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Hilfe für Opfer von Kriminalität
Weißer Ring will größere Lobby für Opfer

 Der Weiße Ring ermutigt Opfer von Gewalt und Kriminalität, sich zu wehren und um ihr Recht zu kämpfen.
Der Weiße Ring ermutigt Opfer von Gewalt und Kriminalität, sich zu wehren und um ihr Recht zu kämpfen. FOTO: dpa / Jens Büttner
Forst. Der Weiße Ring vertritt Krimi­nalitätsopfer und fordert ein Netz von Trauma-Ambulanzen in Brandenburg. Von Christian Taubert

(ta/abr) „Im Zweifel für den Angeklagten ... – und was ist mit den Opfern?“ fragt ein Zuhörer beim Tag der Kriminalitätsopfer in Forst, zu dem der Weiße Ring Brandenburg – jener bundesweit organisierte, gemeinnützige Verein, der Ansprechpartner für Opfer von Kriminalität ist – vorige Woche eingeladen hatte. „Wir ermutigen Opfer von Kriminalität und Gewalt, sich zu wehren und verhelfen ihnen zu ihrem Recht“, bringt Brandenburgs Landesvorsitzender des Weißen Rings, Jürgen Lüth, auf einen Nenner, was der Zuhörer in den Raum stellte. Corinna Diesner von der Opferberatung Cottbus fügt an, dass Deutschland eine führende Position in Europa in Sachen Opferschutz einnehme.

Das kann Landeschef Jürgen Lüth, den einstigen Brandenburger Polizeipräsidenten, und seine 160 ehrenamtlichen Helfer im Land aber nicht beruhigen. Seit Jahren fordert die Opferhilfeorganisation von der Landesregierung einen Opferschutzbericht. Er könnte nach Auffassung des Weißen Rings für mehr Transparenz in diesem Bereich sorgen. Immerhin gibt es mit der Kriminalstatistik den jährlichen „Täterbericht“.

Unterstützt von der Forster Psychotherapeutin Judith Kunz, die Kriminalitätsopfer betreut, erneuert Lüth auch die Forderung, in Brandenburg, ein Netz von Trauma-Ambulanzen einzurichten. So, wie es sie bereits in den anderen 15 Bundesländern gebe. „Der Bedarf ist sehr hoch“, schätzt Expertin Kunz ein. Und die Moderatorin der Podiumsdiskussion, Ex-Justizministerin und Weißer Ring-Vize Barbara Richstein (CDU), fügt hinzu, dass die Landesregierung jene Trauma-Ambulanzen drei Jahre lang gefördert habe und dann „unverständlicherweise“ ausgestiegen sei. Jürgen Lüth will darüber, und zum vorliegenden Referentenentwurf zum neuen Sozialgesetzbuch XIV des Bundes, mit zuständigen Fachministerien in Potsdam kontaktieren.

 Jürgen Lüth, Landesvorsitzender Weißer Ring Brandenburg
Jürgen Lüth, Landesvorsitzender Weißer Ring Brandenburg FOTO: Christian Taubert

Es könne nicht sein, dass Opfer von Kriminalität und Gewalt künftig schlechter gestellt werden als im sozialen Entschädigungsrecht in seiner jetzigen Fassung. So seien Einschränkungen bei Schockschäden oder der Wegfall der Entschädigung für Einkommensverluste bei Hinterbliebenen von Opfern von Tötungsdelikten vorgesehen. Dagegen müsse sich die Landesregierung auf Bundesebene zur Wehr setzen, erklärt Lüth.