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Wunsch-Oma
Auf einen Schlag sechs neue „Enkel“

 Für jede Spielaktion zu haben: Wunsch-Oma Waltraud Natzek mit ihren sechs „Enkeln“ auf dem Spielplatz.
Für jede Spielaktion zu haben: Wunsch-Oma Waltraud Natzek mit ihren sechs „Enkeln“ auf dem Spielplatz. FOTO: Anja Guhlan
Spremberg. Seit etwa sechs Jahren engagiert sich Waltraud Natzek (67) im Wunschgroßeltern-Projekt der Spremberger Freiwilligenagentur und betreut regelmäßig – nahezu fast täglich – einen oder gleich mehrere ihrer neuen „Enkel“. Das sei zwar manchmal viel Arbeit, mache sie aber glücklich.

Gerne tollt „Oma Waltraud“, wie sie liebevoll genannt wird, mit ihren sechs „Enkeln“ auf dem Spielplatz an der Spree in Spremberg herum. Es liegt ein vertrauensvolles Gefühl in der Luft. Oma Waltraud kümmert sich  rührend um die Kinder: spielt mit ihnen, achtet auf sie, hört ihnen zu und spricht mit ihnen auch über Probleme. Eben wie eine Oma. Doch die 67-Jährige ist mit den Jungen und Mädchen nicht verwandt.

„Wir haben uns von Anfang an alle gut verstanden“, erzählt Waltraud Natzek. Vor etwa sechs Jahren habe sie angefangen, bei einer Familie die Zwillinge Mika und Louis zu betreuen, die über diese Hilfe seither mehr als glücklich ist. Bei den zwei Jungs blieb es jedoch nicht. Das dritte Kind der Familie, Oskar, zog nach.

Auch die Brüder Richard und Leonhard sowie das Mädchen Johanna betreut sie jetzt. Drei Familien, die durch Waltraud Natzek eine große Unterstützung bekommen. Meist sind die leiblichen Großeltern nicht vor Ort und die Eltern berufstätig. Die Wunsch-Oma springt bei Bedarf auch mal ganz kurzfristig für die Familien ein, wenn die Zeit wieder knapp ist.

Waltraud Natzek hat als Rentnerin die Zeit. Die 67-Jährige betreut am liebsten Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Da seien sie schon etwas selbstständiger, bräuchten aber noch eine gute Betreuung. Auch für alleinerziehende Mütter hat Oma Waltraud ein großes Herz. „Gerade dort wird Hilfe für die Kinder am meisten benötigt“, meint sie. So holt Oma Waltraud die Kinder manchmal von der Kita oder vom Hort ab, geht mit ihnen auf den Spielplatz oder mit ihrem Hund eine Runde um den Schwanenteich spazieren.

Wenn das Wetter einmal schlecht ist, geht es zum Spielen oder Malen nach drinnen.

Fernsehen dürfen die Kinder bei ihr nur selten. Stattdessen lässt sich die Oma immer wieder etwas Neues zum Spielen oder Entdecken einfallen. Auch gut und gesund gegessen wird bei Oma Waltraud.

Inzwischen übernachten die Kids auch manchmal bei ihrer Wunsch-Oma. „Dazu gehört jede Menge Vertrauen von allen Seiten“, sagt Waltraud Natzek. Auch beim Autofahren mit den Kindern habe sie großen Respekt und sei manchmal etwas ängstlich. Schließlich fährt sie „fremde“ Kinder von A nach B und trägt große Verantwortung.

Auch mit den Hausaufgaben aus der Schule hat Oma Waltraud manches Mal so ihre Schwierigkeiten. „Da kann ich meistens gar nicht viel helfen und fühle mich dann überfordert“, gesteht sie.

Doch im Großen und Ganzen ist sie zufrieden und überaus glücklich mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit. „Die Kinder geben mir soviel Dankbarkeit und schöne Erlebnisse, so dass mich das richtig glücklich macht“, sagt Waltraud Natzek, die selbst keine eigenen Kinder und Enkelkinder hat. „Ich freue mich auch jedes Mal darüber, wenn die Kinder durch mich wieder etwas Neues entdeckt oder gelernt haben. Da trage ich auch zur Entwicklung der Kinder bei. Es ist so schön, Kinder aufwachsen zu sehen.“ Auch die Eltern der Kinder, zu denen Oma Waltraud ein gutes und inniges Verhältnis hat, zeigen sich ab und an durch gemeinsame Ausflüge oder Einladungen erkenntlich.

Waltraud Natzek hat durch das Wunschgroßeltern-Projekt der Freiwilligenagentur Spremberg drei ganz liebe Familien dazu gewonnen. Aufhören möchte sie deshalb damit noch lange nicht. „Erst wenn es gesundheitlich nicht mehr geht, werde ich aufhören“, betont sie. Bis dahin will sie die Zeit genießen und weiter für das Wunschgroßeltern-Projekt da sein. ⇥