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Ehrenamt
Das Paradies beginnt gleich hinterm Gartenzaun

Das Paradies hinterm Gartenzaun – Ehrenamt Rolf Neustadt aus Hohenleipisch.
Das Paradies hinterm Gartenzaun – Ehrenamt Rolf Neustadt aus Hohenleipisch. FOTO: Veit Rösler
Hohenleipisch. Viele Hohenleipischer sind sich einig: Hier ist ein kleines Paradies entstanden und hier werden der biblischen Arche gleich heimische Obst- und Gemüsesorten, Kartoffeln, Blumen und Kräuter über die Zeit gerettet und damit dem Nachwuchs als Anschauungsmaterial und zur Nutzung zur Verfügung gestellt. Gemeint ist der neue Schulgarten in Hohenleipisch in der Gartenstraße.

 Schon von weitem laden bunte Blumen und eine neu gebaute Gartenlaube in der gepflegten Anlage zum Verweilen und zum Beschnuppern des hier in den letzten Jahren Entstandenen ein. Wesentlichen Anteil beim Aufbau des Schulgartens hat Rentner Rolf Neustadt.

Vor etwa sechs Jahren wurde von ihm und von Gunther Feldner innerhalb des Obst- und Gartenbauvereins die Idee geboren, für die Kinder des Ortes einen neuen Schulgarten aufzubauen. Auf von der evangelischen Kirche von der kommunalen Gemeinde 1995 gepachteten Land, das an den Obst- und Gartenbauverein weiter gegeben wurde, entstand sukzessive ein ansehnlicher Schulgarten, der weit und breit seines Gleichen sucht. Um die fünf Stunden täglich verbringt der 66-Jährige Rolf Neustadt ehrenamtlich seit dem Beginn des Aufbaus vor fünf Jahren während der Sommermonate täglich hier.

Früher, zu DDR-Zeiten, gab es schon einmal einen Schulgarten der Goethe-Schule in der Dresdener Straße. Den musste man  jedoch aus Kostengründen und wegen der ungünstigen Verkehrsanbindung aufgeben. Nun liegt das neue Gartengelände unmittelbar hinterm Gartenzaun der Kita „Storchennest“ und damit auch nahe der Goethe-Grundschule.

Insgesamt 85 Kinder und 64 Hortkinder der Kita Storchennest sowie 136 Grundschulkinder der Klassen 1 bis 6 der Grundschule profitieren von dem Schulgarten. Auch eine Arbeitsgemeinschaft Schulgarten gibt es. Der Obst- und Gartenbauverein richtet sein Hauptaugenmerk auf eine mehr als 140-jährige Tradition des Obstanbaus in Hohenleipisch. Die hiesigen Böden mit einer oberflächennahen Lehmschicht sind prädestiniert für optimale Ernteerträge. Über 30 000 Obstbäume wurden in den 1980er Jahren hier gezählt. Nahezu jedes Grundstück verfügte über einen Obst- und Gemüsegarten hinder dem Haus. Viele Einwohner betrieben zudem neben der Arbeit in der Industrie oder in der Kohle als Nebenerwerb große Obstplantagen. Selbst die Gastwirtschaften hatten neben der Bewirtung der Gäste ein zweites Standbein mit einem kleinen Landwirtschaftsbetrieb und einer Fleischerei.

An diese Tradition wollen der Obst- und Gartenbauverein und Rolf Neustadt mit ihren Initiativen erinnern, anknüpfen und vielleicht bei der einen oder anderen Nachwuchskraft Interesse wecken. Kinder, die Landwirtschaftsprodukte nur aus dem Supermarkt kennen, finden hier Äpfel, Birnen, Kirschen, in Etappen angebaute Erdbeeren und Kartoffeln, aber auch Runkelrüben, Rote Rüben, Grünkohl, Tomaten, Fenchel und in einem Kräutergarten Beifuß für den Gänsebraten, Petersilie, Majoran, Liebstöckel, Salbei, Pfefferminze, Lavendel und Schnittlauch.

„Das hat Opa Neustadt wirklich gut gemacht“, würdigt die Leiterin der Kita Karina Wendt die ehrenamtliche Initiative. Mit dem bisher erreichten Schulgarten ist ja noch lange nicht Schluss. So soll die Anlage in den nächsten Jahren noch bis zur Gartenstraße hin erweitert werden. „Hier soll es dann neben unterschiedlichsten Obstgehölzen zum Beispiel auch noch Stauden, eine Wildblumenwiese, eine Wild- Rosenanpflanzung auch zudem noch eine Mini- Obstplantage aus Niedrigstämmen und Erdbeeren geben“, schwärmt Rolf Neustadt.

Wenn die Herbststürme über die Anlage ziehen und die Erde mit Schnee bedeckt ist, verlagert der engagierte Ehrenamtler seine Arbeit in seinen Hobbyraum, wo gemeinsam mit interessierten Kindergarten- und Schulkindern Nistkästen und Futterstellen für die heimische Vogelwelt und damit für die natürliche und nachhaltige Schädlingsbekämpfung gebastelt werden.

Wenn beim Obstankauf, der in diesem Jahr vom Obst- und Gartenbauverein wieder neu angekurbelt wurde, Not am Mann ist, steht Rolf Neustadt ebenfalls mit in der ersten Reihe. Ebenso bei kommunalen Veranstaltungen der Gemeinde und beim Heimatverein „Die Lobenburger“.

Bereits in seiner aktiven Fußballerzeit hat Rolf Neustadt von 1976 an ehrenamtlich im Kinder- und Jugendbereich den Nachwuchs und zeitweise auch die Spieler der zweiten und dritten Mannschaft trainiert. Als seltener Fall haben schon mal mit Rolf und Torsten Neustadt Vater und Sohn aktiv gemeinsam in einer ersten Mannschaft gespielt.

Das in aller Öffentlichkeit sichtbarste Zeichen der ehrenamtlichen Arbeit von Rolf Neustadt sind zwischen Kindergarten und Schule die Strohpuppen in der Ortsmitte von Hohenleipisch. Gemeinsam mit Schneiderin Anja Kosmalla werden hier von Rolf Neustadt saison- und themenabhängig seit sechs Jahren Weihnachtsmänner, Schneemänner, Osterhasen, Kleingärtner oder Fußballer als Strohpuppe aufgebaut.

Jetzt wird es bunt im Schulgarten. Schulkinder bepflanzen mit Rolf Neustadt die Blumenkästen.
Jetzt wird es bunt im Schulgarten. Schulkinder bepflanzen mit Rolf Neustadt die Blumenkästen. FOTO: Veit Rösler
(vrs)