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"Das unerschrockene Wort"

Verleihung des Preises "Das unerschrockene Wort": Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos), Wittenberg; Oberbürgermeister Michael Kissel (SPD), Worms; Preisträger Birgit und Horst Lohmeyer; Laudatorin Prof. Dr. Rita Süssmuth; die Preisträger Susanna und Markus Nierth; Oberbürgermeisterin Romina Barth (CDU), Torgau; Oberbürgermeister Christian Thieme (CDU), Zeitz.
Verleihung des Preises "Das unerschrockene Wort": Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos), Wittenberg; Oberbürgermeister Michael Kissel (SPD), Worms; Preisträger Birgit und Horst Lohmeyer; Laudatorin Prof. Dr. Rita Süssmuth; die Preisträger Susanna und Markus Nierth; Oberbürgermeisterin Romina Barth (CDU), Torgau; Oberbürgermeister Christian Thieme (CDU), Zeitz. FOTO: Stadt Torgau/Wolfgang Sens
Torgau. Haltung zeigen: Diese Entschlossenheit, die schon Martin Luther auszeichnete, ist heute wichtiger denn je. Für Birgit und Horst Lohmeyer sowie Susanna und Markus Nierth ist sie gelebte Selbstverständlichkeit.

Dafür wurden die beiden Ehepaare mit dem Preis "Das unerschrockene Wort" vom Bund der Lutherstädte geehrt.

"Wer schweigt, stimmt zu. Horst und Birgit Lohmeyer sowie Markus und Susanna Nierth erheben ihre Stimme unerschrocken und mutig gegen Rechtsextremismus", sagte die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, die bei der Preisverleihung vergangenen Freitag (22.April) in der Torgauer Schlosskirche, dem ersten evangelischen Kirchenbau, die Laudatio auf die Paare hielt.

Der Preis "Das unerschrockene Wort" wurde im Andenken an Martin Luther zuerst 1996 und seit 1999 alle zwei Jahre vergeben. Er erinnert an den Mut und die Standhaftigkeit des Reformators, der sich auf dem Reichstag zu Worms 1521 für seine Überzeugungen verantworten musste und sich weigerte, seine Kritik an der Amtskirche zu widerrufen, obwohl ihm dafür die Ächtung drohte.

Jede der insgesamt 16 deutschen Lutherstädte kann einen Kandidaten aus dem In- und Ausland für den mit 10 000 Euro dotierten Preis nominieren. Im Mittelpunkt stehen dabei Menschen, die bereit sind, "für unerschrockenes Auftreten Unbill in Kauf zu nehmen". Eine Jury, bestehend aus den Bürgermeistern der Städte und weiteren Vertretern des öffentlichen Lebens, ermittelt die Preisträger.

Im Jubiläumsjahr der Reformation sei es darum gegangen, "den Fokus auf gegenwärtige Herausforderungen im Heimatland Luthers zu legen", so die Jury. Die Ehepaare Nierth und Lohmeyer "stehen mit ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement beispielhaft für den Kampf gegen Demokratie gefährdende und rechtsextremistische Strömungen in Deutschland", resümierte Torgaus Oberbürgermeisterin Romina Barth die Jury-Entscheidung.

Birgit und Horst Lohmeyer leben in dem mecklenburgischen Dorf Jamel, das immer wieder durch die Umtriebe ansässiger Rechtsextremisten als "Nazi-Dorf" bekannt wurde. Die beiden Künstler veranstalten hier jährlich das Rockfestival "Jamel rockt den Förster" und wirken so gegen die Vereinnahmung des Dorfes durch Neonazis. Obwohl sie immer wieder bedroht und angegriffen werden, lassen sie sich nicht vertreiben. "Wir empfinden die Verleihung des Preises als großartige Anerkennung unseres ehrenamtlichen Engagements. Er gibt uns Kraft und das Gefühl des Nicht-allein-Seins im Kampf gegen rechtsextreme und rechtspopulistische Strömungen in unserem Land [...]", sagt Horst Lohmeyer.

Susanna und Markus Nierth haben sich im vergangenen Jahr für eine Flüchtlingsunterkunft im sachsen-anhaltinischen Tröglitz engagiert, in dem Markus Nierth ehrenamtlicher Bürgermeister war. Nach massiven Drohungen trat der Theologe aus Sorge um seine Familie von dem Amt zurück, setzt sich aber weiterhin für die Unterbringung von Flüchtlingen in Tröglitz ein und betreut gemeinsam mit seiner Frau afghanische Familien als Pate.

"Weil nicht nur einem Ortsbürgermeister zugesetzt wurde, wie es manchmal in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Tatsächlich war und ist das Leben einer ganzen Familie betroffen, und bis heute komplett verändert. Mir persönlich wird dieser Preis deshalb Ansporn sein, besonders in den Zeiten, in denen meine Familie und ich uns von der Gesellschaft schutzlos und allein gelassen fühlen, dennoch den Überzeugungen meines Herzens zu folgen.”

Frühere Preisträger sind der syrische Rechtsanwalt Mazen Darwish, das Syrische Zentrum für Medien und Meinungsfreiheit, die Journalistin Andrea Röpke und der Liedermacher Stephan Krawczyk. red