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Fußball
Abschied des ziemlich besten FCE-Freundes

 Anfang 2017 berichtete Michael Wahlich vom „ziemlich besten Freund“, der Energie Cottbus unterstützt. Nun hat er verraten, wer dahinter steckt.
Anfang 2017 berichtete Michael Wahlich vom „ziemlich besten Freund“, der Energie Cottbus unterstützt. Nun hat er verraten, wer dahinter steckt. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus. Michael Wahlich verabschiedete sich beim letzten FCE-Heimspiel vor dem Jahreswechsel von den Energie-Fans. Es war seine letzte Partie als Energie-Präsident. Kurz davor lüftete er ein Geheimnis. Von Jan Lehmann

Am vergangenen Samstag kämpfte Energie Cottbus gegen den Tabellenletzten Eintracht Braunschweig um wichtige Drittliga-Punkte. Michael Wahlich nahm an dem Tag zum letzten Mal als FCE-Präsident auf der Haupttribüne des Stadions der Freundschaft Platz. Der 59-Jährige gibt das Amt zum Jahresende ab, sein Nachfolger wird das bisherige Präsidiumsmitglied Werner Fahle.

Michael Wahlich gibt zu, dass ihn der Gedanke an den Abschied nicht kalt lässt. „Es bewegt mich und ich muss das sicher auch noch in Ruhe verarbeiten“, sagt der Cottbuser Geschäftsmann, der nach dem Abstieg in die Regionalliga im Sommer 2016 das vakante Amt übernommen hatte. „Ich wollte mich damals eigentlich nur für den Verwaltungsrat bewerben, weil ich nach dem Abstieg irgendetwas für den Verein tun wollte, doch dann war ich plötzlich als Präsident im Gespräch“, berichtet Wahlich.

Mit seiner pragmatischen Art machte sich der Präsident schnell Freunde im Verein, ihm gelang es auch, Mitglieder und Anhänger nach dem Absturz in den Amateurfußball wieder für den Club zu gewinnen. Der Präsident, der eine überstandene Krebserkrankung öffentlich machte, setzte sich für mehr Transparenz und Miteinander im Verein ein.

Und er versuchte, den finanziell angeschlagenen Club wieder zu stabilisieren. Dafür tat der Inhaber der Cottbusser Presse Vertrieb OHG mehr als manche wohl geahnt haben. Denn nachdem Wahlich zuvor bereits seit 2014 als Premium-Sponsor mit seiner Firma schon stattliche Beträge für den Verein aufgebracht hatte, legte er kurz vor Silvester 2016 noch einmal kräftig nach. Wahlich lüftet das Geheimnis, dass hinter dem damals als „ziemlich besten Freund“ bezeichneten Unterstützer, der für 500 000 Euro Genussscheine bei Energie zeichnete, niemand anderes als er selbst steckt.

Der scheidende Präsident sagt: „Ja, ich habe das damals gemeinsam mit meiner Familie entschieden, obwohl wir wussten, dass wir damit ein finanzielles Risiko eingehen. Wir wollten einfach dabei helfen, den Verein in ein ruhigeres Fahrwasser zu bringen.“ Den Umweg über den „besten Freund“ wählte Wahlich damals, um „nicht unnötig Wind um meine Person zu machen. Es ging mir nur um die Sache“, sagt er rückblickend. Und die Sache war damals ziemlich eng. Laut Wahlich hatte das Jahresergebnis 2016 einen Fehlbetrag von eben jenen 500 000 Euro aufgewiesen. In einer E-Mail an seine Mitstreiter im Verein schrieb Wahlich damals: „Gemäß Insolvenzordnung Paragraph 19 Absatz 1 wäre somit die juristische Folge der Gang zum Amtsgericht, da das Vermögen des Vereins die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt. Die Folgen, neben dem Abstieg in die 5. Liga, sollte jeder von uns kennen.“

Es kam anders, Energie schaffte auch dank der finanziellen Unterstützung von Wahlich den Aufstieg in die 3. Liga. Für den Präsidenten ein emotionaler Höhepunkt seiner Amtszeit. „Die Erinnerung an das Stadion voller feiernder Energie-Fans, die wird immer bleiben“, sagt er. Schließlich hatte er sich zu Amtsantritt genau dieses Szenario gewünscht: „Ich möchte mit den Fans im Stadion der Freundschaft feiern“, hatte Wahlich in seinem ersten Interview bekundet.

Dass Wahlich sich nun entschloss, das Präsidentenamt abzugeben, hatte ihm zufolge mit personellen Entscheidungen im Verein zu tun. Der 59-Jährige macht kein Hehl daraus, dass er nicht ohne Groll aus dem Amt scheidet. Dennoch betont er: „Ich bleibe dem FC Energie freundschaftlich verbunden und werde auch künftig meine selbstbezahlte Dauerkarte weiter nutzen.“ Auch als Sponsor bleibt er dem Verein bis zum Sommer erhalten. Was dann passiert, lässt Wahlich offen. „Ich muss das erstmal alles sacken lassen und dann sehen, wie es mir damit geht.“ Insgeheim reift aber wohl schon ein neuer Plan in ihm. Wahlich gibt zu: „Vielleicht überlege ich mir ja doch noch einmal, für den Verwaltungsrat beim FCE zu kandidieren.“ Viele Energie-Anhänger würden das vermutlich begrüßen, denn der scheidende Energie-Präsident bekam bei seinem letzten Auftritt viel Beifall.