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Barbara-Feier in Cottbus
Schutzpatronin in stürmischen Zeiten

Zur traditionellen Barbarafeier hat die Leag am Montag in die Cottbuser Stadthalle geladen. Mit Dietmar Woidke (SPD) und Stanislaw Tillich (CDU) sind erstmals gleich zwei Ministerpräsidenten gekommen, um den Lausitzer Bergleuten ihre Unterstützung in unruhigen Zeiten zuzusichern.
Zur traditionellen Barbarafeier hat die Leag am Montag in die Cottbuser Stadthalle geladen. Mit Dietmar Woidke (SPD) und Stanislaw Tillich (CDU) sind erstmals gleich zwei Ministerpräsidenten gekommen, um den Lausitzer Bergleuten ihre Unterstützung in unruhigen Zeiten zuzusichern. FOTO: Angelika Brinkop / LR
Cottbus.. Zur traditionellen Barbarafeier hat die Leag am Montag in die Cottbuser Stadthalle geladen. Mit Dietmar Woidke (SPD) und Stanislaw Tillich (CDU) sind erstmals gleich zwei Ministerpräsidenten gekommen, um den Lausitzer Bergleuten ihre Unterstützung in unruhigen Zeiten zuzusichern.

Die Heilige Barbara als Schutzpatronin der Bergleute ist im Moment stark gefordert, denn die Zeiten für Bergleute sind rauer geworden.

„Das Verständnis für uns nimmt bundesweit ab“, konstatierte Leag-Personalvorstand Michael von Bronk. Die Sondierungsgespräche zur geplanten Jamaika-Koalition hätten ihm schlaflose Nächte beschert. Die Leag befinde sich im Tauziehen zwischen staatlich gefördertem Klimaschutz und dem Auftrag zur stabilen Versorgung mit Energie.

Die Cottbuser Bürgermeisterin Margitta Tzschoppe machte deutlich, dass die Stadt Cottbus und die gesamte Lausitz die Leag als starken Partner für den Strukturwandel brauche. Sie wünsche sich, dass mit derselben Hingabe, mit der über Wolf und Wisent diskutiert werde, auch an die Menschen hier  gedacht werde. Der Cottbuser Ostsee sei das größte Infrastrukturprojekt in Cottbus, das gemeinsam mit der Leag gestaltet werde.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke sieht die Leag als innovativen Begleiter und Gestalter der Energiewende. Das Revierkonzept gebe Stabilität und Sicherheit für die Versorgung mit Strom.

Feiertagslaune komme aber auch am Barbaratag nicht auf, da auf Bundesebene keine energiepolitisch durchdachten Vorschläge erkennbar seien. Er sei in wachsender Sorge, weil viele Dinge verkürzt, vereinfacht oder falsch dargestellt würden, um Entscheidungen für einen vorzeitigen Kohleausstieg zu befördern. Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen dieses Szenarios würden verharmlost werden. „Die Braunkohle wird so lange benötigt, bis wir zuverlässige und bezahlbare Alternativen haben“, so Woidke. Die verbleibenden Jahre müssten genutzt werden, um Strukturbrüche zu vermeiden.

Sein sächsischer Amtskollege Stanislaw Tillich erklärte, dass er es nicht für möglich gehalten hätte, „dass man die Heilige Barbara einmal anflehen müsse, damit sie uns vor manch einem Politiker schützt“. Er wirbt für eine Energiepolitik im Dreiklang von Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit. Die Energiewende sei kein Monopolyspiel, bei dem nur einer gewinne. „Man kann auch nicht einfach zurück auf Los gehen.“

Dr. Helmar Rendez, Vorstandsvorsitzender der Leag, zog eine positive wirtschaftliche Bilanz nach einem Jahr mit dem neuen tschechischen Eigentümer. Die Marke Leag sei etabliert, das Revierkonzept gebe Planungssicherheit für die nächsten 25 Jahre. Zu den betrieblichen Herausforderungen gehöre es, effizienter, flexibler und digitaler zu werden. Rendez machte deutlich, dass es sich nicht gut anfühle, Gegenstand eines politischen Pokerspiels zu sein. Die Energiewirtschaft sei die einzige Branche, die bei der CO2-Reduzierung geliefert habe. Die geleisteten Beiträge würden einfach ausgeblendet werden.

Natürlich wisse auch die Leag, dass das Betreiben der Lausitzer Kraftwerke endlich ist. Darum werde in neue Geschäftsfelder investiert wie Speicherprojekte oder die Bergbaufolgelandschaft. Rendez hofft darauf, dass die neue Bundesregierung dem Lausitzer Revierkonzept eine faire Chance gibt. 8000 Arbeitsplätze sind bei der Leag betroffen, 12 000 weitere bei Zulieferern und Dienstleistern. Jede politisch diktierte Zwangsabschaltung koste Arbeitsplätze.