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Interessengruppe liebt Musik
Live-Musik mit viel Blues-Rock

 Für die Geschichte des „Clubs Extra“, die von Blues und Protest geprägt ist, interessierten sich auch schon Fernseh-Teams.
Für die Geschichte des „Clubs Extra“, die von Blues und Protest geprägt ist, interessierten sich auch schon Fernseh-Teams. FOTO: Uwe Hegewald
ALTDÖBERN/MUCKWAR. Sie backen inzwischen kleinere Brötchen, dafür sind diese besonders schmackhaft und gehaltvoll. Die Rede ist vom „Club Extra“. Er ist eine Interessengruppe, die Livemusik liebt, wenn sie nur genug Blues-Rock in sich trägt.

„Für Samstag, 6. April haben wir Torbjørn Risager und seine Band The Black Tornado für ein Konzert gewinnen können. Es macht uns stolz, dass die international gefeierten Blues-Musiker aus Dänemark erneut im Gasthaus von Muckwar (Gemeinde Luckaitztal) auftreten“, sagt Gerd Lau.

 Lau ist Vorsitzender des Clubs, dessen Wurzeln im früheren „Club am Weinberg“ mit seiner skurrilen Geschichte zu finden sind.

Gerd Lau erinnert sich: „Schlüsselerlebnis war eine private Geburtstagsfeier am 11. Januar 1985 im Altdöberner Schützenhaus. Die wurde uns von den Funktionären verboten. Das Treffen sei illegal und außerdem gäbe es keinen Grund zum Feiern, hatte man uns kurz mitgeteilt.“ Das ließen sich die „Aufmüpfigen“ nicht gefallen und verfassten einen Beschwerdebrief. Adressat: Erich Honecker. „Wir wollten Blues, Rock, Soul und Countrymusik hören und haben Konzerte dieser Musikstile betreffend, auf Defizite hingewiesen“, so Lau zum Inhalt des Schreibens.

Wider Erwarten gab es ein zögerliches Einlenken, in dessen Folge sich der „Club am Weinberg“ gründete und Veranstaltungen ins Leben gerufen werden konnten. In Erinnerung bleiben zahlreiche Konzertveranstaltungen im Altdöberner Schützenhaus sowie Openair-Konzerte im Schlosspark mit über 3000 Besuchern oder im benachbarten Neudöbern.

Bemerkenswert: Kommerzielle Interessen standen nie im Vordergrund. „Von den Überschüssen hatten wir im Freibad Dankeschön-Konzerte für Helfer durchgeführt, ein paar Rücklagen gebildet und tüchtig gespendet“, erzählt Gerd Lau. Während der Musikveranstaltungen „Blues für UNICEF“ wurde Geld für das internationale Kinderhilfswerk gesammelt. „Später überwiesen wir mehrmals Hunderte D-Mark an die Deutsche Krebshilfe und an das Cottbuser Klinikum zugunsten krebskranker Kinder“, so der Clubchef.

Den fürsorglichen Pfad hat der „Club Extra“ bis heute nicht verlassen. So werden zu den Konzerten, die zuletzt immer im „Krug zum grünen Kranze“ in Muckwar durchgeführt werden, Freikarten für die Mitglieder der Internationalen Jugendbauhütte bereitgestellt. „Als Dank für ihren zwölf Monate währenden Einsatz als Parksanierer im Freiwilligen Sozialen Jahr in der Gartendenkmalpflege Altdöbern“, begründet er.

Am Sonnabend haben die temporär in Altdöbern lebenden Jugendlichen aus Frankreich, Italien, Großbritannien, Spanien, Weißrussland, Armenien und Deutschland das Glück, die Arbeitswoche bei einem Konzert von Torbjørn Risager und seiner Band „The Black Tornado“ ausklingen zu lassen.

Am Vorabend des Maifeiertages, dem 30. April gastiert die nächste internationale Blues-Größe in Muckwar: Archie Lee Hooker (USA) Neffe und Ziehsohn des legendären John Lee Hooker. Veranstalter ist der „Club Extra“, der sich 1989, noch vor dem Mauerfall formierte. Gerd Lau zog 1977 aus Riesa nach Altdöbern.

In der Elbestadt hatte er bereits als 17-Jähriger im Jugendklub mitgearbeitet. „Später war es mein Job, den Kontakt zu Bands wie Sterncombo Meißen oder Renft herzustellen und für Auftritte im Riesaer Capitol zu gewinnen“, blickt er zurück. Seine Aufgeschlossenheit und seine Bereitschaft, für wichtige Sachen einzutreten und zu kämpfen, hat er sich bis heute bewahrt. So zählte Gerd Lau zu den Aktivposten der Bürgerinitiative „Altdöberner See“, die entschlossen gegen das geplante Einleiten von Eisenhydroxidschlamm (EHS) in den See protestierte und erfolgreich war. Aufgrund seines Ufer-Reliefs und der natürlichen Flutung aus unterirdischen Grundwasserschichten wird das Gewässer (früher Tagebau Greifenhain) auch als Bergsee bezeichnet. „Es wäre unverantwortlich gewesen, in den Altdöberner See EHS einzupumpen, zählt er doch zu der künstlichen Gewässern Brandenburgs mit ausgezeichneter Wasserqualität“, stellt er klar.

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 Gerd Lau zählt zu den Personen, die sehr genau hinschauen, was in ihrem Ort und Nachbarregionen passiert.
Gerd Lau zählt zu den Personen, die sehr genau hinschauen, was in ihrem Ort und Nachbarregionen passiert. FOTO: Uwe Hegewald
 Bluesertreffen Altdöbern
Bluesertreffen Altdöbern FOTO: Uwe Hegewald
 Gerd Lau
Gerd Lau FOTO: Uwe Hegewald