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Wie ein roter Blitz
Auf mehreren „Baustellen“ gleichzeitig

 Ohne Matthias Hantschers Engagement gäbe es die Sport- und Kulturscheune in Raddusch nicht. Beim Richtfest des Sozialtrakts darf er den letzten Nagel in einen Dachbalken schlagen.
Ohne Matthias Hantschers Engagement gäbe es die Sport- und Kulturscheune in Raddusch nicht. Beim Richtfest des Sozialtrakts darf er den letzten Nagel in einen Dachbalken schlagen. FOTO: Peter Becker
Raddusch. „Nicht ohne uns“ lautet die Serie der LAUSITZER WOCHE. Sie porträtiert Personen mit großem ehrenamtlichen Engagement. Matthias Hantscher setzt sich für die Kultur- und Sportscheune Raddusch sowie den Erhalt des lokalen Bahnstopps ein.

Im Dorf ist er oft schon von Weitem zu erkennen: Seine rote Sportjacke und sein rotes Basecap leuchten vom Fahrrad ebenso wie aus dem Auto, an dem oft noch ein Einachser hängt. Die Radduscher wissen dann, dass Matthias Hantscher wieder unterwegs ist, um etwas zu bewegen, zu verändern oder einfach nur, um seine Unterstützung bei anderen Vorhaben einzubringen.

Der 1964 in Suhl Geborene hat in Dresden Maschinenbau studiert und fand über verschiedene Stationen 2000 nach Raddusch. Der Sicherheitsingenieur hat im Ort bei einem Ingenieur-Büro eine Arbeit gefunden, die ihn auch immer wieder ins Brandenburger Umland führt. Er kommt rum, sitzt aber auch viel im Auto und im Büro – der Drang nach Bewegung, nach sportlicher Betätigung, ist bei ihm daher groß. Ziemlich schnell kam er mit dem örtlichen Sportverein in Kontakt, spielt hier aktiv Volleyball – und kam bald in den Vorstand der Spielvereinigung 1924 Raddusch e.V., deren Vorsitzender er später wurde. Seit 2015 lenkt er die Geschicke des 115 Mitglieder starken Vereins und hat gemeinsam mit anderen Aktivisten bereits viel bewegt. Die Radduscher Sport- und Kulturscheune ist dabei das größte Projekt. Eine alte ungenutzte Scheune wurde mit Fördermitteln und unendlich vielen kostenlosen Arbeitsstunden zu einem begehrten Mittelpunkt dörflichen Gemeinschaftslebens aus- und umgebaut. „Wie wichtig dieses Objekt für Raddusch ist, erschließt sich schon allein aus der Tatsache, dass die Scheune täglich genutzt wird. Egal ob für die Frauengymnastik, Tanzkurse oder für den Kita-Sport – es kann sich schon keiner mehr vorstellen, wie es mal ohne ein Haus für alle gegangen sein soll“, blickt Matthias Hantscher zurück.

Er schaut immer mal in der Scheune vorbei, auch um zu sehen, ob alles richtig läuft oder um einfach auch mal nur das Gespräch zu suchen, wie an diesem Abend: Die Radduscher Fußball-Minis, Jungs zwischen vier und sechs Jahren, bolzen unter Anleitung ihrer Trainer durch die Scheune. In einer Spielpause erzählt Trainer Maik Liebig: „Ohne Matthias Hantscher wäre das hier alles nicht möglich geworden. Er zieht alle mit und geht dabei voran – man kann ihm einfach nur folgen. Man merkt es ihm an, dass er sich einbringen will und gern Dinge in Bewegung setzt.“ Das beste Beispiel dafür ist der gerade abgeschlossene Anbau an der Sport- und Kulturscheune. „Wir brauchen Toiletten, wir brauchen eine Küchenzelle und ein Vorratslager – wer hilft mit?“, sprach er vor drei Jahren laut aus – und 2017 war die Einweihung der Remise, wie sie jetzt genannt wird. Dazwischen lagen beschwerliche Behördengänge, Kampf um Fördermittel und wieder viele freiwillige Aufbaustunden der Radduscher. Für den Beobachter wäre eigentlich nun alles bestens, nicht für Matthias Hantscher. „Wir brauchen einen überdachten Außenplatz, eine Art Carport, damit an heißen Sommertagen der Sport im Freien erträglicher wird. Und wenn wir schon dabei sind, könnte dieser Platz auch noch einen Backofen bekommen, für gesellige Feiern und so“, denkt er schon wieder ziemlich laut nach.

