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Gartentipps
„Ist der Rasen ständig auf Diät, macht er schneller schlapp“

 Die Experten haben viele Tipps für einen ausgesprochen schönen grünen Rasen gegeben.
Die Experten haben viele Tipps für einen ausgesprochen schönen grünen Rasen gegeben. FOTO: W. Neudorff GmbH KG
„Wie kriege ich den bloß wieder hin?“ – das fragen sich viele Gartenbesitzer zu Beginn der warmen Jahreszeit angesichts ihres Rasens. In diesem Jahr sind viele Rasenflächen besonders von Lücken, Moos und strapazierten Böden betroffen. Grund dafür sind die Folgen des Rekordsommers 2018 mit monatelanger Trockenheit und sengender Hitze. Was der Rasen jetzt braucht und wie man ihn fit für den Fall einer neuen Hitzeperiode macht, dazu informierten Gartenprofis am Lesertelefon. Die wichtigsten Tipps hier in der Zusammenfassung:

Mein Rasen weist viele große Lücken auf, der Boden ist hart und trocken. Was kann ich tun?

Ingo Schlieder: Offenbar ist Ihr Boden nicht ausreichend mit Humus versorgt. Streuen Sie regelmäßig Bodenaktivator und nutzen Sie statt mineralischem einen organischen Dünger. Diese fördern das Bodenleben und führen dem Boden den erforderlichen Humus wieder zu. Kahle Stellen harken Sie auf und säen Sie mit einer guten Rasenmischung nach. Das Saatgut wird nur leicht mit Sand oder einer feinen Erde abgedeckt und muss regelmäßig feucht gehalten werden.

In diesem Jahr habe ich besonders viel Moos im Rasen. Was kann ich dagegen unternehmen?

Thomas Heß: Moos ist eine Zeigerpflanze für Stickstoffmangel – ein vermooster Rasen hat in der Regel einfach nur Hunger. Durch regelmäßiges Düngen, nicht zu tiefes Abmähen und satten, aber auf keinen Fall täglichen Wassergaben bei Hitze kann man Moos oft schon in den Griff bekommen. Typischer Gebrauchsrasen braucht mindestens drei Mal im Jahr Dünger: im April, im Juli und einen Herbstrasendünger Ende September. Oft fühlt sich Moos pudelwohl, weil der Boden schlecht ist oder es sehr schattig ist. Dann ist die Moosbekämpfung etwas aufwändiger: Verbessern Sie den Boden regelmäßig mit Bodenaktivatoren, säen Sie schattenverträgliche Rasenmischungen aus und verbessern Sie schwere, staunasse Böden mit Sandauflagen oder Drainage.

Wie oft sollte ich den Rasen vertikutieren?

Sabine Klingelhöfer: Nur wenn es notwendig ist, nämlich dann, wenn der Rasen verfilzt ist. Das Vertikutieren dient entgegen der allgemeinen Überzeugung nicht dazu, „Luft in den Boden zu bringen“. Das jährliche Vertikutier-Ritual kann man sich und dem Rasen also in vielen Fällen sparen. Ist es aber notwendig, sollten Sie nicht vor Ende April oder Anfang Mai damit beginnen, weil beim Vertikutieren häufig auch Rasenwurzeln in Mitleidenschaft gezogen werden. Vorsicht: Stellen Sie den Vertikutierer nicht zu tief ein!

Wenn es wenig regnet, vertrocknet mein Rasen schnell. Kann ich vorbeugend etwas tun?

Sabine Klingelhöfer: Trockenschäden sind meist auf die Bodenqualität zurückzuführen. Abhilfe schafft ein Bodenaktivator mit Terra Preta, das sehr viel Wasser speichern kann. Auch die Wahl des Düngers kann die Speicherkapazität erhöhen: Dünger mit Mykorrhiza – einem natürlichen Pilz – vergrößert die Wurzeloberfläche der Rasengräser. Damit können die Pflanzenwurzeln Bodenwasser aufnehmen, das sie ohne die Mykorrhiza nicht erreichen könnten.

Wann setze ich einen Bodenverbesserer am besten ein?

Ingo Schlieder: Ein Bodenverbesserer wie zum Beispiel ein Bodenaktivator kann ganzjährig angewandt werden. Am sinnvollsten direkt nach dem Vertikutieren und der Nachsaat.

Kalken, düngen, vertikutieren – in welcher Reihenfolge mache ich es am besten?

Thomas Heß: Vertikutieren soll Rasenfilz zwischen den Halmen herauskämmen – diese Arbeit ist aber nicht zwingend jedes Jahr notwendig. Ist der Rasen wohlgenährt und wurde nicht zu tief gemäht, reicht ein jährliches Auflockern der Grasnarbe mit einer Harke im April. Bei schlecht gepflegten, verwahrlosten Rasenflächen sollen Sie dagegen erst mal vertikutieren und den Rasen in den Folgemonaten gut pflegen und aufpäppeln. Düngen Sie gut zwei Wochen vor dem Vertikutieren, um die Gräser auf diesen Stress vorzubereiten und die Regeneration zu erleichtern. Ob Sie kalken müssen, zeigt ein Bodencheck mit einem pH-Schnelltest. Rasen wächst auf Sandboden bei einem pH-Wert zwischen 5,5 und 6 am besten, auf Lehm bei 6,5.

