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Reisen nach Prag und Brno
Prag und Brno setzen auf junges Publikum

Zahlreiche Szenelokale locken in Prag und Brno ein internationales Publikum an. Beide Städte erfinden sich mit spannenden Konzepten neu.  
Zahlreiche Szenelokale locken in Prag und Brno ein internationales Publikum an. Beide Städte erfinden sich mit spannenden Konzepten neu.   FOTO: Vojtech Tesarek/Vnitroblock
Prag/Brno.. Von Thomas Sponticcia

Jana lehnt sich entspannt an eine Säule und beobachtet mit einem Weißweinglas in der Hand ihre Freunde. Die haben sich gerade mit ihren Laptops in einer der derzeit angesagtesten Designer-Läden im Prager Stadtteil Holosovice niedergelassen. Hier sitzt man auf Stühlen und Bänken, stöbert in neuesten Modeaccessoires, liest Zeitschriften oder lässt sich mal eben von Verkäuferinnen, die chice bunte Hüte tragen, Kaffee oder Tee servieren. Manche halten sich aus Neugier ein paar Minuten hier auf, andere nahezu den kompletten Tag. Das Ganze in einer umgebauten alten Werkshalle, in der man gleichzeitig auch essen oder tanzen kann.

In der Nachbarschaft haben längst Galerien, Start-up-Unternehmen und Lebensmittel-Läden eröffnet, denn Holosovice will speziell ein junges Publikum erobern und auch viele Touristen anlocken. So, wie inzwischen viele Stadtteile, die allesamt mit neuen Ideen an den Start gehen, um das etwas angestaubte historische Image der Heimat von Smetana, Moldau und Karlsbrücke aufzupolieren.

Das geschieht auch mit vielerlei kulinarischen Konzepten. Hier entwickelt sich inzwischen die Altstadt hinter dem Rathaus mit der Dlouhá-Straße zu einem Mekka der Genießer. In der Weinbar „Bobovka“ von Sommelier Roman Novotny besticht schon das Ambiente. Über der Theke, auf der auch erlesene Spezialitäten wie Käse und Schinken zum Wein gereicht werden, laufen uralte Schwarz-Weiß-Horrorfilme ohne Ton. Nur von Kerzenschein erhellt, trifft man in größeren Fensternischen überwiegend auf junge Leute um die 30. Sie genießen unter einer Auswahl von über 300 Weinen überwiegend heimische Erzeugnisse, die auch Novotny gerne empfiehlt. Sie gelten als Geheimtipp, da Tschechien seine Weine nicht exportiert. Gerne kann man in dem Weinlokal aber auch zu einem Edel-Barolo feiern, wenn man bereit ist, dafür 400 Euro hinzublättern.

Einige Meter weiter in der Gourmetpassage in der Dlouha-Straße bietet Frantisek Ksana bodenständige Spezialitäten an, „alles, was mit Fleisch zu tun hat“, erzählt er. Und so lautet auch der Name des kleinen Lokals bezeichnenderweise „Nase Maso“ (unser Fleisch). Eine Vorab-Reservierung empfiehlt sich, da die Besucher, meist junges Publikum, sogar Wege von über 100 Kilometern in Kauf nehmen, um hier zu verweilen, sagt der Besitzer.

Schinken und Haxen liegen in den Schaufenstern aus. Zur Verdauung bietet sich ein Sliwowitz an oder ein kurzer Spaziergang zur privaten Schiffsbrauerei auf der Moldau. Hier bietet Vopstèch Ryvola fünf Sorten Bier vom Fass und 18 eigene Bier-Rezepturen zum Probieren an. Er unterhält eine von insgesamt 30 Mini-Brauereien der Stadt. Hinzu kommen 50 Großbrauereien im ganzen Land.

Wer kulinarisch, kulturell und mitten in einer jungen Szene unterwegs sein will, der sollte sich auch die Universitätsstadt Brno (Brünn) ansehen. Neue Hotels zu günstigen Preisen erleichtern die Entdeckungstouren durch die Innenstadt, in der nahezu wöchentlich neue Restaurants, Kneipen und Bars eröffnen. Unbedingt gewesen sein sollte man in der „Bar, die nicht existiert“ mitten in der City, auf Tschechisch Bar Ktery Neex Istuje. Hierhin strömt bis in die frühen Morgenstunden internationales Publikum aus der ganzen Welt. Die Betreiber Andréj Valis und Jan Vlachynsky servieren mit den Barmännern 26 viel verheißende Cocktails mit klangvollen Namen wie „Romeo & Julia“, „William Shakespeare“, ,,Otello” oder auch „Carmen“. Nach dem ein oder anderen Cocktail kann man dann auch besser die eigenen geschmacklichen Vorlieben beurteilen. Hauptsache, der Taxifahrer kennt den Weg zum Hotel.

Karte für Reisetipp Lawo ET 20.1.
Karte für Reisetipp Lawo ET 20.1. FOTO: Newspool