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Pfiffig und in vielen Rollen
Dubkowmühlen-Wirt und Gurken-Schulze

 Manfred Kliche schlüpft in viele Rollen, hier ist der Dubkowmühlenwirt mit Marlene Jedro an seiner Seite.
Manfred Kliche schlüpft in viele Rollen, hier ist der Dubkowmühlenwirt mit Marlene Jedro an seiner Seite. FOTO: Peter Becker
Raddusch. Ob Dorschulinspektor, Schmied oder Abschnittsbevollmächtigter der Deutschen Volkspolizei – der Radduscher Manfred Kliche schlüpft in viele Rollen. Damit lässt er einige Geschichten aus der Geschichte aufleben. Auch in Mundart gestaltet er Veranstaltungen.

„Opa, das sollst du sein? Der Mann sieht ja so jung aus!“ Enkelin Mathilda (4) zeigt mit dem Finger auf das Hochzeitsfoto ihrer Großeltern im Fotoalbum. Manfred Kliche blieb nur übrig, dies mit etwas Wehmut zu bestätigen. „Wartet nur ab, auch ihr werdet mal älter“, richtet er seine Worte zugleich auch an Frieda Charlotte, Mathildas siebenjährige Schwester.

Heute ist wieder Enkelprogramm, Manfred Kliche und seine Frau Inge unterstützen ihre Kinder und Enkelkinder wann immer es geht – und wenn Zeit ist. Denn der Opa ist vielbeschäftigt, Ruhestand im Sinne von Ruhe kennt der 71-Jährige nicht. Es ist eher die Unruhe, die ihn antreibt. Und er wird immer wieder angefragt, von Veranstaltern als Moderator gebucht und ist immer präsent, wenn in seinem Heimatdorf Raddusch etwas passiert.

Manfred Kliche wurde 1947 als Sohn eines Maurers und einer Landwirtin geboren, genau in dem Haus, in dem er mit seiner Inge immer noch lebt. Nach der Schule und einer Eisenbahnerlehre ging es mit der Karriere steil Bergauf. Er wurde unmittelbar nach der Facharbeiterprüfung Lehrausbilder und Lehrmeister bei der Deutschen Reichsbahn. Sein Heimatdorf machte ihn mit 21 Jahren zum Bürgermeister, zum jüngsten im Kreis Calau. Schon nach 1,5 Jahren wurde er zuerst zum Kreis und dann zum Bezirk gerufen. Hier wurde Manfred Kliche Leiter des Justiziariats und legte im Fernstudium den Diplomjuristen ab. Mit der politischen Wende folgten nahtlos weitere Tätigkeiten, gekoppelt mit vielen Lehrgängen und Fortbildungen. Zuletzt, vor seiner Frühberentung 2000, war er Referent für Einheitswert- und Grundbewertung in der Finanzverwaltung.

Seine umfangreichen beruflichen Verpflichtungen hielten ihn in keiner Weise von seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für sein Dorf ab. „Ich bin förmlich dazu gezwungen worden, und das schon mit 16 Jahren. Mir wurde die gesammelten Materialien des Altbauern August Beesk in die Hand gedrückt, mit der Auflage, daraus eine Dorfchronik zu machen“, erinnert sich Manfred Kliche. Wollte er seine Chronistenpflicht ernst nehmen, musste er einfach bei Dorffesten und anderen Ereignissen dabei sein. So wuchs er in die Traditionspflege, in das Brauchtum nahezu automatisch hinein. Inzwischen verfügt er über einen enormen Wissensfundus, den er immer öfter nutzbringend anwenden kann – egal ob als Moderator bei den jährlichen Veranstaltungen im Spreewald oder als Publizist zahlreicher Artikel, Kalender und Broschüren oder als Reise- und Gästeführer. Er zeigt auf dem historischen Rundweg sein Dorf und kann an jeder Stelle pointenreich Vergangenes widergeben.

In typisch Spreewälder Mundart unterhält Manfred Kliche, manchmal auch im Team mit anderen, Gäste von Traditionsveranstaltungen. Besonders ist ihm die Rolle des nahezu legendären Dubkow-Wirts August Konzack auf den Leib geschrieben. Er hat den kauzigen und schlitzohrigen Gastwirt noch persönlich gekannt und kann ihn deshalb heute ausgezeichnet imitieren. Genau so gut gibt er den Gurken-Schulze, den Dorfschulinspektor, den Dorfschmied oder den ABV, damals die örtliche DDR-Polizei vor Ort.Die Radduscher Heimatstube, deren inhaltliche Ausrichtung, ist wesentlich auf seine Kenntnisse der Ortsgeschichte zurückzuführen. Mit seiner Frau und weiteren ehrenamtlicher Helfern unterstützt er den Heimatverein bei der personellen Besetzung der Heimatstube. Er hält Vorträge vor Rentnern und für die Frauenhilfe, ist Ehrenmitglied im Radduscher Heimat- und Trachtenverein und engagiert sich im Tourismusverein.

Kaum zu glauben, aber neben seiner sehr umfangreichen ehrenamtlichen Arbeit blieb immer noch etwas Zeit für Haus und Hof und besonders für seine Enten- und Gänsezucht. In diesem Jahr hat sich Manfred Kliche nach Jahrzehnten davon getrennt und schweren Herzens erstmalig eine Weihnachtsgans gekauft.

„Sehr schweren Herzens, aber man wird eben älter und schafft nicht mehr alles“, gesteht er sich ein. Dafür bleibt etwas mehr Zeit für die Enkelinnen, die er aus Schule und Kita abholt und beispielsweise zur Musikschule bringt. Diese sind grad voller Stolz auf ihren Opa, der ihnen Fotos und Urkunden von einer erst kürzlich erfolgten Auszeichnung zeigen kann: Manfred Kliche war zum Ehrenamtsempfang des Brandenburger Ministerpräsidenten eingeladen worden. Das dicke Fotoalbum wird nun noch dicker. Er, der Chronist, dokumentiert Familienereignisse ebenso akribisch wie Dorfereignisse. Die letzte Ehrung darf er nun doppelt verbuchen, denn sie gehört verdienterweise auch in die Dorfchronik.

 

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