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Ehrenamtlicher Narr
Nach der Session ist vor der Session

 Beim jüngsten Männerballett-Turnier des Karneval Verband Lausitz hatte Manfred Bremer den Verdienstorden in Gold mit Brillanten erhalten, die höchste Auszeichnung des Bundes Deutscher Karneval.
Beim jüngsten Männerballett-Turnier des Karneval Verband Lausitz hatte Manfred Bremer den Verdienstorden in Gold mit Brillanten erhalten, die höchste Auszeichnung des Bundes Deutscher Karneval. FOTO: LR / Angelika Brinkop
Kolkwitz. Der Lausitzer Karneval liegt dem Kolkwitzer Manfred Bremer sehr am Herzen. Seit 44 Jahren engagiert er sich für die fünfte Jahreszeit und kann auf eine bewegte Karriere als Karnevalist zurückblicken. Von Stephan Meyer

Ursprünglich hatte Manfred Bremer mit Karneval gar nichts am Hut, offenbart der 68-Jährige rückblickend. Nun wurde er jüngst mit der höchsten Auszeichnung des Bundes Deutscher Karneval (BDK) geehrt. Jahrelang prägte er als Präsident des Kolkwitzer Carneval Club (KCC) und als Vizepräsident des Karneval Verband Lausitz (KVL) die fünfte Jahreszeit in der Lausitz. Für seine 44-jährige aktive Vereinsarbeit erhielt er den BDK-Verdienstorden in Gold mit Brillanten.

Während eines Studiums Anfang der 1970er Jahre in Glauchau wurde Bremer zum Karneval-Fan. Die Karnevalsveranstaltungen im Erzgebirgischen Raum hatten es ihm angetan und in ihm den Traum geweckt, so etwas selbst einmal auf die Beine zu stellen. Im West-Fernsehen hatte er zwar schon früher gern den Kölner Karneval verfolgt, doch Karneval gab es in seinem Heimatdorf Drewitz nicht. Nach dem Studium kehrte er mit karnevalistischer Erfahrung und vielen neuen Ideen nach Kolkwitz zurück.

„Der Kolkwitzer Karneval war Liebe auf den ersten Blick“, so Bremer. Das lokale Urgestein Ernst Pujo holte ihn 1977 in den KCC. „Ich fühlte mich geehrt, denn der Kolkwitzer Club war einer der ältesten Vereine der Lausitz und Kolkwitz schon damals eine Karnevalshochburg“, sagt Bremer. 1984 wurde Bremer dann Präsident des KCC. „Es war an der Zeit, neue Ideen in die Tat umzusetzen“, erinnert er sich. Doch vorher musste noch Überzeugungsarbeit gegenüber den gestandenen Karnevalisten geleistet werden. Auch wenn es ihnen schwer gefallen sei, sich von bewährten Traditionen zu verabschieden, so hätten sie dem neuen Weg offen gegenüber gestanden.

Der neue Weg bedeutete unter anderem, neue, andere Veranstaltungen zu entwickeln. Gern besinnt sich Bremer an eine Einladung zum Nachtwäscheball des Hurnzer Faschings Vereins (Zittauer Gebirge) 1985 zurück. Alle waren dort nur in Nachtwäsche gekleidet. Die Stimmung und das Programm waren „phänomenal“. So etwas wünschte er sich auch in Kolkwitz. „Heute ist diese Veranstaltung und viele mehr aus unserem Programm nicht mehr wegzudenken“ sagt der Rentner.

 Manfred Bremer (untere Reihe, Mitte) beim Nachtwäscheball in Hörnitz. Dort holte er sich die Inspiration für den Kolkwitzer Nachtwäscheball.
Manfred Bremer (untere Reihe, Mitte) beim Nachtwäscheball in Hörnitz. Dort holte er sich die Inspiration für den Kolkwitzer Nachtwäscheball. FOTO: Manfred Bremer

Kolkwitz sei nach wie vor eine Karnevalhochburg in der Region, ist Bremer überzeugt. „Aber das haben wir uns mühsam erarbeitet.“ Mitverantwortlich für den „kometenhaften Aufstieg“ des Lausitzer Karneval sei Bremer zufolge auch die gute Zusammenarbeit der regionalen Vereine untereinander. 1990 haben sich die Narren schnell unter einem Dachverband – dem Karnevalverband Lausitz 1990 (KVL) zusammengefunden, auf dessen Kappe unter anderem die Karnevalsgala „Heut‘ steppt der Adler“ und der „Zug der fröhlichen Leute“ geht.

An der Erfolgsgeschichte der Gala war Bremer als Gründungsmitglied und Vizepräsident des KVL aktiv beteiligt. Mitte der 1990er wurde das komplette Programm noch aus einem großen Berg Videokassetten zusammengefügt. Die regionalen Karnevalclubs reichten dazu ihre Beiträge ein. Die Sendung wurde anfangs noch im Bremers Wohnzimmer kreiert. Dazu traf er sich mit Peter Ringlep vom Fernsehen und dem KVL-Präsident Frank Czepok. Die Sendung wurde damals sogar in der ARD ausgestrahlt. „Vor einem Millionenpublikum waren wir präsent“, so der heutige KCC-Ehrenpräsident.

 Die ersten „Heut’ steppt der Adler“-Sendungen wurden Mitte der 90er im Wohnzimmer Manfred Bremers (Mitte) aus einem großen Berg Videokassetten kreiert.
Die ersten „Heut’ steppt der Adler“-Sendungen wurden Mitte der 90er im Wohnzimmer Manfred Bremers (Mitte) aus einem großen Berg Videokassetten kreiert. FOTO: Manfred Bremer

Besucher aus ganz Deutschland geben sich inzwischen beim Kolkwitzer Karneval die Klinke in die Hand, berichtet Bremer. Auch Kölner seien öfter unter ihnen und immer begeistert. „Wir haben uns hier eine Form von Karneval erhalten, wie sie dort mal ursprünglich war“, weiß der Kolkwitzer und betont stolz: „Der KCC macht sein Programm zu 100 Prozent selbst.“ In Köln hingegen sei es inzwischen üblich, Kabarettisten zu buchen. Während beispielsweise „Heut‘ steppt der Adler“ deutschlandweit die einzige Fernsehgala sei, die mit eigenen Aktiven aus den regionalen Karneval Clubs arbeitet. Das kostet natürlich Zeit und Mühen. Nach der Session ist vor der Session. „Das ist ein Ganzjahresjob“, so Bremer. Und natürlich auch eine Teamleistung. Ans Aufhören denkt er nicht. „So lange es die Gesundheit zulässt, warum sollte ich mein Hobby an den Nagel hängen?“

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 Beim jüngsten Männerballett-Turnier des Karneval Verband Lausitz hatte Manfred Bremer den Verdienstorden in Gold mit Brillanten erhalten, die höchste Auszeichnung des Bundes Deutscher Karneval.
Beim jüngsten Männerballett-Turnier des Karneval Verband Lausitz hatte Manfred Bremer den Verdienstorden in Gold mit Brillanten erhalten, die höchste Auszeichnung des Bundes Deutscher Karneval. FOTO: LR / Angelika Brinkop