| 13:06 Uhr

Berlin
Puffer bei der Finanzierung einplanen

  Ein gutes Protokoll kann helfen, im Bauprozess den Überblick zu behalten. Andernfalls geraten Kleinigkeiten aus dem Blick.
Ein gutes Protokoll kann helfen, im Bauprozess den Überblick zu behalten. Andernfalls geraten Kleinigkeiten aus dem Blick. FOTO: Marko Priske/Bauherren-Schutzbun / Marko Priske
Berlin. Damit beim Hausbau keine unangenehmen Überraschungen entstehen, sollten die Bauherren schon vorsorglich zeitlichen und finanziellen Puffer einplanen und Überraschungen so vorbeugen.

Das eigene Haus ist für die meisten Menschen die größte Investition ihres Lebens. Pannen bei diesem Projekt rauben nicht nur den letzten Nerv, sondern kommen angehende Wohneigentümer auch teuer zu stehen. Bauschäden verursachen im Schnitt rund 84 000 Euro Kosten, das sind rund 55 000 Euro mehr als vor gut zehn Jahren, wie aus dem, im Auftrag des Bauherren-Schutzbunds (BSB) erstellten, Bauschadenbericht hervorgeht. Bauherren und Käufer können aber vorbeugen.

Zeitverzug und Ausgaben für die Schadensbeseitigung gehören nach Auskunft von BSB-Geschäftsführer Florian Becker zu den größten Belastungen des Baubudgets. Beides schlägt direkt auf die Finanzierung durch. „Verzögerter Umzug, weiterlaufende Miete, zahlen von Bereitstellungszinsen an die Bank, weil sich Abnahme und Schlussrechnung nach hinten schieben“, listet Florian Becker auf.

Hinzu kommt, dass künftige Eigentümer Schäden oft zunächst auf eigene Kosten beheben lassen wollen, um einen Stillstand zu vermeiden. Die zusätzlichen Ausgaben können sie sich im besten Fall zwar hinterher von der ursprünglichen Baufirma zurückholen. Aber: Das Geld, um einen anderen Handwerker zu beauftragen, muss man erst einmal haben.

Abgesehen davon müssten rechtliche Voraussetzungen beachtet werden. Auch das Honorar für einen Anwalt streckt der angehende Eigenheimbesitzer erst einmal vor. Rechtsschutzversicherungen greifen oft nicht. „Nahezu alle schließen Baustreitigkeiten aus oder decken nur einen extrem niedrigen Streitwert ab“, erklärt Becker.

Schlecht für Bauherren: Das Beheben gerade solcher Schäden ist meistens richtig teuer. Holzbretter auf dem feuchten Dachboden zu ersetzen etwa, kann schnell mit 20 000 Euro zu Buche schlagen.

Damit die Finanzierung trotzdem standhält, empfiehlt Stephan Scharfenorth vom Online-Portal Baufi24.de, von Anfang an einen Puffer für unvorhergesehene Ausgaben einzuplanen. In Verhandlungen mit dem Kreditgeber könnten außerdem Konditionen besprochen werden, die die Hausbank für eine eventuelle Nachfinanzierung aufrufen würde.

Der BSB konkretisiert Puffer in Zahlen: zwei bis drei Monate Zeit über den festgeklopften Fertigstellungstermin hinaus einkalkulieren und fürs Erste mindestens 5000 Euro in der Hinterhand haben, um im Fall des Falles ohne weitere Kreditspritze von der Bank handlungsfähig zu bleiben. Finanzieller Spielraum verbessert im Schadensfall die Verhandlungsposition gegenüber dem Bauunternehmen. Ansonsten müssten Häuslebauer womöglich Zugeständnisse machen, „die man ohne Druck nicht machen würde“, meint BSB-Geschäftsführer Becker.

Zu den Tipps von Scharfenorth gehört außerdem, sich einen unabhängigen Baubetreuer an die Seite zu holen. Dieser vertritt die Interessen des Bauherrn gegenüber den ausführenden Firmen. Die Fachleute sollten bereits in der Planungsphase mit von der Partie sein, um Fehler vermeiden, erkennen und ausbügeln zu können, bevor diese sich zur großen Projektbelastung auswachsen.

  Ein gutes Protokoll kann helfen, im Bauprozess den Überblick zu behalten. Andernfalls geraten Kleinigkeiten aus dem Blick.
Ein gutes Protokoll kann helfen, im Bauprozess den Überblick zu behalten. Andernfalls geraten Kleinigkeiten aus dem Blick. FOTO: Marko Priske/Bauherren-Schutzbun / Marko Priske