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Dahner Felswand
Malerische Landschaft

Von der Burgruine Wegelnburg bei Schönau bietet sich den Besuchern ein beeindruckendes Panorama über den Pfälzerwald aus 572 Metern Höhe.
Von der Burgruine Wegelnburg bei Schönau bietet sich den Besuchern ein beeindruckendes Panorama über den Pfälzerwald aus 572 Metern Höhe. FOTO: Kurt Groß
Dahn. Wie ein grünes Meer erstreckt sich der Dahner Felsenwald bis zum Horizont. Hier und da ragen rot-orangene Felsen wie Riesen aus den Baumwipfeln empor. Durch Verwitterung, Regen und Erosion entstanden hier über Jahrhunderte hinweg tief eingeschnittene Täler, Moore und Seen. Verschlungene Pfade ziehen sich durch den lichtdurchfluteten Wald. Die Sonne scheint durch das Geflecht der Bäume, trotzdem ist die Luft angenehm und kühl. Vögel singen irgendwo in der Nähe, sind mit bloßen Auge aber schwer zu finden. Ein perfekter Tag zum Wandern.

Weltweit mag es verlockendere Landschaften für Aktivurlauber geben. Viele träumen davon, in den atemberaubenden grünen Weiten Islands die Einsamkeit zu genießen, in Schottland den Ben Nevis zu erklimmen oder in Neuseeland die Urwälder zu erkunden. Malerische Pfade vor der Haustür? Da winkt so mancher lachend ab. Doch es müssen nicht immer exotische Plätze sein, auch in Deutschland gibt es Faszinierendes zu entdecken.

Für Anfänger, die eine Tages-Tour unternehmen wollen, bietet sich der Dahner Felsenpfad an, eine rund 13 Kilometer lange Wanderung im südlichen Pfälzerwald. Die Strecke ist mit einer Markierung, die einen schwarzen Felsen auf orangefarbenem Grund zeigt, ausgeschildert. Festes Schuhwerk und Kondition sind Pflicht. Auf langen gewundenen Pfaden müssen Wanderer Hügel verschiedener Höhen erklimmen. Der höchste Punkt liegt bei 312 Metern.

Direkt am Start des Pfades geht es erst einmal bergauf – hoch zum Pfaffenfelsen. Ihren Reiz hat die Route wegen ihrer bizarren Sandsteinfelsen, die wie Regenten über den Baumwipfeln thronen. Wind und Wasser haben den Felsen in  200 Millionen Jahren ihre außergewöhnliche Form gegeben.

Weiter geht es durch den lichtdurchfluteten Wald. Aber Vorsicht, wo man hintritt. Ameisenstraßen könnten den Wanderweg kreuzen. Wer den emsigen kleinen Arbeitern folgt, findet im Wald verteilt kniehohe Hügel. Ansonsten ist weit und breit kein Tier zu sehen.

Fast geisterhaft leer, abgesehen von ein paar Wanderfreunden, wirkt der Wald, der die Mythen der Region am Leben erhält. Einige Felsen tragen Namen, die auf regionale Sagen zurückzuführen sind. So wie der Jungfernsprung. Dieser ist vom Pfaffenfelsen aus gut zu sehen. Nach etwa eineinhalb Kilometern erreichen Wanderer den Fuß der steilen Felswand.

Die Legende besagt, dass einst eine Jungfrau im Wald Beeren pflückte, als plötzlich ein Räuber erschien, um ihr die Unschuld zu stehlen. Die junge Frau flüchtete bis zu dieser steilen Felsklippe, um dann in die Tiefe zu springen. Doch ihre Röcke bauschten sich auf und sie schwebte wie von Geisterhand gelenkt zu Boden. Dort, wo ihre Füße den Grund berührten, entspringt seitdem eine Quelle.

Der Weg führt weiter zum Schwabenfelsen auf rund 280 Meter, der zum Verweilen einlädt. An den Rand der Felsen setzen, picknicken, die Beine baumeln lassen. Klingt verlockend? Voraussetzung jedoch: schwindelfrei sein.

Bei Kilometer vier folgt ein erneuter Abstieg und auch die einzige Möglichkeit, auf der Strecke einzukehren, nämlich in der urigen Hütte des Pälzerwald-Vereins im Schneiderfeld. Nach viereinhalb Kilometern in den Beinen und noch acht Kilometern voraus, kann eine kurze Rast nicht schaden.

Auch abseits des schmalen und gut begehbaren Pfades gibt es jede Menge zu entdecken: Einige Felsen scheinen Fenster und runde Löcher zu haben, andere ähneln einer Brücke oder einem Schiff, das auf dem Kopf steht. Umringt von grünem dichtem Wald wirkt es fast so, als hätte ein Riese sie vor Jahrtausenden dorthin getragen und aufeinander geschichtet. Kleine Kieselsteine in den einzelnen Schichten wirken wie eine aufwendige Dekoration der Felsen. Seit Jahrhunderten sind sie in den Schichten eingeklemmt. Sie herauszukratzen ist nahezu unmöglich, ohne sich dabei zu verletzen.

Nach Kilometer sieben treffen sich Familien, Mountainbiker und Wanderer am Rothsteigbrunnen, einem Trinkbrunnen mit Sitzbank. Sie alle genießen die Ruhe und sammeln noch einmal Kräfte für das letzte Drittel der Wanderung. Denn da geht es noch einmal hoch hinaus. Der höchste Punkt des Pfades mit 312 Metern will erklommen werden. Der Blick schweift über das Dach des Waldes, das sich bis zum Horizont erstreckt. Eindrucksvolle Felsen stehen entlang des Pfades. Sie können erklommen und umwandert werden. Vor allem Kinder und Familien nutzen die Kulisse, um mit ihrem Handy Fotos vor den roten Sandsteinkolossen zu machen. Zu diesem Zweck klettern auch viele Wanderer ohne Sicherung auf die Felsen. Aber Vorsicht ist geboten. Denn diese sind nicht überall trittsicher und nur Kletterer mit richtiger Ausrüstung sollten die Giganten bezwingen. Doch auch am Fuße der Felsen ist der Ausblick fantastisch.

Der Höhepunkt der Wanderung wartet am Schluss: der Lämmerfelsen. Über eine schmale, kurze Eisenleiter geht es steil bergauf. Einmal oben angekommen treten die Besucher in ein Felsentor, durch das sie in die grüne Idylle blicken können, die dahinter schlummert. Fast wie ein Tor in eine andere Welt.