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Ehrenamt
Eine für vieles

Silke Löwe aus Eichholz am Tor der mittelalterlichen Backsteinkirche des Orts (F. o.). Die 49-Jährige ist der Teil der Kirchgemeinde-Leitung und hat ein mehrmonatiges Seminar absolviert, dass sie zur Lektorin befähigt. Seit Ende November darf sie selbstständig Gottesdienste abhalten. Dreimal hat sie dafür bereits die Bibel in die Hand und den Platz am Altar eingenommen (F. u.).
Silke Löwe aus Eichholz am Tor der mittelalterlichen Backsteinkirche des Orts (F. o.). Die 49-Jährige ist der Teil der Kirchgemeinde-Leitung und hat ein mehrmonatiges Seminar absolviert, dass sie zur Lektorin befähigt. Seit Ende November darf sie selbstständig Gottesdienste abhalten. Dreimal hat sie dafür bereits die Bibel in die Hand und den Platz am Altar eingenommen (F. u.). FOTO: Franiska Dorn / Dorn
Eichholz. Ohne Menschen, die ihre Zeit und Kraft spenden, könnten die Kirchen ihre vielfältigen Aufgaben nicht erfüllen. Silke Löwe aus Eichholz ist eine von vielen Ehrenamtlichen, die Ver­antwortung übernehmen.

Silke Löwe übernimmt in ihrer Freizeit ehrenamtlich eine Fülle von Aufgaben: Sie ist im Vorsitz des Gemeindekirchenrates und seit Kurzem tritt sie als Laienpredigerin vor die Gemeinde in der mittelalterlichen Eichholzer Backsteinkirche.

Darüber hinaus gehört sie der Gemeindevertretung Eichholz (Amt Elsterland) an, ist Mitglied im Landeselternrat, im Vorstand des Fördervereins der Finsterwalder Kjellberg-Oberschule und der IG Metall Südbrandenburg. Außer­dem ist sie im Heimatverein Eichholz und im Vorstand der Jagdgemeinschaft Eichholz vertreten.

Es gibt Menschen, die einfach nicht „Nein“ sagen können. Silke Löwe scheint einer von ihnen zu sein. „Das Neinsagen fällt mir mitunter schwer, weil ich die vielen Stellen sehe, an denen Menschen gebraucht werden. Ich wähle aber doch sehr genau aus, wo ich mich einbringe. Meine Heimat Eichholz und die Interessen unserer Kinder liegen mir sehr am Herzen“, sagt die 49-Jährige. Als Tochter Josephine in die weiterführende Schule wechselt, initiiert Silke Löwe die Gründung eines Fördervereins: „Wir unterstützen die Arbeit der Schule, wo wir können. Zum Beispiel werben wir Geld für Veranstaltungen und Investitionen ein.“ Als Mitglied im Landeselternrat setzt sie sich für bessere Lernbedingungen und Lehrbedingungen generell ein.

Obwohl Josephine die Schule bereits verlassen hat, sieht sich Silke Löwe in der Verantwortung. „Die Kinder sind unsere Zukunft. Deren Entwicklung und Bildung sollte uns eigentlich allen wichtig sein“, sagt sie. Naheliegend war für die gelernte Elektromonteurin deshalb die Qualifikation zur Ausbilderin. Bei ihrem Arbeitgeber, der Finsterwalder Maschinen- und Anlagenbau GmbH, steht sie nun dem Branchennachwuchs zur Seite.

Seit 1999 wohnt Silke Löwe in Eichholz. Schnell hat sie sich mit ihrer freundlichen Art und dem zupackenden Wesen bei den Eichholzern Respekt verschafft. In die Kirchengemeinde ist sie hineingewachsen. Sie hat erfahren, welchen unschätzbaren Wert die Mittelalterkirche nicht nur für die Christen im Dorf hat. Den Gottesdienst als Kern der Gemeindearbeit hat sie lieben gelernt. Sie hat sich eingebracht und schließlich als Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Verantwortung übernommen.

Als 2015 die Innenausstattung der Dorfkirche vom Holzwurm bedroht war etwa, beherzt die Fäden für die Begasung des Gotteshauses in die Hand genommen. Die Kirche wurde drei Tage in Folie eingehüllt, unter Druck wurde Gas, ein Sulfuryldiflourid, eingeblasen. Die dafür nötigen 16 000 Euro wurden durch Sparen und Spenden zusammengetragen. „Wir können nicht weiter zusehen, wie unsere Kirche aufgefressen wird“, sagte Silke Löwe damals.

 Nachdem die Holzwürmer vertrieben waren, wurde die Orgel saniert. Weil auf Fördergeld verzichtet wurde, sei man auf Spenden angewiesen gewesen, wie Silke Löwe sagt. Dabei und bei allem anderen natürlich sei sie natürlich nie allein. Es sei immer das gemeinsame „an einem Strang ziehen“, was die Umsetzung solcher Vorhaben ermögliche.

Im November 2017 hat Silke Löwe die Befähigung zum Lektorenamt erhalten. Rund ein Jahr besuchte sie dafür Kurse in Lübben. Eine Einführung ins Alte und Neue Testament, Liederkunde oder der Umgang mit der vorgegebenen Predigt wurden vermittelt.

Mit der erworbenen Befähigung darf Silke Löwe selbständig Gottesdienste leiten. „Unsere Gemeinde hat eine Zeit ohne Pfarrer erleben müssen. Das tat unserer Gemeinschaft nicht gut, darum habe ich kurz entschlossen die Ausbildung begonnen“, sagt sie. Seitdem hat die 49-Jährige bereits dreimal einen Gottesdienst geleitet. Davon profitieren auch Kirchengemeinden in der Umgebung.

Woher die Motivation für all ihr Engagement kommt? „Es ist ein gutes Gefühl gebraucht zu werden. Ich habe die Zeit und die Möglichkeiten, mich zu engagieren. Es macht mir Freude und kleine Erfolge sind schließlich sichtbar,“ sagt Silke Löwe. ⇥

Silke Loewe
Silke Loewe FOTO: Franziska Dorn