur sehr langsam“, erzählt er lachend. Kein Wunder. Der Triathlet aus Finsterwalde hat beim Ironman in Hamburg am vergangenen Wochenende eine wahre Tortur hinter sich gebracht – insgesamt rund 50 Kilometer Laufen und 180 Kilometer auf dem Rad. Im Ziel des Langdistanzrennens, das wegen der Blaualgengefahr in der Alster als Duathlon, also ohne das Schwimmen ausgetragen wurde, konnte sich der 29-Jährige schließlich als deutscher Meister feiern lassen.

Insgesamt wurde Löschke bei dem internationalen Rennen Fünfter. Ein tolles Ergebnis, und dennoch ärgert sich der Finsterwalder ein wenig. „Da wäre definitiv mehr drin gewesen“, betont er. Doch unterwegs ist ihm buchstäblich die Energie ausgegangen. Was war passiert?

Nach dem Sechs-Kilometer-Auftaktlauf als Ersatz für das Schwimmen ging es aufs Rad. „Und da habe ich gleich nach etwa sieben Kilometern bei einer Kopfsteinpflasterpassage meine Flasche mit meiner kompletten Energie für die 180 Kilometer verloren“, schildert Franz Löschke. „Ich wusste nicht, dass es da so eine krasse Passage gibt – Paris-Roubaix ließ grüßen –, ausgerechnet dieses Stück sind wir vorher nicht abgefahren“, erzählt er – und kann mit ein paar Tagen Abstand auch schon wieder darüber lachen: „Wenn die Hauptverpflegung flöten geht, muss man eben auf Low Carb umschalten.“

Seine Premiere auf der Langdistanz geriet also zu einem Rennen mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad. Löschke war nun gezwungen, alle 20 bis 25 Kilometer eine Verpflegungsstation anzusteuern. „Bei 45 km/h ist es nicht einfach, viele Sachen zu greifen“, berichtet er. „Im Endeffekt hat die Energie bei Weitem nicht ausgereicht.“

Dennoch kämpfte sich Löschke, der sich selbst als „mental recht gelassen“ bezeichnet, tapfer durch, ließ sich angesichts des Energiedefizits bei Tempoverschärfungen der Konkurrenz nicht locken („Ich wollte mich nicht völlig zerstören“) und setzte auf den abschließenden Marathon. „Ich bin ja ein sehr guter Läufer, und mit der eigenen Wettkampfverpflegung, die ich dann wieder hatte, habe ich auch sofort einen Energieschub gemerkt“, erzählt der 29-Jährige.

Dennoch musste er nach der Halbmarathonmarke und bei Temperaturen um 27 Grad ordentlich beißen, bevor er sich nach insgesamt 7:26:56 Stunden im Ziel am Hamburger Rathausplatz schließlich als bester Deutscher feiern lassen konnte.

Daran war vor einigen Monaten noch nicht zu denken. Löschke, der als Triathlet eigentlich auf der Kurz- und auf der Mitteldistanz zu Hause ist, plagte sich mit einer langwierigen Schambeinentzündung und konnte bis zum vergangenen Wochenende überhaupt keine Wettkämpfe absolvieren. Zusammen mit seinem Heidelberger Trainer Philipp Seipp entschied er, auf die Lang­distanz auszuweichen, da wegen der Schambeinentzündung kein Training für die kürzeren Strecken, also keine harten Tempoeinheiten möglich waren.

Dieses Langdistanz-Experiment kann als gelungen betrachtet werden, auch wenn in Hamburg wegen des abgesagten Schwimmens kein wirklicher Ironman absolviert werden konnte. „Aber es hat trotzdem Spaß gemacht, es war eine schöne Erfahrung“, resümiert Löschke, der Blut geleckt hat und auf jeden Fall noch weitere „richtige“ Langdistanz-Triathlons absolvieren will. „Ich kann dann sozusagen noch mal meine Ironman-Premiere feiern“, meint er grinsend.

Als nächsten Wettkampf hat der U23-Weltmeister von 2009 über die Kurzdistanz aber den 70.3-Triathlon auf Rügen am 9. September im Visier. Über die Mitteldistanz auf der Insel wurde er im vergangenen Jahr Zweiter. Zunächst geht es von seinem Wohnort Potsdam aus aber kurz ins heimische Finsterwalde, bevor dann in St. Moritz ein Trainingslager auf dem Plan steht. Dort sei in der ersten Woche erstmal Urlaub angesagt und „Bewegungstherapie“ mit Freundin Silja (27), die in den vergangenen Wochen Löschkes „Anspannung und Launen verkraften musste“, wie der frischgebackene deutsche Meister verrät. Sie darf sich nun also auf einen gutgelaunten Partner freuen, der dann sicher auch wieder jede Treppe schmerzfrei bewältigen wird.