| 17:16 Uhr

Moderner Bus
Endlich stromert ein deutscher Stadtbus

 Erster Mercedes-Benz Citaro mit Elektroantrieb.
Erster Mercedes-Benz Citaro mit Elektroantrieb. FOTO: Daimler AG / Daimler AG - Product Communicati
Mercedes-Benz hat den ersten voll elektrischen Stadtbus nicht nur angekündigt, sondern ein solches Exemplar für die Beförderung von bis zu 80 Personen auch schon vorgestellt – statisch und auf einer ersten Probefahrt durch Stuttgart.

Androhungen von Fahrverboten für Diesel-Pkw in Städten sind derzeit an der Tagesordnung. Unausgegorene Schnellschüsse, schließlich hat der Fahrer eines Euro4- oder Euro5-Dieselautos mit dessen Kauf nichts Ungesetzliches getan, als dass er jetzt auf sein Fahrzeug verzichten oder es gar verschrotten sollte. Über das Abgasverhalten weiterer Teilnehmer am Nahverkehr regt sich offiziell kaum einer auf. Dabei pusten Lkw und Busse reichlich Schadstoffe in die Luft.

Das heißt aber nicht, dass die Fahrzeugbauer diese momentane Stille auskosten würden. Alle führenden Hersteller von Nutzfahrzeugen arbeiten an alternativen Antriebskonzepten. Auch Daimler will den Nahverkehr modernisieren und hat bereits Lkw mit Elektroantrieb für den Verteilerverkehr entwickelt. Bereits seit 2014 hat Daimler seine Fuso Canter E-Cell – das sind leichte Lkw mit E-Antrieb – in verschiedenen Ballungszentren probeweise im Einsatz.

Nun will Daimler mit einem Elektro-Bus, dem Citaro E-Cell, den Nahverkehr weiter modernisieren. Die Prototypen werden derzeit noch auf Herz und Nieren geprüft, unter anderem bei Testfahrten am Polarkreis und in der Hitze der spanischen Sierra Nevada. Die ersten Fahrzeuge werden bereits Ende 2018 ausgeliefert und sollen zur kundennahen Fahrerprobung zum Praxiseinsatz in der Metropolregion Rhein-Neckar geliefert werden.

Der Citaro E-Cell, der erste Elektro-Stadtbus eines deutschen Herstellers, bezieht seine Antriebsenergie aus einem modularen Paket von Lithiumionen-Batterien, die auf dem Dach installiert sind. Der Antrieb erfolgt über eine Hinterachse mit radnabennahen Elektromotoren. Anreiz für die Kommunen: Der Bund will über seinen Mobilitätsfond Fördermittel für den Umstieg auf die sauberen Modelle bereitstellen.

Warum ist man bei Daimler so spät dran mit der Entwicklung von E-Bussen? Entwicklungschef Gustav Tuschen begründet es damit, dass erst eine ausreichende Leistungsfähigkeit und Reichweite erreicht sein musste, um ein solches Projekt zu realisieren. Zugleich unterstreicht er, dass die Ära von Stadtbussen mit Verbrennungsmotoren noch längst nicht vorbei sei. Denn der E-Antrieb ist problematisch, allein schon die Reichweite, die auch vom Einsatz der Heizung oder der Klimaanlage abhängig ist.

150 Kilometer soll der Citaro mit einer Batterie-Ladung schaffen – für manche Nahverkehrslinie sei das jedoch zu wenig, so Tuschen. Gerade mal 30 Prozent der Einsätze ohne Zwischenladung könnten mit diesem Bus abgedeckt werden. Die nächste Generation des Citaro E-Cell solle 200 Kilometer schaffen. Gefragt seien jetzt auch die Städte: Wenn sie in die nötige Infrastruktur investieren, könnten die Busse auch an bestimmten Haltepunkten aufgeladen werden.

Sicher ist dann wohl, dass sich die Nachfrage nach E-Bussen deutlich steigert. Doch das bringt die nächsten Probleme: Hochwertige Rohstoffe für die Batterie-Produktion, die übrigens erhebliche Kohlendioxid-Emissionen verursacht, werden immer knapper und teurer. Da die Akku-Lebensdauer des Citaro nur rund fünf Jahre beträgt, muss relativ schnell für Nachschub gesorgt werden. Ein Wettlauf um die begehrten Rohstoffe beginnt. Und auch das nächste Problem ist noch ungeklärt: Wo und wie sollen die alten Akkus entsorgt werden? Noch also steht das Aus für Busse mit herkömmlichen Antrieben nicht bevor.