 Matthias Hantscher (Mitte) schaut in der Scheune den Radduscher Fußball-Minis, Jungs zwischen vier und sechs Jahren, beim Bolzen unter Anleitung ihres Trainers zu.
Matthias Hantscher (Mitte) schaut in der Scheune den Radduscher Fußball-Minis, Jungs zwischen vier und sechs Jahren, beim Bolzen unter Anleitung ihres Trainers zu. FOTO: Peter Becker

Der engagierte Radduscher hat aber auch noch andere Baustellen. Die größte, nervenaufreibende und bisher kaum von Erfolg gekrönte ist der weggefallene Bahnhalt in Raddusch. Eine Bürgerinitiative, der Matthias Hantscher vorsteht, sammelte Unterschriften gegen den Wegfall und übergab die Listen an die zuständige Ministerin. Und er organisierte gemeinsam mit anderen Aktivisten Aufmerksamkeit erregende Aktionen. Beim letzten Halt eines RE2 in Raddusch stieg fast das halbe Dorf demonstrativ in den Zug ein und fuhr bis Kolkwitz mit, um dort gemeinsam mit den dort ebenso Betroffenen lautstark zu protestieren. Die jüngste Aktion war ähnlich gelagert: Als vor wenigen Wochen auch noch der Schienenersatzverkehr eingestellt wurde, organisierte er eine Abschlussfahrt mit einem der letzten Busse. „Es ist alles ein hanebüchener Unsinn, der hier von den Verantwortlichen verzapft wird“, sagt Matthias Hantscher. Er, der es gewohnt ist, mit viel Power viel zu erreichen, muss sich eingestehen, dass nicht alles möglich ist. Besonders dann nicht, wenn der politische Wille fehlt. Ein letzter Brief an die Staatskanzlei blieb unbeantwortet. „Wir haben viele Berufspendler, und keiner spricht von den Berliner Tagestouristen, die auf die Bahn angewiesen sind.“ Matthias Hantscher gibt dennoch nicht auf und steht bereit, wenn es nur den Hauch einer Chance gibt.

 In Warnweste macht sich Matthias Hantscher laut für den Erhalt des Bahnstopps Raddusch stark. Am letzten Fahrtag im Dezember 2015 organisierte seine Bürgerinitiative eine Demonstration.
In Warnweste macht sich Matthias Hantscher laut für den Erhalt des Bahnstopps Raddusch stark. Am letzten Fahrtag im Dezember 2015 organisierte seine Bürgerinitiative eine Demonstration. FOTO: Peter Becker

An mangelnden Aufgaben fehlt es ihm nicht. Er ist dabei, die Sektion Tischtennis weiter aufzubauen, die Volleyballanlage bedarf regelmäßiger Pflege. Seit zwei Jahren ist die Radduscher Fußballmannschaft wieder am Start. „Wir haben den Sportlern gute Bedingungen, einen guten Platz mit intakter Infrastruktur gegeben – mehr können wir nicht für deren Aufstieg aus der 2. Kreisklasse tun. Das müssen sie nun selbst schaffen“, sagt der Sportvereinschef.

Kennen Sie auch jemanden, der sich ehrenamtlich engagiert und der einmal in der Zeitung vorgestellt werden sollte? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail mit ihrem Vorschlag an
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