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Leben im Alter
Das Haus altersgerecht umbauen

Wenn junge Familien ihr neues Zuhause einrichten, sorgen sich Eltern vor allem darum, ob das Heim auch kindersicher ist. Später stellt sich die Frage, ob die Wohnung noch den Ansprüchen des Alters gerecht wird.

Mit zunehmendem Alter nehmen oft die körperlichen Einschränkungen zu, sagt Christiane Grüne, Leiterin der Landesberatungsstelle Barrierefrei Bauen und Wohnen in Mainz. Die Türschwelle oder der Teppich wird dann auf einmal zur Stolperfalle. „Eine Wohnungsanpassung kann dabei helfen, möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu leben“, sagt Grüne.

Barrierefrei umbauen

Viele verdrängen den Gedanken, dass die vertraute Umgebung auf einmal Probleme bereiten könnte. Doch gerade an vermeintlich wohlbekannten Stellen passieren aus Unaufmerksamkeit oft Unfälle, weiß Meike Austermann-Frenz. Die Ingenieurin berät beim gemeinnützigen Verein kom.fort. e.V. in Bremen Verbraucher zum barrierefreien Wohnen.

Häufig beschäftigen die Menschen sich erst dann mit der Wohnungsanpassung, wenn es akut notwendig ist. Zum Beispiel, wenn sie einen Schlaganfall erlitten haben und seitdem auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Seit einigen Jahren beobachtet Austermann-Frenz aber auch, dass Menschen sich zunehmend vorsorglich beraten lassen. Das macht durchaus Sinn: Das Umbau-Projekt lässt sich so in Ruhe angehen, ohne Zeitdruck sind mehrere Kostenvoranschläge einholbar. Idealerweise denken Häuslebauer sogar schon vor der Grundsteinlegung daran, wie sie im Alter einmal leben möchten.

Wohnberatungsstellen

Möglichkeiten, eine Wohnung altersgemäß anzupassen, gibt es viele. Verbraucher sollten sich gut überlegen, welche sie wirklich benötigen und umsetzen lassen. Unterstützung bieten Wohnberatungsstellen, die es in vielen größeren Städten gibt. Einen Überblick bietet die Seite der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung e.V. Die Erstberatung ist in der Regel kostenlos.

Ein erstes Hindernis im Haus können schon steile Stufen im Eingangsbereich darstellen. Eine Rampe ist hier eine mögliche Lösung.

In der Wohnung selbst sollten Lichtschalter für Rollstuhlfahrer niedrig genug angebracht sein, damit sie gut erreichbar sind. Ein Rollator oder Rollstuhl benötigt zudem Platz. Zu schmale Türen müssen deshalb gegebenenfalls auf 90 Zentimeter Breite erweitert werden. Manche Änderungen betreffen nur die Einrichtung: So erleichtern erhöhte Sitzflächen das Aufstehen, wenn die Kräfte nachlassen.

Häufig betreffen Umbauten den Sanitärbereich. „Das Bad ist ein intimer Bereich. Gerade hier wollen viele möglichst lange ohne fremde Hilfe zurechtkommen“, sagt Grüne. Außerdem ist die Gefahr von Unfällen in diesem Teil des Hauses besonders hoch. In eine ebenerdige Dusche können körperlich schwache Menschen leichter einsteigen. Weitere mögliche Umbauten: Haltegriffe an Dusche und WC oder ein erhöhter Toilettensitz.

Teurer Umbau

Wer sich für Umbaumaßnahmen entschieden hat, muss sich in der Regel selbstständig an einen Handwerker oder Architekten wenden. Eine altersgemäße Wohnungsanpassung kann schnell teuer werden. Allein eine Türverbreiterung kann über 1000 Euro kosten.  Ein komplett neues Bad mit Toilette, Waschbecken und Dusche kann mit rund 6000 bis 10 000 Euro zu Buche schlagen.

Wer das nicht alleine stemmen kann oder möchte, für den bieten verschiedene Stellen finanzielle Unterstützung. Die Pflegekassen zahlen bis zu 4000 Euro für nötige Umbaumaßnahmen. Voraussetzung ist aber, dass die Einstufung in eine Pflegestufe vorliegt. Krankenkassen erstatten ebenfalls in vielen Fällen bei Menschen mit Handicap die Kosten von Hilfsmitteln.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Umbauten mit Hilfe eines Darlehens zu finanzieren. Die KfW-Bankengruppe bietet im Rahmen des Förderprogramms „Altersgerecht Umbauen“ Kredite speziell für diesen Zweck.