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Ehrenamt Nicht ohne uns
Retter der Literatur

 Jürgen Pufe und Christa Thümmel führen Regie in der Gemeindebibliothek von Neupetershain. 2015 sollte die Einrichtung geschlossen werden, was das Duo bewog, die Bibliothek ehrenamtlich weiterzuführen.
Jürgen Pufe und Christa Thümmel führen Regie in der Gemeindebibliothek von Neupetershain. 2015 sollte die Einrichtung geschlossen werden, was das Duo bewog, die Bibliothek ehrenamtlich weiterzuführen. FOTO: Uwe Hegewald
NEUPETERSHAIN. „Nicht ohne uns“ lautet die Serie der LAUSITZER WOCHE. Sie porträtiert Personen mit großem ehrenamtlichen Engagement. „Nicht mit uns“ schallte es dagegen 2015 durch Neupetershain im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Einige Gemeindevertreter hatten in Erwägung gezogen, die Bibliothek für immer zu schließen.

Jürgen Pufe kennt den Grund: „Bis Ende 2015 sollte das Neupetershainer Rathaus freigezogen sein, in der auch die Gemeindebibliothek ihr Domizil hatte. Erschwerend kam hinzu, dass sich Bibliothekarin Waltraud Falkenstein kurz vor dem Eintritt ins Rentenalter befand“, berichtet er. „Bücher werden nicht weggeworfen“, so Pufe, der schon immer die Überzeugung vertrat, „dass Bücher für das Leben wichtig sind“.

Als im Oktober 2015 die Auflösung der Einrichtung drohte, teilte der pensionierte Lehrer den Gemeindevertretern mit: „Ich führe die Bibliothek weiter.“ Ehrenamtlich, weil es bereits einen Beschluss gab, die Stelle nicht erneut auszuschreiben. Zum Glück besaß der damalige Bürgermeister Wolfgang Müller so viel Weitsicht, dass er durch Mitarbeiter des Bauhofes einen entsprechenden Raum in der ehemaligen Grundschule malermäßig renovieren ließ.

2010 wurde die Bildungseinrichtung geschlossen, die seinerzeit den Namen des großen deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe trug. Geradezu ein Fingerzeig, um im teilverwaisten Gebäude und Wand an Wand mit dem Neupetershainer Hort eine Bibliothek zu etablieren. „Vom Hort schauen immer mal wieder Kinder bei uns rein“, erzählt Jürgen Pufe, der mit Christa Thümmel eine willkommene Verstärkung an seiner Seite weiß.

Den Öffnungstag, immer mittwochs von 14 bis 18 Uhr, teilt sich das Duo, das einräumt, keine besonderen Vorkenntnisse zum Führen einer Bibliothek besessen zu haben. „Da arbeiten wir uns rein“, befanden die beiden Neupetershainer, die in der Anfangszeit noch auf die Unterstützung durch Waltraud Falkenstein zurückgreifen konnten. Unter Federführung von Jürgen Pufe, der bis 2008 am Calauer Gymnasium Physik, Mathematik und Musik unterrichtete, sind inzwischen zwei Schachzüge geglückt.

Eine Antragsbestätigung für finanzielle Unterstützung durch die Sparkasse Niederlausitz, die 2017 aus der Gewinnausschüttung des PS-Lotterie-Sparens 1000 Euro für den Erwerb eines Bibliothek-Computers locker machte sowie ein Entgegenkommen für Neupetershainer Leser. „Wir waren der Meinung: wenn wir schon ehrenamtlich tätig sind, dann sollen unsere Besucher auch von Mitgliedsbeiträgen und Ausleihgebühren freigestellt werden“, begründet das Duo.

In der Auslage befinden sich neben Belletristik auch viele Sach- und Fachbücher, Lexika, Kinder- und Jugendbücher, Ratgeber für Reisen, Backen oder Kochen, nahezu alle Bände aus der beliebten Bücherreihe „Was ist was“ aber auch Stühle und Sessel. „Besucher können und sollen sich Zeit nehmen, durch die Regale schlendern und stöbern“, erklärt Jürgen Pufe das Bereitstellen entsprechender Sitzmöbel.

Nach seinen Lieblingsautoren gefragt fallen ihm spontan Thomas Mann aufgrund seiner Sprache und Stilmittel ein, sowie Gottfried Keller mit seinen „hervorragenden Novellen“. Schade eigentlich, dass dem Schweizer Dichter (unter anderem „Kleider machen Leute“) im Fontane-Jahr so wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Auch Gottfried Kellers Geburtstag jährt sich zum 200. Mal. Er wird bei Jürgen Pufe ebenso nicht in Vergessenheit geraten, wie auch Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt, dessen Leitspruch der Neupetershainer in seine Bibliotheks-Chronik eingeheftet hat: „Bibliotheken sind die geistigen Tankstellen der Nation.“

Kennen Sie jemanden, der sich ehrenamtlich engagiert und den wir in der Zeitung vorstellen sollten? Dann schicken Sie bitte Ihren Vorschlag an cottbus@lausitzer-woche.de