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Senftenberg
Etikettenstreit um Eierlikör

 Weil Heiko Tänzers Eierlikör mit einem Milchprodukt hergestellt wird, hat er die Spirituose in „Scharfes Gelb“ umbenannt.
Weil Heiko Tänzers Eierlikör mit einem Milchprodukt hergestellt wird, hat er die Spirituose in „Scharfes Gelb“ umbenannt. FOTO: Aswendt Peter / PETER ASWENDT
Senftenberg. Eine EU-Verordnung legt die Zutaten für Eierlikör fest. Weil ein Konkurrent aus Sachsen-Anhalt dagegen verstößt, gehen die Macher von „Scharfes Gelb“ vor Gericht. Von Andrea Budich

Die Senftenberger Eierlikör-Macher „Scharfes Gelb“, die das süffige Getränk vor neun Jahren aus der verspotteten „Oma-Ecke“ katapultiert haben, beschäftigen inzwischen sogar den Europäischen Gerichtshof. Bei dem Streit geht es um Flaschen, Rezepte, vor allem aber um Etiketten mit der richtigen Deklarierung des Inhalts.

Heiko Tänzer und Danilo Trasper vermarkten ihren gelben Tropfen, der Milchprodukte enthält, entsprechend dem EU-Reinheitsgebot nicht als Senftenberger Eierlikör, sondern unter dem Markennamen „Scharfes Gelb“. Diesen harten Schlag mussten die zwei jungen Geschäftsführer gleich zum Beginn ihrer Eierlikör-Karriere verkraften. Vom Namen „Senftenberger Eierlikör“ loszulassen, mit dem sie im ersten halben Jahr ihrer Selbstständigkeit für Furore gesorgt hatten, war bitter. „Wir haben uns schweren Herzens damals an die Gesetzeslage angepasst und unseren Eierlikör umbenannt, weil er entgegen der EU-geregelten Zutatenliste Milchprodukte enthält“, blickt Heiko Tänzer zurück.

Dass Mitbewerber die Sache mit dem EU-Reinheitsgebot nicht ganz so streng sehen, bringt Senftenbergs Eierlikör-Macher in Rage. Vor dem Landgericht Hamburg haben sie daher beanstandet, dass der Altenweddinger Geflügelhof aus der Nähe von Magdeburg einen Likör, der Milch enthält, unter der gängigen Bezeichnung „Eierlikör“ vermarktet. „Gleiches Recht für alle und faire Waffen auf beiden Seiten“, erklärt Geschäftsführer Heiko Tänzer dazu. Was für die Senftenberger Eierlikör-Macher im Brandenburgischen gilt, sollte auch für den Produzenten aus Sachsen-Anhalt recht und billig sein.

Der 2016 eingereichten Klage folgte im Vorjahr ein Vorabentscheidungsverfahren. Dabei wollte das Hamburger Gericht vom Europäischen Gerichtshof wissen, ab wann eine Spirituose als Eierlikör bezeichnet werden darf. Nach der Prüfung hat der Europäische Gerichtshof in Luxemburg im Herbst festgelegt, dass Eierlikör, der Milchprodukte enthält, nicht als Eierlikör gekennzeichnet sein darf. Die EU-geregelte Zutatenliste lässt zum Schutz der Verbraucher nur Eier, Alkohol, Zucker, Honig und Aromastoffe zu.

Die gelbe Sache rund ums flüssige Ei ist also hochrichterlich entschieden. Der Streit um die Eierlikör-Etiketten indes hält an. Die Akten sind aus Luxemburg wieder beim Landgericht Hamburg angekommen. Ein Urteil über den Geflügelhof aus der Börde steht weiterhin aus. Einen Verhandlungstermin gibt es noch nicht. Wohl aber Signale der Beklagten-Seite zu einer außergerichtlichen Einigung. Das bestätigt die Gerichts-Pressesprecherin des Hanseatischen Oberlandesgerichts. Nach dem Luxemburger Machtwort hat der beklagte Geflügelhof reagiert, der seinen Eierlikör jetzt als „Alkoholisches Getränk“ vermarktet.