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Wie ein Becher Joghurt

Jenny Theiler Potrait
Jenny Theiler Potrait FOTO: LR
Jetzt geht es nur noch bergab, deine besten Jahre sind vorbei, ab jetzt beginnt der biologische Abbauprozess – diese kleinen Aufmunterungen höre ich in letzter Zeit ständig, denn die dicke 30 steht vor der Tür.

Für die meisten Frauen in meinem Alter offenbar ein Grund, ab jetzt nur noch in Trauerkleidung herumzulaufen – für mich ein Grund zu feiern. Ob ich denn nicht die Zeit vermissen würde, als ich noch jung war, fragte mich vor kurzem eine 22-Jährige. Als sei ich ein Becher Joghurt mit Haltbarkeitsdatum.

Tatsächlich musste ich etwas länger überlegen, bevor ich auf diese gewagte Frage antworten konnte. Meint sie die Zeit, in der ich in jugendlicher Selbstüberschätzung völlig planlos durch mein Leben irrte? Als ich augenrollend alle Ratschläge aus der Erwachsenenwelt abschmetterte? Als ich mich mittellos durch mein Studium gehungert habe und völlig blauäugig auf jedes Kompliment hereingefallen bin? Oh Gott, nein! Das werde ich auf gar keinen Fall vermissen, denn ich bin bereit, alt zu werden. Ich freue mich darauf, das Geld, das ich endlich verdiene, auszugeben und mich mit gereiften Menschen zu unterhalten, die mich ernstnehmen. Endlich kann auch ich mit Blick auf meinen Erfahrungsschatz über die aufmüpfige Jugend meckern, die ja vom echten Leben noch gar keine Ahnung hat.

„Komm erstmal in mein Alter“, antworte ich dem blutjungen Mädel, das mich entgeistert anstarrt. Alte Leute sind komisch, denkt sie wahrscheinlich.