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Nicht ohne uns
Damit Spätaussiedler keine Fremden bleiben

Olga Hoffmann ist vor 18 Jahren nach Deutschland gekommen. Ihre Erfahrungen bei der Integration gibt sie gern an andere Spätaussiedler weiter.
Olga Hoffmann ist vor 18 Jahren nach Deutschland gekommen. Ihre Erfahrungen bei der Integration gibt sie gern an andere Spätaussiedler weiter. FOTO: Privat / Olga Hoffmann
LÜBBENAU. Der Alltag von Olga Hoffmann ist optimal strukturiert. Muss er auch, um das tägliche Arbeitspensum zu schaffen, das sich von den frühen Morgenstunden bis abends und manchmal auch spät in die Nacht erstreckt.

„Ich mache derzeit eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin, inklusive eines Praktikums in der Tagespflege Lübben“, erzählt Olga Hoffmann in fließendem Deutsch. Im Jahr 2000 ist sie mit ihrer Familie aus Kasachstan nach Deutschland gekommen, um für immer hier zu bleiben. Möglich wurde das aufgrund der Nationalität ihres Ehemannes Jürgen und ihres Schwiegervaters Alexander, Nachkommen von Wolgadeutschen, die sich seinerzeit aus Deutschland kommend in Russland niederließen.

Für die Hoffmanns war es wichtig, so schnell wie möglich die deutsche Sprache zu erlernen, um das Leben im zunächst noch fremden Land zu meistern. Erfahrungen die Olga Hoffmann seinerzeit gesammelt hat, kann sie heute ihren Landsleuten oder Rückkehrern aus anderen ehemaligen GUS-Staaten weitergeben. „Oftmals sind es Hilfestellungen beim Ausfüllen von Formularen, Behördengänge oder wenn etwa Kinder in eine Kita oder Schule angemeldet werden“, nennt sie Beispiele. Insbesondere bei Arztbesuchen sind ihre Sprachkenntnisse gefragt. „Ohne Dolmetscher sind Behandlungstermine kaum zu haben. Notfalls müssen Zettel geschrieben werden, wo alles Wesentliche draufsteht“, erzählt sie. Längst unterstützt Olga Hoffmann nicht nur Landsleute aus Kasachstan und nicht nur Familien in Lübbenau. Tschetschenen, Russen und Kirgisen zählt sie auf, die unter anderem auch in Vetschau, Senftenberg oder Altdöbern leben. „In Notfällen mussten auch schon private Termine zurückgestellt werden“, sagt sie. Ehemann Jürgen und die beiden Söhne (zehn und 19 Jahre) zeigen Verständnis, wenn Mutter mal wieder unterwegs ist. Mitunter sind es Tagesausflüge, wenn etwa Termine bei Behörden oder in Kanzleien in Berlin oder Potsdam anstehen. „Die betroffenen Familien zeigen sich überaus dankbar. Regelmäßig erhalte ich Einladungen, noch für einen gemeinsamen Kaffee oder Tee zu bleiben“, so Olga Hoffmann, die in Kasachstan als Dreherin gearbeitet hat. Hier waren es Jobs in der Gastronomie und bei der Diakonie Lübben – drei Jahre ehrenamtlich und vier Jahre gegen ein geringfügiges Honorar. Große Sprünge kann sie sich, wie die meisten Menschen mit Migrationshintergrund, nicht leisten. „Wir sind immer dankbar, wenn Leute etwas bereitstellen und wir Familien helfen können. Möbel, Geschirr, Bettwäsche, aber auch Küchengeräte oder Fahrräder werden gerne entgegengenommen“, führt die Lübbenauerin an. Eine sehr gute Zusammenarbeit gebe es mit Queenie Nopper von der Lübbenaubrücke. Dort treffe sie stets auf offene Ohren. Regelmäßig werden Treffen oder Veranstaltungen gemeinsam organisiert oder Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Wenn es die finanziellen Mittel zulassen, werden diese in Wochenend- oder Brandenburg-Bahntickets investiert, um sich in Berlin oder Cottbus Tierparks anzuschauen. Schon kleinere Zuwendungen würden dazu beitragen, gemeinsamen Freizeitaktivitäten mehr Profil zu geben. Mehr noch würde sich Olga Hoffmann im Namen von integrationswilligen Personen wünschen, dass sich Teilnahmebedingungen an Deutschkursen verbessern. So gebe es Phasen, in denen müssten Interessierte mehrere Monate warten, um einen entsprechenden Sprachkurs zu belegen. Für Olga Hoffmann ein Grund mehr ihre Dolmetscherdienste und sonstigen Hilfen anzubieten.

Olga Hoffmann, 2.v.r. überreicht mit ihren Landsleuten Präsente an die Stadt Lübbenau.
Olga Hoffmann, 2.v.r. überreicht mit ihren Landsleuten Präsente an die Stadt Lübbenau. FOTO: Privat / Olga Hoffmann
Die Tradition des Matrjoschka-Festes bewahrt Olga Hoffmann gemeinsam mit anderen Spätaussiedlern.
Die Tradition des Matrjoschka-Festes bewahrt Olga Hoffmann gemeinsam mit anderen Spätaussiedlern. FOTO: Privat / Olga Hoffmann