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Senftenberg
Grüne Dame mit großem Herz

Bettina Kaufke (69) ist jeden Montag für Patienten im Klinikum Oberlausitz in Senftenberg da.
Bettina Kaufke (69) ist jeden Montag für Patienten im Klinikum Oberlausitz in Senftenberg da. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Senftenberg . Bettina Kaufke ist auch mit 69 Jahren noch nicht im Ruhestand. Jeden Montag ist sie auf Station 22 oder 25 des Klinikum Niederlausitz in Senftenberg unterwegs.

Für die Patienten ist sie Ansprechpartnerin, gute Seele und Zuhörerin zugleich. Bettina Kaufke ist eine sogenannte Grüne Dame im Klinikum Niederlausitz am Standort Senftenberg. Auf die Frage, was ihr diese ehrenamtliche Tätigkeit bedeutet, sagt die 69-jährige ohne mit der Wimper zu zucken, „Alles“.

Die Hauptaufgabe einer Grünen Dame (oder auch eines Grünen Herren) ist der Besuch von kranken und hilfebedürftigen Menschen. Bundesweit geschieht das tagtäglich in mehr als 600 Krankenhäusern oder Altenhilfe-Einrichtungen.

Die gelernte Maschinistin beschreibt sich selbst als offen, ehrlich und eine Frau, die auf jeden Menschen zugehen kann. Wichtige Voraussetzungen für diese besondere Tätigkeit.

Den Patienten soll die Möglichkeit gegeben werden, das auszusprechen, was Sie bewegt. Als die LAUSITZER WOCHE vorbeischaut unterhält sich Bettina Kaufke auf der Unfallchirurgie über ganz alltägliche Sachen. In einem Gespräch, wie unter Freunden, ging es um Wölfe in Brandenburgs Wäldern und die damit verbundene Angst, in die Pilze zu gehen. Im nächsten Moment wird dann schon wieder die Gehhilfe gereicht. „Es ist ein breites Tätigkeitsspektrum. Mit vielen spreche ich auch lange über ihre Sorgen und Nöte,“ sagt Kaufke.

Auch ihr Leben war nicht immer einfach und sorgenfrei. Speziell die Arbeitslosigkeit und das damit verbundene Hartz 4 machten ihr zu schaffen. In dieser Zeit wurde sie eine Grüne Dame. Diese Tätigkeit gab ihr neuen Halt und Kraft.

Einmal pro Woche kommt Bettina Kaufke ins Klinikum. Unterschiedlichste Patienten warten auf sie. Viele nehmen das Angebot gerne an, sind froh wenn sie jemanden haben zum reden oder der bei einem einfachen Telefonat hilft. „Andere drehen sich auch weg oder nehmen die Zeitung wenn ich komme. „Aber damit kann ich gut umgehen,“ sagt die rüstige Rentnerin.

Es gibt allerdings auch deutlich schwierige Momente als Grüne Dame. Am Anfang ihrer Karriere begleitete sie beispielsweise einen Bekannten auf dem gesamten Weg im Kampf gegen den Krebs, bis in den Tod. „Anschließend habe ich eine Auszeit benötigt, ich brauchte Abstand“.

Ein Lächeln ins Gesicht zaubern dann doch die vielen schönen Momente, die sie erlebt hat und die ihr bei der Arbeit immer noch begegnen. Einer ist ihr dabei ganz besonders in Erinnerung geblieben. „Auf der Kinderstation fehlte damals ein Mitspieler für die Skatrunde.“ Kurzerhand sprang sie ein, auch ohne Vorkenntnisse über Trumpf, Rollmops, Lusche und Co., lernte das Spiel und ist auch heute noch mit Leidenschaft dabei. „Wenn ich mittags das Klinikum wieder verlasse, dann mache ich die Tür hinter mir zu.“ Abstand sei schließlich wichtig und gehöre ebenso dazu wie Empathie, Verständnis und ein großes Herz.

Um den „Nachwuchs“ macht sie sich allerdings große Sorgen. Der Bedarf ist groß.Vier Grüne Damen und Herren sind im Klinikum Niederlausitz aktiv, im gesamten südlichen Landkreis Oberspreewald Lausitz nur etwa 40. Das Problem ist bekannt und schon seit längerem wird aktiv gehandelt. Im April startete eine neue Fortbildungsreihe. Diese speziellen Veranstaltungen finden jeden dritten Mittwoch eines Monats, von 15 bis 18 Uhr, statt. Auf diesem Wege soll der dringend benötige Nachwuchs gefunden werden. Aber auch aktive „Grünen Damen und Herren“ und alle Menschen des Berufszweiges, sind gern gesehene Gäste. Die nächste Veranstaltung steht im November auf dem Plan. Am FamilienCampus Lausitz geht es dann in einem Vortrag und anschließendem Austausch um das Thema „Alter als Lebensphase“.

„Fast jeder kann das machen“, so die Kroppener Gemeindepfarrerin Angelika Scholte-Reh. 18 Jahre muss man mindestens sein, freundlich, kontaktfreudig, zuverlässig und eine gewisse Portion Einfühlungsvermögen besitzen. Vier bis fünf Stunden Zeit pro Woche sollte ein Ehrenamtler außerdem mitbringen. Besondere Berufliche Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Nach einem Aufnahmegespräch, sorgfältiger Erklärung der Tätigkeit und nochmaliger Erläuterung des Sinn und Zwecks, kann es im Prinzip direkt losgehen. Zuvor wird natürlich auch auf spezielle Gesprächssituationen vorbereitet. „Theorie und Praxis gehen aber auch hier weit auseinander“, weiß Bettina Kaufke.

Außerdem treffen sich die Grünen Damen und Herren in regelmäßigen Abständen zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Auch eine Supervision ist von Zeit zu Zeit möglich.

Und Bettina Kaufke? Ans Aufhören denkt sie noch lange nicht, ganz im Gegenteil. „Solange wie mich das Krankenhaus noch will und Gott mich gesund lässt“ bleibt sie in Senftenberg und ist für Patienten in schweren Zeiten die gute Seele.

Kennen auch Sie jemanden, der aufgrund seiner aufopferungsvollen, ehrenamtlichen Tätigkeit in der LAUSITZER WOCHE vorgestellt werden sollte? Dann rufen Sie einfach an unter 0355 481 555.