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Nicht ohne uns
Damit Flüchtlingskinder heimisch werden

 Als Tante Silvia übt die Sprembergerin Silvia Reichel mit den Flüchtlingskindern auch Schreiben und Rechnen. Die 50-Jährige engagiert sich seit drei Jahren in der Flüchtlingshilfe und unterstützt bei ihrem Ehrenamt vorwiegend Flüchtlingskinder.
Als Tante Silvia übt die Sprembergerin Silvia Reichel mit den Flüchtlingskindern auch Schreiben und Rechnen. Die 50-Jährige engagiert sich seit drei Jahren in der Flüchtlingshilfe und unterstützt bei ihrem Ehrenamt vorwiegend Flüchtlingskinder. FOTO: Anja Guhlan
Spremberg. Seit etwa drei Jahren engagiert sich Silvia Reichel (50) ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe der Spremberger Freiwilligen Agentur. In ihrem Fokus stehen Flüchtlingskinder unterschiedlicher Nationalitäten. Das ist zwar manchmal auch schwierig, mache sie aber glücklich.

Gerne bastelt „Tante Silvia“, wie sie liebevoll genannt wird, mit den unterschiedlichsten Flüchtlingskindern weihnachtliche Adventsgestecke. Es liegt ein vertrauensvolles Gefühl in der Luft. Tante Siilvia bastelt nicht nur mit den Kindern verschiedenen Alters. Es wird auch regelmäßig gelesen, gespielt, gemalt, gerechnet und vor allem miteinander gesprochen. „Bei mir reden wir alle Deutsch. Jeder wird in das Spiel oder in die jeweilige Aktion mit eingebunden. Keiner wird ausgegrenzt“, meint Silvia Reichel.

Die 50-Jährige bekommt auch oft von den Flüchtlingskindern Fragen gestellt. Das kann die Hausgaben, das Leben, einige Traditionen oder das gegenseitige Miteinander betreffen. Silvia Reichel versucht alle Fragen kindgerecht zu beantworten und für ein gemeinsames Miteinander einzustehen. Gerne erinnert sich die Ehrenamtliche an das vergangene Weihnachten zurück, als mehrere Kinder und ihre Familien ein gemeinsames Weihnachtsfest mit ihr feierten. „Da haben sich alle so gut verstanden und die Kinderaugen haben noch mehr gestrahlt als sonst“, schwelgt die 50-Jährige in Erinnerung.

Es ist ihr größtes Anliegen, gerade den Kindern zu helfen. „Die Kinder sollen, wenn sie in einem für sie fremden Land leben, auch hier klar kommen, sollen sich wohlfühlen, Spaß am Leben in Deutschland haben, das Leben hier aber auch gut kennenlernen und die regeln akzeptieren“, sagt Silvia Reichel.

Vor etwa drei Jahren hat sie sich während der großen Flüchtlingswelle und als sie die Bilder von den vielen ehrenamtlichen Helfern im Fernsehen sah, gesagt: „So etwas möchte ich auch machen“. Sie will helfen. Egal ob beim Suppe verteilen oder eben bei der Unterstützung der Kinderfreizeit. Über die Freiwilligenagentur Spremberg unterstützt sie zweimal wöchtlich eine Gruppe von Flüchtlingskindern in einem Wohnverbund, um deren Freizeit attraktiver und sinnvoller zu gestalten. Zudem hilft sie einer syrischen Familie in Spremberg in sämtlichen Lebensfragen und -situationen. „Ich mache das alles mit sehr viel Herzblut. Mittlerweile habe ich sehr viel Zeit, da meine Tochter bereits aus dem Haus ist und ihr eigenes Leben führt“, erzählt die Mutter und Ehefrau.

Von ihrer Familie und ihren Freunden wird sie in ihrer ehrenamtlichen Arbeit unterstützt. „Mir macht die Ehrenamtsarbeit richtig Spaß. Vorallem ist es schön, die Entwicklung bei den Kindern mit anzusehen“, sagt sie.

Etwas schwierig ist es manchmal wenn die unterschiedlichen Nationalitäten mit unterschiedlichen Ansichten aufeinander treffen. Dann heißt es miteinander zu reden, sich gegenseitig zu akzeptieren und zu respektieren. „Bei den Kindern klappt das schon sehr gut. Meist sind es die Eltern, die da noch etwas dazulernen müssen“, sagt sie. Aber im Großen und Ganzen ist Silvia Reichel zufrieden. Die Zeit mit den Flüchtingskindern empfindet sie als Bereicherung.

Aufhören möchte Silvia Reichel deshalb noch lange nicht. „Erst wenn es gesundheitlich nicht mehr geht oder ich wirklich keinen Spaß mehr verspüre, werde ich aufhören“, betont sie. Bis dahin will sie die Zeit nutzen und weiter für die Flüchtlingshilfe einstehen. 

Kennen Sie auch jemanden, der sich ehrenamtlich engagiert und der einmal in der Zeitung vorgestellt werden sollte? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail mit ihrem Vorschlag an cottbus@
lausitzer-woche.de