| 14:53 Uhr

Forschung im Seenland
Zukunftsvision auf dem Großräschener See

 Hier präsentiert Prof. Horst Stopp die beiden an der BTU entwickelten Schwimmpontons, die demnächst im Großräschener See getestet werden sollen.
Hier präsentiert Prof. Horst Stopp die beiden an der BTU entwickelten Schwimmpontons, die demnächst im Großräschener See getestet werden sollen. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Großräschen/Cottbus. Schwimmende Siedlungen mit autarker Infrastruktur? Was äußerst futuristisch anmutet, steht bei Lausitzer Wissenschaftlern schon seit Längerem im Fokus. Sie wollen im Lausitzer Seenland Schwimmpontons aus Holz testen. Hat das Großräschener Projekt Erfolg, könnte es weltweit für Furore sorgen. Von Torsten Richter-Zippack

Trotz des Ärgers um die gesperrten schwimmenden Häuser auf dem Geierswalder See schreitet die Entwicklung der Schwimm-Architektur zügig voran. Auf dem fast fertig gefluteten Restloch des Tagebaus Meuro sollen demnächst schwimmende Bauten getestet werden. Konkret geht es um Pontons aus Holz. Das planen Prof. Horst Stopp und Dr. Peter Strangfeld vom Institut für Schwimmende Bauten der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU).

Die Wissenschaftler sehen in der maritimen Architektur ein gewaltiges Zukunftspotenzial. Und das längst nicht nur in der Lausitz. „Der Platz an Land wird wegen der steigenden Bevölkerungszahlen weltweit immer knapper. Daher werden wir das Wasser besiedeln müssen“, erklärt Horst Stopp. Seinen Angaben zufolge geht es dabei nicht nur um einzelne Schwimmhäuser, sondern um schwimmende Siedlungen mit einigen Tausend Objekten und entsprechend autarker Infrastruktur. Außerdem könnten die BTU-Pontons auch als Parkplätze oder Flughäfen dienen.

„Wir wollen im Großräschener See zunächst zwei Pontons zu Wasser bringen und diese auf Herz und Nieren prüfen“, kündigt Horst Stopp an. Der Fachmann spricht von einer „Experimentierplattform“, die aus einzelnen Modulen besteht und im See aufgebaut werden soll.

 Hier erfolgt gerade das Einbringen eines beschichteten Holzpontons in die wasserbauliche Versuchsrinne vor der Bauingenieurhalle auf dem Campus in Cottbus-Sachsendorf.
Hier erfolgt gerade das Einbringen eines beschichteten Holzpontons in die wasserbauliche Versuchsrinne vor der Bauingenieurhalle auf dem Campus in Cottbus-Sachsendorf. FOTO: BTU Cottbus-Senftenberg
 Hier erfolgt gerade das Einbringen eines beschichteten Holzpontons in dire wasserbauliche Versuchsrinne vor der Bauingenieurhalle auf dem Campus in Cottbus-Sachsendorf.
Hier erfolgt gerade das Einbringen eines beschichteten Holzpontons in dire wasserbauliche Versuchsrinne vor der Bauingenieurhalle auf dem Campus in Cottbus-Sachsendorf. FOTO: BTU Cottbus-Senftenberg

Die Wissenschaftler hätten sich ganz bewusst für den Baustoff Holz entschieden. Genauer gesagt für kreuzverleimte Platten aus Nadelholz. Dieses werde vor dem maritimen Einsatz entsprechend beschichtet. „Holz ist als Baustoff sehr gefragt. Bei der Herstellung ist wesentlich weniger Energie erforderlich, als beispielsweise bei Betonpontons“, begründet Stopp. Ganz neu seien die schwimmenden Holz-Konstruktionen nicht. In Wien beispielsweise bestand bereits im 19. Jahrhundert in der Donau eine auf Holz-Schwimmkörpern errichtete Militär-Schwimmschule.

Wann die Pontons ins Großrä-
schener Wasser geschifft werden, steht derzeit noch nicht fest. Horst Stopp rechnet aber noch fest in diesem Jahr damit.

 Hier präsentiert Prof. Horst Stopp die beiden an der BTU entwickelten Schwimmpontons, die demnächst im Großräschener See getestet werden sollen.
Hier präsentiert Prof. Horst Stopp die beiden an der BTU entwickelten Schwimmpontons, die demnächst im Großräschener See getestet werden sollen. FOTO: Torsten Richter-Zippack