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Ehrenamt: Nicht ohne uns
„Anderen zu helfen, bereichert mein Leben“

Martina Hanke unterstützt das Ronald McDonald Haus, in dem die Eltern schwer kranker Kinder zeitweise untergebracht sind.
Martina Hanke unterstützt das Ronald McDonald Haus, in dem die Eltern schwer kranker Kinder zeitweise untergebracht sind. FOTO: LR / Angelika Brinkop
Cottbus. Martina Hanke liebt das Reisen. Seit sie vor sechs Jahren in den Ruhestand gegangen ist, pflegt sie diese Leidenschaft.. Doch irgendwann war ihr das zu wenig. Eine ehrenamtliche Aufgabe, die ihr Freude macht, hat sie im Ronald McDonald Haus in Cottbus gefunden.

„Mir geht es gut, ich bin gesund, habe eine gute Rente und kann mir viele Wünsche erfüllen. Mir ist es ein Bedürfnis, von dem Guten, was ich selber habe, anderen ein wenig abzugeben“, sagt die 65-Jährige, die vor ihrer Pensionierung als Bauleiterin Im Landesbetrieb Liegenschaften und Bauen gearbeitet hat.

Die erste Zeit nach ihrem Ausscheiden aus dem Berufsleben habe sie genutzt, um gemeinsam mit ihrem Mann die Welt kennenzulernen. Doch irgendwann war ihr das zu wenig. Sie wollte kein Geld verdienen, aber sich nützlich machen. Von ihrem Sohn hatte sie gehört, dass er schon mehrmals für das Ronald McDonald Haus in Cottbus gespendet hat. „Ich habe im Internet über das Haus recherchiert und mich dann vorgestellt“, erzählt Martina Hanke. Anfangs hatte sie falsche Vorstellungen. „Ich dachte, es geht um die kranken Kinder, und habe gelernt, dass es hier vor allem um die Eltern geht, die eine schwere Zeit durchmachen, wenn ihre Kinder krank sind.“

Ihre Aufgaben sind dabei sehr vielfältig. Egal ob die Endabnahme der Zimmer, das Beziehen der Betten, Aufräumen, Saubermachen, Wäsche waschen – zu tun gibt es immer in dem geräumigen Haus mit 15 Familienzimmern, einer Küche, Spiel- und Sportangeboten. Neben den vier hauptamtlichen Mitarbeitern sorgen 28 Ehrenamtliche für eine Wohlfühlatmosphäre im Haus. So gibt es beispielsweise jeden Dienstag ein Verwöhnfrühstück und jeden Donnerstag ein Verwöhnabendessen. „Die Frauen, die mit viel Mühe tolles Essen zaubern, haben es auch gar nicht so leicht, denn mittlerweile haben viele Gäste Lebensmittelunverträglichkeiten oder verzichten aus religiösen Gründen auf bestimmte Nahrungsmittel“, weiß Martina Hanke. Trotzdem schaffen sie es immer wieder, dass für jeden etwas dabei ist.

Martina Hanke hat auch noch eine neue Aufgabe gefunden, die ihr viel Spaß macht. Jeden Donnerstag gibt es am Nachmittag das Elterncafé. „Zwei Frauen backen leckeren Kuchen, und ich helfe in der Kinderstation mit, den Tisch zu decken und alles für die Kaffeetafel vorzubereiten“, erzählt sie. Die Familien können sich in gemütlicher Runde austauschen. Vielen tut das gut, aber Martina Hanke weiß auch, dass man dabei ein Gespür entwickeln muss, ob Eltern in einer für sie schwierigen Situation reden möchten oder nicht.

Besonders schön sei es immer, wenn die Kinder schlimme Krankheiten überstanden haben. Das jährliche Sommerfest ist immer wie eine Art Familientreffen, bei dem gefeiert wird und viele auch dankbar an den Ort denken, an dem sie wieder gesund geworden sind. So wie die siebenjährige Sasha aus der Ukraine, die durch eine Spendenaktion wegen ihrer Krebserkrankung als Kleinkind nach Cottbus gekommen ist und fast zwei Jahre im Carl-Thiem-Klinikum verbringen musste. Kürzlich ist sie mit dem Bus aus Kiew nach Cottbus gekommen ist, um hier ihren Geburtstag zu feiern. „Auch wenn ich damals noch gar nicht dabei war, hat mich die Geschichte sehr berührt“, sagt Martina Hanke.

Hausleiterin Sibylle Stahn hat schon viele solcher großartigen Momente erlebt. „Manche Familien feiern mit ihren Kindern auch zweimal Geburtstag. Es macht uns auch ein bisschen stolz, einen Beitrag dazu zu leisten, dass es den Familien wieder gut geht“, sagt sie. Sibylle Stahn ist froh, dass sie sich auf so ein tolles und engagiertes ehrenamtliches Team verlassen kann, das den Aufenthalt der Familien im Ronald McDonald Haus in Cottbus zu etwas ganz Besonderem macht. „Zeit ist heutzutage Luxus. Nur durch unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter ist es möglich, so viele Angebote für die Familien mit schwer kranken Kindern zu unterbreiten und das Haus so gut in Schuss zu halten“, sagt Sibylle Stahn.

Die drei Stunden ehrenamtliche Arbeit pro Woche investiert Martina Hanke sehr gern. „Das ist nicht viel und gibt mir ein gutes Gefühl“, sagt sie. Sie lobt auch das gute Miteinander aller fest Angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeiter. Jährlich werden Workshops angeboten, um sich mit anderen Häusern auszutauschen und die Arbeit sogar noch ein bisschen besser zu gestalten.

Ein bisschen gerät Martina Hanke manchmal in einen Zwiespalt. Ihr Mann unterstützt ihre Arbeit, möchte aber, dass das Familienleben nicht auf der Strecke bleibt. Darum möchte sie weiter mit ihm gemeinsam reisen und sich auch um ihre Enkelkinder kümmern. Doch die Arbeit im Elternhaus ist ihr mittlerweile so wichtig geworden, dass sie da auch nicht lange fehlen möchte. Bisher hat es immer eine Lösung gegeben. Martina Hanke ist froh, dass in dem Team einer für den anderen da ist. Ihr ehrenamtliches Engagement empfindet sie nicht als Last, sondern als Bereicherung ihres Lebens.

Martina Hanke und Anna Thamm bereiten die Zimmer für Familien zu, die vorübergehend im Ronald McDonald Haus wohnen.
Martina Hanke und Anna Thamm bereiten die Zimmer für Familien zu, die vorübergehend im Ronald McDonald Haus wohnen. FOTO: LR / Angelika Brinkop
Ehrenamtliche verwöhnen die Eltern, die hier vorübergehend wohnen, zweimal pro Woche mit einem leckeren Essen.
Ehrenamtliche verwöhnen die Eltern, die hier vorübergehend wohnen, zweimal pro Woche mit einem leckeren Essen. FOTO: Ronald McDonald Haus
Zahlreiche Ehrenamtliche unterstützen das Elternhaus. Hier informieren sie sich über die Betreuung der Kinder bei einer Klinikführung durch das CTK.
Zahlreiche Ehrenamtliche unterstützen das Elternhaus. Hier informieren sie sich über die Betreuung der Kinder bei einer Klinikführung durch das CTK. FOTO: Ronald McDonald Haus