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Nicht ohne uns
Freudentränen bei der Kita-Einweihung

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Nicht ohne uns lrw 4c FOTO: LR / Schubert
Drebkau/Greifenhain. Ein langer und steiniger Abschnitt in der Geschichte Greifenhainer Kindergärten endete am 19. Oktober mit der Dankeschön- und Eröffnungsfeier des Naturkindergartens Greifenhain. Mehr als 100 Helfer aus den Reihen interessierter Eltern, Einwohner Greifenhains und der umliegenden Gemeinden sowie aus der Region standen an der Seite der gemeinnützigen Kindergärtnerei Kunersdorf.

Mit dem Waldkindergarten und dem Naturkindergarten Greifenhain gibt es nun zwei Einrichtungen mit naturverbundenen BildungskonzeptenAls vor zwei Jahren die Kommune Drebkau die Greifenhainer Einrichtung Kita Zwergenhaus schloss, sagten Eltern, Einwohner, Ortsbeirat und der Kita-Verein „Das kann`s nicht gewesen sein nach 80 Jahren Kindergarten in dem vom Bergbau und der Landwirtschaft geprägten Ort.“ Nicht nur die Kita war dicht, sie war zudem aus dem Bedarfsplan gestrichen worden. Das bedeutete zigtausende fehlende Euro, um mit einem neuen Betreiber weitermachen zu können.

Beate Paulisch von der Kindergärtnerei Kunersdorf war nach Irrungen und Wirrungen so etwas wie der rettende Strohhalm. Beeindruckt vom Willen der vielen Menschen ließ sie sich auf das Risiko ein. Sie kaufte das Gebäude und gewann im dritten Anlauf mit Antonia Martin und Birgit Weber eine Leiterin und eine Pädagogin, die die Kraft hatten und Willens waren, für dieses Vorhaben bis an ihre eigenen Grenzen zu gehen. Beide fanden den Draht zu bereitwilligen Helfern, die mit Arbeitseinsätzen, Sachspenden und schließlich auch beachtlichen finanziellen Beiträgen das schlingernde Schiff immer wieder auf Kurs brachten. Wer waren diese Helfer? Vor allem die Generationen der Eltern, Großeltern und Urgroßeltern, die oft nicht einmal mehr Nachkommen in der Einrichtung haben würden. Sie fanden sich im Kindergartenverein sowie in zeitweiligen Initiativgruppen und waren sich mit den Kindergärtnerinnen einig: Die Eltern sollen sich unabhängig von der Größe ihres Geldbeutels den Kindergartenbesuch ihrer Sprösslinge leisten können.

Als im März 2018 die ersten hundert helfenden Hände zupackten, war Aufbruchstimmung zu spüren. Mit Jasper, Julius, William, Mike, Gabi, Paul, Ilona, Walter – stellvertretend für die große Helferschar - waren vier Generationen am Werk. Sie schälten Holzstangen für Hochbeete, strichen Möbel und Spielgeräte, montierten Küchenteile, putzten und schrubbten das Haus, gestalteten Außenanlagen. Immer wieder Einsätze, bei denen die Familienangehörigen der Kindergärtnerinnen Hand anlegten. Schließlich die Sach- und Geldspenden in großer Zahl und lebenswichtig für den Kita-Start. Und immer wieder die Frage: Wann geht es endlich wieder los? „Wir haben uns laufend verschätzt“, erinnert sich Antonia Martin. „Immer, wenn etwas überwunden schien, baute sich ein neues Hindernis vor uns auf. Brandschutz, Gesundheitsschutz, Sicherheit beim Spielen – all das musste bedacht, hergestellt und behördlich geprüft werden. Und schließlich die finanzielle Planungssicherheit, sie war eine Riesenaufgabe. Wir spürten Hilfe am Ort, in den Nachbargemeinden, selbst im Internet. Wir sind von Tür zu Tür gegangen und von so viel Zuspruch überwältigt worden.“ So kam der Kindergarten wieder auf die Beine. Am 10. September gab das Bildungsministerium grünes Licht.

Und dann wird die Pädagogin sehr ernst, denn da war auch die Frage, ob sie dieses Abenteuer wiederholen würde – jetzt, da sie die Anstrengungen kennt. Sie hat darüber nachgedacht: „Die vielen Menschen, die sich für den Kindergarten eingesetzt haben, können wir nicht enttäuschen. Deshalb würde ich mich wieder darauf einlassen. Nur so wird die viele ehrenamtliche Arbeit auch belohnt. „Nun verwirklichen wir unser naturnahes Bildungskonzept“, sagt die Kindergartenleiterin. „Naturnah heißt selbst etwas anbauen, ernten und Speisen zubereiten, es heißt mit Holz und Werkstoffen der Natur zu gestalten. Dabei können sich die Kinder entsprechend ihrer Interessen und Fähigkeiten entwickeln und eine lebensnahe Verbindung zu ihrer Umwelt aufbauen.

„Wir sehen diese Aufgabe als Herzensangelegenheit und wollen über einen regen Zuspruch wieder in den Bedarfsplan aufgenommen werden“, meint die Pädagogin hoffnungsvoll. Auf der Dankeschön- und Eröffnungsfeier im Oktober sind über 100 Helfer und Unterstützer aus vielen Lebensbereichen erschienen. Auch Ingrid Standke, die bis vor einigen Jahren Leiterin des Greifenhainer Kindergartens war. „Ich könnte heulen vor Freude“, sagt die Rentnerin im Unruhestand, „dass ich das erleben kann. In der Einrichtung steckt auch viel Herzblut von mir, meinen Kolleginnen und Angehörigen.“ Viele gute Worte finden die Menschen noch an diesem Feiertag in Greifenhain. Besonders trifft Antonia Martin den Nerv der Anwesenden, als sie das afrikanische Sprichwort zitiert „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ Scheint auch außerhalb Afrikas zu gelten, möchte man meinen.

 

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