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Ehrenamt
Retter für die Vetschauer Doppelkirche

Hartmut Bott freut sich, dass der Kanzelaltar bald in neuem Glanz erstrahlen wird.
Hartmut Bott freut sich, dass der Kanzelaltar bald in neuem Glanz erstrahlen wird. FOTO: Peter Becker
Hartmut Bott liegt die Wendisch-Deutsche Doppelkirche in Vetschau am Herzen. Gegenwärtig wird hier der Kanzelaltar umfassend restauriert. Als Vorstandsmitglied des Fördervereins schaut er beihnahe täglich nach dem Rechten.

„Es hat sich rumgesprochen, dass Vetschau die einzige Doppelkirche Deutschlands besitzt, vermutlich sogar die einzige in Europa – und beide evangelisch und voll funktionsfähig“, erzählt Hartmut Bott.

Es ist nicht nur diese Tatsache, die die Kirche zu etwas Besonderen unter Kennern macht. Auch der Altar, genauer der Kanzelaltar, ist eine Besonderheit. In fast allen anderen Kirchen, wie auch in der benachbarten deutschen Kirche, befindet er sich seitlich in Emporenhöhe, während der Altar, zumeist mit einem Bildnis versehen, ungestörte Blicke auf sich ziehen soll. Hartmut Bott: „Es entspricht ganz dem Zeitgeist einer reformierten Kirche, dass damals, vor etwa 150 Jahren, bei der Aufstockung der Emporen die Kanzel in den Altar versetzt wurde.“ Und genau diese Kanzel, erbaut 1868 von einem Burger Tischler, steht derzeit im Mittelpunkt umfangreicher Restaurationsarbeiten – ein weiterer Grund, weshalb Hartmut Bott immer mal vorbeischaut. Zwei Restauratorinnen, sie hatten schon das Orgelgehäuse vor zwei Jahren modernisiert, legen mit Skalpell, Pinzette und Wattestäbchen die alten Farbschichten frei und erneuern diese.

Hartmut Bott setzt mit seinen Vereinsmitgliedern alle Hebel in Bewegung, um die erforderlichen Mittel, immerhin etwa 15 000 Euro, zu besorgen. Unterstützung bekommt der Verein vom Kirchenkreis und vielen Sponsoren. Noch ist die Summe nicht vollständig. Hartmut Bott: „Wir nehmen sehr gern noch Spenden entgegen, uns fehlen noch 4000 Euro!“

Es gibt aber noch einen weiteren Grund für Hartmut Bott in die Kirche zu gehen: Er ist seit 1987 ausgebildeter Lektor und unterstützt den Pfarrer. Er kümmert sich um die Liturgie und um andere Dinge rund um den Gottesdienst. Im Gemeindekirchenrat ist er ebenfalls seit dieser Zeit tätig.

Hartmut Bott ist Jahrgang 1959, er wuchs in Vetschau in einem christlich geprägten Elternhaus auf. Die Nähe zur Kirche war so von Anbeginn an gegeben, es folgten Christenlehre, Konfirmandenunterricht und Konfirmation. Im den damaligen Vetschauer Waggonausrüstungen erlernte er den Beruf eines Wirtschaftskaufmanns, dem sich ein Studium im Schwermaschinenbau/Betriebswirtschaft anschloss. Es folgten Tätigkeiten in Hennigsdorf und im BKW Cottbus, jeweils in Buchhaltung und Lohnrechnung. Die politische Wende brachte ihn wieder zurück nach Vetschau, hier übernahm er am 1. Oktober 1990 die Steuersachbearbeitung in der Stadtverwaltung. Als Vetschauer blieb ihm das Schicksal „seiner“ Kirche, besonders der Wendischen, nicht verborgen. Dort fand 1976 der letzte Gottesdienst statt, danach diente sie bis 1994 als Lager für die Kirchenteile des von der Abbaggerung betroffenen Ortes Pritzen. Welches Schicksal der maroden Wendischen Kirche widerfahren sollte, war inzwischen mehr als ungewiss.

Enthusiasten um den inzwischen verstorbenen Pfarrer Lischewsky machten sich auf und gründeten den Förderverein Wendische Kirche e.V.

Hartmut Bott war eines der Gründungsmitglieder. Mit enormer Kraftanstrengung gelang es dem Verein im Verlauf von fünf Jahren Mittel für die Gebäudesanierung zu sammeln. Hartmut Bott, der gelernte Kaufmann und Buchalter, kümmerte sich als Schatzmeister um die Verwaltung der Mittel. Inzwischen ist die Kirche wieder voll funktionsfähig und ist seit Jahren Spielstätte und Mittelpunkt des kulturellen Lebens in Vetschau. Jährlich findet ein Gottesdienst in wendischer Sprache statt.

Zum diesjährigen Adventskonzert soll der frisch aufgebesserte Kanzelaltar der Öffentlichkeit gezeigt werden. Hartmut Bott weiß aus leidvoller Erfahrung aus den vorhergegangenen Sanierungsmaßnahmen, dass zwischen Kalkulation und den tatsächlich entstehenden Kosten große Lücken klaffen können. Als finanzverantwortliches Vorstandsmitglied hat er den Kostenrahmen im Blick. Letztlich geht es ihm und den Verein darum, die Kirche wieder in einen Zustand zu versetzen, wie er vor vielen Jahrzehnten war und wie er noch viele Jahrzehnte Bestand haben soll.

Wenn er nach der Stippvisite in der auf dem Heimweg liegenden Kirche endlich zu Hause ankommt, gibt es für den Alleinstehenden noch viel in Haus und auf dem Hof zu tun, bis er abends endlich seine geliebten Bücher aufschlagen kann. Manchmal fällt auch das aus, denn seine Tätigkeit für die Sammelaktionen „Brot für die Welt“ und „Diakonie“ nimmt einen großen Teil der Freizeit in Anspruch. Und es ist auch noch viel im Pfarrarchiv aufzuarbeiten. „Klaus Lischewsky hat eine ausgezeichnete Vorarbeit getan und viele der sehr schwer zu erfassenden Texte in Lesbares umgewandelt. Aber dafür werde ich wohl auch erst Ruheständler werden müssen“, erklärt Hartmut Bott.

Kennen Sie auch jemanden, der sich ehrenamtlich engagiert und einmal in der Zeitung vorgestellt werden sollte? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail mit Ihrem Vorschlag an cottbus@lausitzer-woche.de

Nicht ohne uns lrw 4c
Nicht ohne uns lrw 4c FOTO: LR / Schubert
Umfangreiche Arbeiten sind in der Vetschauer Doppelkirche nötig.
Umfangreiche Arbeiten sind in der Vetschauer Doppelkirche nötig. FOTO: Peter Pecker / Peter Becker
Hartmut Bott freut sich, dass der Kanzelaltar bald in neuem Glanz erstrahlen wird.
Hartmut Bott freut sich, dass der Kanzelaltar bald in neuem Glanz erstrahlen wird. FOTO: Peter Becker
Umfangreiche Arbeiten sind in der Vetschauer Doppelkirche nötig.
Umfangreiche Arbeiten sind in der Vetschauer Doppelkirche nötig. FOTO: Peter Pecker / Peter Becker