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Ländliches Wohnen
Gallinchen ist attraktiver Wohnstandort

Bürgermeister Dietmar Schulz hat sein Büro im Gallinchener Schloss. In dem Gebäude, das einst Pückler gehörte, ist auch die Kita mit etwa 70 Kindern untergebracht.  Fotos: Brinkop
Bürgermeister Dietmar Schulz hat sein Büro im Gallinchener Schloss. In dem Gebäude, das einst Pückler gehörte, ist auch die Kita mit etwa 70 Kindern untergebracht. Fotos: Brinkop FOTO: LR / Angelika Brinkop
Der Cottbuser Ortsteil Gallinchen ist vor allem als Wohnstandort begehrt und zählt heute etwa 2700 Einwohner. Damit hat sich die Einwohnerzahl seit 1989 mehr als verdreifacht. Auch wenn dem Ort ein Zentrum und ein Bürgerhaus fehlt, gibt es mehrere aktive Vereine.

(abr) Im kommenden Jahr feiern gleich drei Vereine in Gallinchen ein Jubiläum: Der Dorfclub wird 60 Jahre alt, die Feuerwehr und der Anglerverein SFV 1934 werden 85 Jahre.

„Es ist noch nicht nicht klar, wie wir diese Jubiläen feiern werden. dazu werden wir uns demnächst beim monatlichen Treffen mit den Vereinsvorsitzenden verständigen“, sagt Ortsvorsteher Dietmar Schulz. Auf jeden Fall soll es in diesem Jahr am 1. Dezember wieder ein Adventsfest geben. „Wir wollen keine Verkaufsstände, sondern ein kleines Fest, zu dem die Leute bei Glühwein und Bratwurst gemütlich zusammenkommen“, sagt Dietmar Schulz. Gefeiert wird auch sonst gern in Gallinchen, egal ob zum Zampern, dem Fastnachtstanz oder beim Maibaumstellen. Ein Wermutstropfen ist die fehlende Ortsmitte. Gallinchen hat keine Schule, keinen Sportplatz, keine Kirche und kein Bürgerhaus. Gallinchen ist eben kein gewachsenes Dorf. „Durch die Nähe zu Cottbus sind wir vor allem eine Schlafstadt“, macht sich der Bürgermeister keine Illusionen.

Gallinchen wurde im Jahr 1421 erstmals urkundlich erwähnt, wurde aber bereits früher besiedelt, was Scherbenfunde bei der Trockenlegung des Schlosses vermuten lassen.

Zwischen 1748 und 1825 gehörte Gallinchen der Familie von Pückler, allerdings musste Fürst Hermann von Pückler-Muskau den Ort wegen Verschuldungen verkaufen. Heute wird das ehemalige Schloss von der Kita genutzt und ist Sitz des Ortsvorstehers.

2003 wurde Gallinchen von Cottbus eingemeindet, die Einwohnerzahl stieg kontinuierlich bis auf 2700. Und damit ist noch nicht Schluss. Weitere Wohngebiete wie der Standort Waldparksiedlung mit 70 Eigenheimen und am Birkengrund mit zwölf Häusern.

Dennoch gibt es in Gallinchen nicht nur Grund zur Freude. Zu den Dauerthemen gehört der Verkehr auf der B 97. Nach jüngsten Erhebungen passieren am Tag etwa 20 000 Fahrzeuge den Ort. Der Anteil der Lkws liegt zwischen 7 und 9 Prozent. Doch eine Ortsumfahrung sieht Dietmar Schulz in weiter Ferne. Und ob diese den gewünschten Effekt bringen würde sei auch nicht sicher. Einen großer Teil der Fahrzeugbelastung komme durch den Pendlerverkehr und Lkws, die Waren anliefern, können auch nicht komplett von der Straße verbannt werden. „Unser Ziel ist es, die Straße in einem guten Zustand zu erhalten. Regelmäßig müsse die Deckschicht erneuert werden, damit keine Flickschusterei den Lärmpegel noch oben treibt.

Die nächtliche Geschwindigkeitbegrenzung von 30 km/h werde von vielen Lkws nicht eingehalten. in den nächsten Monaten soll darum ein Blitzer in der Alten Dorfstraße in der Nähe des Stadtteilmuseums in Betrieb gehen.

Das Stadtteilmuseum gehört übrigens auch zu den Besonderheiten von Gallinchen. Ortschronist Herbert Lehmann hat viele interessante Stücke zur Dorfgeschichte zusamengetragen, die seit 2006 in der ehemaligen Schule ausgestellt werden. Er hat auch die Urkunde zur Ersterwähnung von Gallinchen entdeckt. Die Weiterführung des kleinen Museums ist auch gesichert. Frank Lehmann hat das Interesse für die regionale Geschichte von seinem Vater geerbt und kümmert sich um den Fortbestand der Einrichtung.

Zu den Sorgenkindern in Gallinchen gehört auch der Garagenkomplex an der Grenzstraße. „Der private Eigentümer wollte das Gelände längst bebauen, aber es tut sich nichts. Die Garagen vermüllen immer mehr, zwischendrin erobert sich die Natur das Gelände zurück.

Dietmar Schulz hat für Gallinchen noch viele Pläne. Sein Wunsch ist es, das alte Feuerwehrgebäude zu einem multifunktionalen Vereins- und Bürgerhaus umzubauen. Auch für das Schloss könnte er sich eine andere Nutzung vorstellen. Am liebsten würde er eine neue Kita bauen, in der mehr Platz für Kinder ist und die Schlossräume anderweitig nutzen. Dazu fehlt im Moment das Geld, doch träumen ist gestattet.

Ortsporträt Gallinchen Seitenkopf
Ortsporträt Gallinchen Seitenkopf FOTO: LR