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Cottbus
Kreative Köpfe nähen für Frühchen und Sternchen

Marlies Bärsch (l.) strickt an einem neuen Kleidungsstück und Claudia Wank zeigt eines ihrer Erinnerungssets.
Marlies Bärsch (l.) strickt an einem neuen Kleidungsstück und Claudia Wank zeigt eines ihrer Erinnerungssets. FOTO: Isabel Damme
Cottbus. „Jedes Kind ist ein Wunder“ ist das Motto des Vereins Sternenzauber und Frühchenwunder. Diana Gutsche und Claudia Wank nähen für Frühchen und machen den Familien eine schwierige Zeit ein wenig bunter. Gemeinsam mit Marlies Bärsch, die sie mit gestrickten und gehäkelten Werken unterstützt, fertigen sie auch Erinnerungsstücke und Kleidung für Sternenkinder und deren Eltern an.

Die ehrenamtliche Arbeit von Claudia Wank, Diana Gutsche und Marlies Bärsch beginnt, wenn in der Lausitz eine Schwangerschaft kürzer als geplant andauert. Von einem Frühchen spricht man, wenn ein Kind vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt erblickt. Damit das Baby vor Infektionen geschützt, medizinisch überwacht und versorgt werden kann, verbringt es seine ersten Lebenstage oder -wochen auf einer Frühchen-Station im Krankenhaus. Die teilweise nur 500 Gramm leichten Winzlinge passen in keine handelsüblichen Kindersachen. „Wir nähen passende Kleidung und wollen somit ein wenig Farbe in den oft schweren Krankenhausalltag bringen“, erzählt Claudia Wank.

Vielen Eltern wird durch das Anziehen das Gefühl vermittelt, auch etwas für ihren kleinen Schatz tun zu können. Außerdem wirken die Kinder nicht mehr ganz so winzig und zerbrechlich wie in zu großer Kleidung. Die Station im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum hat für die Babysachen extra eine Waschmaschine gekauft. „In der großen Wäscherei würden die kleinen Sachen sonst verloren gehen.“ Das Waschen, Aufhängen und Zusammenlegen werden von den Schwestern in freiwilliger Arbeit erledigt.

Der Verein betreut insgesamt in Deutschland, Österreich und der Schweiz über 400 Kliniken, Hebammen und Bestatter. Neben den kleinen Kämpfern näht der Verein auch für Babys, die zu den Sternen ziehen. Claudia Wank versorgt neben dem Carl-Thiem-Klinikum auch verschiedene Hebammen, Ärzte und Beratungsstellen in Cottbus mit Erinnerungssets. Für die Trauerarbeit mit den Familien ist es wichtig, Abschied zu nehmen. „Sich von ihrem Kind zu verabschieden, es ein letztes Mal anzuziehen und zuzudecken, ist für viele Eltern ein wichtiger Prozess der Trauerarbeit“, erklärt Claudia Wank.

Die insgesamt über 1400 Vereinsmitglieder haben sich viel einfallen lassen, um den Familien den Abschied zu erleichtern. Sie fertigen beispielsweise kleine bunte Schiffchen an, in die das Kind gebettet wird, oder basteln Erinnerungssets. Jedes Set enthält kleine Erinnerungsstücke wie Perlenengel oder Plüschsterne, damit dem Kind etwas mit ins Grab gegeben werden kann. „Die Eltern tragen mit dem gleichen Trösterli ihren kleinen Stern nicht nur im Herzen, sondern haben auch die Möglichkeit, ihn immer als greifbare Erinnerung zu halten.“

Seit Mai 2013 dürfen in Deutschland auch Kinder unter 500 Gramm auf Wunsch der Eltern beerdigt werden. In Cottbus gibt es daher jährlich vier Sternenbestattungen, die ebenfalls vom Sternenzauber & Frühchenwunder e. V. unterstützt werden. Für alle, die ein Erinnerungsset bestellen wollen, gibt es die Möglichkeit, über die Homepage, den Blog, Instagram oder auch Facebook eine Anfrage zu stellen. Claudia Wank resümiert: „Wir versenden monatlich circa 100 Sternenzauberpakete.“

Realisiert wird die Arbeit durch Spenden und ehrenamtliche Helfer. Marlies Bärsch berichtet von der Spendenkiste im Cottbuser Stoffladen Amarandos. „Dort werden viele Spenden für uns hinterlegt.“ Neben Woll- und Stoffspenden freuen sich die Vereinsmitglieder auch über anderes Bastelmaterial, anderweitige Unterstützung oder Geldspenden.

Claudia Wank hat den Verein nach Cottbus gebracht. Im April 2015 organisierte sie die erste Übergabe im CTK und kümmert sich seither ehrenamtlich um die Lausitz. Die Vereinsarbeit füllt einen großen Teil ihrer Freizeit aus.

Die Hobbynäherin wünscht sich noch mehr Unterstützer an der Nähmaschine. Dabei muss bei der Kleidung für Frühchen und Sternchen einiges bei der Stoffauswahl und dem Schnitt beachtet werden. „Für Frühchen haben wir eine eigene Kollektion an Schnittmustern für die Gruppe erstellt bekommen, die vorher in Kliniken getestet wurden.“

Marlies Bärsch häkelte und strickte früher für die eigenen Kinder. „Heute sind sie zu groß für Kindermützen.“ Über eine eBay Kleinanzeige, in der eine Häkeldame gesucht wurde, kam sie vor zwei Jahren zum Verein. „Handarbeit entspannt mich am Abend.“ Daher arbeitet sie in der Woche circa fünf Stunden an Mützen, kleinen Erinnerungsstücken und auch Storchenbeuteln. Diese Beutelchen sind für die Aufbewahrung von sehr frühen Fehlgeburten, bei denen der Embryo zu klein zum Bekleiden ist.

Diana Gutsche ist der dritte kreative Kopf im Cottbuser Team. „Mit der Geburt meines Enkels im Sommer 2017 – er kam in der 33. Schwangerschaftswoche auf die Welt – wurde mir bewusst, dass solch kleine Kerlchen nichts Passendes zum Anziehen haben.“ So ging sie bewusst auf den Verein zu. Claudia Wank nähte für den kleinen Liam ein Starterset und „da wurde mir bewusst, dass ich anderen Familien helfen möchte“, so Diana Gutsche. Seitdem näht sie nach Feierabend und an Wochenenden für den guten Zweck.

Zu Ostern verteilte Claudia Wank an die Frühchen-Eltern im CTK kleine Ostergeschenke. „Bunt gemusterte Spucktücher und Utensilos sollen ihren doch recht aufreibenden Klinikalltag etwas aufhellen.“