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Nicht ohne uns
Sein Herz schlägt für die Feuerwehr und für Luckau

Mit dem Rudel steuert Hans-Georg Schaper heute Kähne auf dem Luckauer Stadtgraben.
Mit dem Rudel steuert Hans-Georg Schaper heute Kähne auf dem Luckauer Stadtgraben. FOTO: Birgit Keilbach
Luckau. Wenn in Luckau jemand nach Hans Georg Schaper fragt, bekommt er mit Sicherheit Auskunft. Die kann verschieden ausfallen. Der 72-Jährige ist ehrenamtlicher Feuerwehrmann und Bewahrer der Geschichte, Fanfarenbläser, Kahnfährmann und Müllsammler.

Hans-Georg Schaper ist immer zur Stelle, wenn jemand gebraucht wird. Geboren wurde er 1945 in der Langen Straße und ist Luckauer mit Herz und Seele. Das Ehrenamt gehört zu seinem Leben, seit er 17 Jahre zählte. Damals begann sein Herz für die Feuerwehr zu schlagen.

„Wir waren eine Clique und sind 1963 alle gemeinsam in die Feuerwehr eingetreten“, erzählt Hans-Georg Schaper. 1979 übernahm er die Wehrführung und lenkte 28 Jahre lang die Geschicke der Freiwilligen Feuerwehr in Luckau mit durchschnittlich 50 bis 60 aktiven Kameraden.

Größtes Projekt während dieser Zeit war der Neubau des Gerätehauses im Zaackower Weg 1996, weil die neuen Fahrzeuge nicht mehr in die alten Garagen auf dem Mönchhof passten. „Im Vergleich zu manch anderer Wehr sind wir sehr gut ausgestattet. Das haben unsere Stadtverordneten immer gut im Blick“, lobt der 72-Jährige. Bis heute ist er Ehrenmitglied im Kreisfeuerwehrverband Dahme-Spreewald. „Wir gründeten nach 1990 den ersten Kreisfeuerwehrverband, damals noch im Altkreis Luckau“, blickt er zurück. Auch den Luckauer Feuerwehrverein brachte er als Gründungsmitglied mit auf den Weg, arbeitete bis 2017 im Vorstand mit. Der 140 Mitglieder zählende Verein sorgt für das kulturelle Leben und den Zusammenhalt der Kameraden und ihrer Familien, unterstützt die Kinder- und Jugendfeuerwehr.

Oft ist Hans-Georg Schaper gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlern der Wehr zur Brandschutzerziehung in Kitas und bei Hortkindern. Gemeinsam mit Vincenz Tretziak kümmert er sich um das Traditionsfahrzeug SIL 131. Besonders am Herzen liegt ihm die Bewahrung des Erbes der Luckauer Wehr. Zu deren 140-jährigem Bestehen im Jahr 2013 hob er gemeinsam mit seiner Mutter Erika einen besonderen Schatz. Unter den historischen Dokumenten befanden sich alte Protokollbücher, deren Aufzeichnungen bis ins Jahr 1882 zurückreichen. „Doch ich konnte die alte Schrift nicht lesen. Meine Mutter schon. Sie hat alles in ein Diktiergerät gesprochen und ich habe das dann in den Computer getippt.“

Zwei Winterhalbjahre lang widmeten sie sich der Übersetzung. Mehrere Ordner füllt dieser Teil der Feuerwehrchronik, die so auch für die heutige Generation verständlich ist.

Mit weiteren Ruheständlern hält Hans-Georg Schaper den Aktiven bei Einsätzen den Rücken frei. „Wir verschließen die Tore, wenn die Fahrzeuge abgefahren sind, das ist wertvoller Zeitgewinn für den Einsatz“, nennt er einen Punkt.

Sie achten zudem auf Ordnung und Sicherheit, schließen die Fahrräder ein, prüfen nach, ob alle Autos verschlossen sind. „Wenn sie uns ‚Alte‘ sehen, dann wissen sie, dass im Hintergrund alles seinen Gang geht.“

Hans-Georg Schapers Herz schlägt nicht nur für die Feuerwehr, sondern für seine Heimatstadt Luckau als Ganzes. Bis heute bläst er im Spielmannszug des Luckauer Karnevalsvereins eine Fanfare, gehörte 1974 zu den Gründern des Klangkörpers. Nach der Landesgartenschau erschloss er sich mit Kahnfahrten auf dem Stadtgraben ein weiteres Betätigungsfeld. „Das Staken hat mir Arved Franke aus Lübbenau beigebracht.“ Einmal pro Woche ist er mit dem Kahn unterwegs, zwei weitere Luckauer staken gelegentlich auch mit ihren Kähnen.

Sorgen macht ihm die zunehmende Verschlammung des Grabens. Acht Jahre lang habe die Feuerwehr die Entkrautung als Vertragspartner des Gewässerunterhaltungsverbandes Obere Dahme-Berste übernommen. „Doch jetzt ist es mit Muskelkraft allein nicht mehr zu schaffen.“ Die Fahrrinne habe er bisher freihalten können, „doch sie ist nur noch für kleinere Gruppen tief genug.“ Auch den Wasserstand im Graben reguliert er ehrenamtlich und schneidet zwischendurch auch mal wuchernde Sträucher am Graben zurück.

„Wenn mich etwas stört, dann muss ich das beseitigen“, sagt der rastlose Luckauer. Und so sammelt er einmal in der Woche rund um den Stadtgraben auch den Müll auf, den andere achtlos in die die Natur schmeißen.

Gemeinsam mit seiner inzwischen verstorbenen Mutter Erika übertrug Hans-Georg Schaper die Eintragungen historischer Protokollbücher der Luckauer Feuerwehr in heute lesbare Schrift.
Gemeinsam mit seiner inzwischen verstorbenen Mutter Erika übertrug Hans-Georg Schaper die Eintragungen historischer Protokollbücher der Luckauer Feuerwehr in heute lesbare Schrift. FOTO: Birgit Keilbach