Worauf sollte ich bei der Auswahl des Düngers achten?

Sabine Klingelhöfer: Wichtig ist, dass es sich um einen organischen Dünger handelt, denn der enthält Mikroorganismen, von denen die Humusbildung profitiert. Mineralischer Dünger hingegen hilft dem Boden überhaupt nicht, sondern wirkt nur auf den Pflanzenwuchs. Vor allem günstige mineralische Dünger enthalten häufig viel Stickstoff. Dann sprießen zwar die Grashalme in die Höhe, aber der Rasen wird nicht dichter, weil die Pflanzen nicht die notwendigen Nährstoffe bekommen. Das einzige, was viele preiswerte mineralische Dünger bewirken: Sie müssen öfter mähen.

Kann ich zum Säen, Düngen, Kalken und zum Ausbringen von Sand und Bodenverbesserer ein und dasselbe Streugerät nehmen?

Peter Hölzer: Ein Streugerät vereinfacht diese Tätigkeiten ungemein, weil es die Mittel schnell und gleichmäßig verteilt. Dadurch sieht der Rasen nicht fleckig aus. Sie können einen Streuwagen benutzen, mit dem Sie Ihre „Bahnen ziehen“, die man hinterher allerdings häufig am Rasenwuchs ablesen kann. Eine Alternative ist ein Granomax-Handstreuer, mit dem das Streumittel in einem gleichmäßigen Bogen verteilt wird. Durch die größere Streubreite ist das Arbeiten schneller und effizienter – und ein Handstreuer lässt sich platzsparend unterbringen.

Wie bringe ich Dünger am besten aus?

Peter Hölzer: Wir empfehlen für Festdünger ein Handstreugerät und für Flüssigdünger und wasserlösliche Pulverdünger ein Dosiergerät, das das Düngerkonzentrat mit Wasser mischt und gleich in der vorgeschriebenen Konzentration ausbringt. Geräte wie der Aquamix verfügen über einen Standardanschluss für einen Gartenschlauch und lassen sich einfach auf verschiedene Mischungsverhältnisse einstellen. So dosieren den Dünger präzise und sparen sich das Herumschleppen von Gießkannen.

Im letzten Jahr habe ich meinen Rasen vor der Hitzeperiode sehr kurz gemäht – danach war er hinüber. Worauf muss ich beim Mähen achten?

Peter Hölzer: Grundsätzlich sollten Sie bei Gebrauchsrasen eine Schnitttiefe von 40 Millimeter nicht unterschreiten. Tiefere Schnitte führen zu Stress und hoher Belastung und bei extremer Hitze wie im letzten Jahr zu Totalausfällen. Außerdem sollten Sie niemals mehr als ein Drittel der Halmlänge abschneiden. Mähen Sie lieber öfter mit geringem Abschnitt als den Rasen drastisch „runterzuschneiden“.

Was muss ich beim Einsatz eines Mähroboters beachten?

Ingo Schlieder: Der erste Schnitt nach dem Winter sollte immer mit einem klassischen Rasenmäher erfolgen, da der Rasen für den Mährobotor zu lang wäre und das Schnittgut in dieser Fülle vom Bodenleben nicht verarbeitet werden kann. Ansonsten geht es um die Sicherheit: Mährobotor sollten Sie nie unbeaufsichtigt arbeiten lassen. Sie sollten auch nichts nachts laufen, um Gartenbewohner wie Igel, Frösche zu schützen. Das gilt auch für spielende Kinder. Lassen Sie den Mähroboter lieber arbeiten, wenn die Kinder in der Schule oder im Kindergarten sind.

Wie wässere ich den Rasen richtig und möglichst sparsam?

Thomas Heß: Rasen ist im Sommer ein echter Schluckspecht: Gute vier Liter pro Quadratmeter und Tag zieht er sich locker rein! Beim Gießen gilt also klotzen, nicht kleckern: Bei trockener Witterung wird der Rasen ein- bis zweimal wöchentlich ausgiebig gewässert. Der Boden sollte jedes Mal 15 Zentimeter tief durchfeuchtet werden. Zur Kontrolle stechen Sie einmalig mit dem Spaten ein verkehrt-pyramidenförmiges Bodenstück aus und sehen nach: Der feuchte Erdhorizont ist an der dunkle Farbe gut zu erkennen. Merken Sie sich, wie lange Ihr Regner dafür braucht. Eines sollten Sie nicht tun: „Verwöhnen“ Sie Ihren Rasen nicht ständig mit kleinen Schlückchen, bei denen das Wasser immer nur ein paar Zentimeter weit in den Boden sickert. Dann hat der Rasen nicht die geringste Lust, seine Wurzeln tiefer in den Boden zu schicken und wird bei Trockenheit schnell braun.

 Lesertelefon Tipps für die grüne Oase.
Lesertelefon Tipps für die grüne Oase. FOTO: W. Neudorff GmbH KG