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Cottbus
Investor provoziert die Stadt

Der neue Eigentümer der alten Gärtnerei an der Forster Straße hat Plakate aufgehängt und seiner Meinung Luft gemacht. Demnach verhindert die Stadt eine Entwicklung. Auf dem Gelände sollen Eigenheime entstehen. Kritiker des Vorhabens befürchten die Zerstörung des Gesamtensembles Branitzer Park.
Der neue Eigentümer der alten Gärtnerei an der Forster Straße hat Plakate aufgehängt und seiner Meinung Luft gemacht. Demnach verhindert die Stadt eine Entwicklung. Auf dem Gelände sollen Eigenheime entstehen. Kritiker des Vorhabens befürchten die Zerstörung des Gesamtensembles Branitzer Park. FOTO: LR / Daniel Steiger
Cottbus . Seit vor knapp drei Wochen die Bäume entlang der Forster Straße gefällt worden sind hat man freien Blick auf die Gewächshausruinen der ehemaligen Gärtnerei direkt in Richtung Branitzer Park. Mit Plakaten macht der Eigentümer Stimmung gegen die Stadt. Von Peggy Kompalla

Die neuen Grundstückseigentümer verstießen mit der Fällung der Bäume laut Stadt gegen Denkmalauflagen, denn das Areal befindet sich im Außenbereich der Branitzer Parklandschaft.

Nun hängen an den alten Gärtnereigebäuden Plakate. Darauf steht: „So soll es bleiben, sagt die Stadtverwaltung Cottbus. Was sagen die Abgeordneten? Was wollen die Cottbuser? Wir wollen Wohnraum für junge Familien. Wir wollen Spielplätze für unsere Kinder! Wir wollen Cottbus stärken!“ 

Die Branitz Garden GmbH hatte das Areal mit 125 000 Quadratmetern im Juni 2017 als Gartenland für etwa 3,20 Euro pro Quadratmeter erworben. Der Preis orientierte sich daran, dass dort kein Baurecht geschaffen werden kann. Nach RUNDSCHAU-Recherchen  wäre bei einer Wohnbebauung ein Gewinn von mehreren Millionen Euro drin.

Die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung reagieren auf die Plakataktion unterschiedlich. 

Torsten Kaps, Chef der Bürgerfraktion AUB/SUB, sagt. „Hier wird mit unfairen Mitteln gearbeitet. Das ist keine sachliche Auseinandersetzung.“ Den Bürgern werde suggeriert, dass von der Stadt und der Politik ein tolles Vorhaben blockiert werde. Dabei sei dem Eigentümer bereits beim Kauf klar gewesen, welche Hürden mit dem Grundstück verbunden sind. Nun wolle der Privatinvestor seine Interessen durchbringen, indem er „moralischen Druck“ ausübe.

Für CDU-Fraktionschef Hagen Strese ist es Zeit, dass Stadt und Investor eine Lösung finden. Ein möglicher Kompromiss ist aus seiner Sicht, die Bebauung entlang der Liebermannstraße. Sie wird bislang nur auf einer Seite von Eigenheimen geziert. „Im Gegenzug könnte der ganze Schmutz im hinteren Teil verschwinden. Die Straße selbst ist auch nicht im besten Zustand. So wäre allen geholfen.“ 

Die AfD-Fraktion ist noch im Findungsprozess, erklärt die Vorsitzende Marianne Spring-Räumschüssel. Sie erinnert an den Cottbuser Schuldenberg. „Wir haben für nichts Geld und träumen groß vom Weltkulturerbe“, sagt sie.

Jürgen Maresch betont als Chef der Fraktion Unser Cottbus/FDP, dass die Abgeordneten von der Stadtverwaltung getäuscht werden. Aus seiner Sicht handele es sich bei dem Grundstück der ehemaligen Gärtnerei nicht um ein Denkmal. Schließlich könne nur historische Substanz unter diesen besonderen Schutz gestellt werden.

Der Linke-Fraktionschef André Kaun ist von der Plakataktion in der Branitzer Siedlung empört. „Das ist eine Schweinerei, die ihresgleichen sucht.“ Der Eigentümer habe von Anfang an gewusst, dass es sich bei dem Grundstück nicht um Bauland handele und schiebe nun der Politik dafür die Schuld in die Schuhe.

Ähnlich argumentiert Grünen-Fraktionschefs Hans-Joachim Weißflog. „Dem Privatinvestor war von Anfang klar, dass die Verwaltung einer Bebauung nicht zustimmen wird.“ Für die Fraktion habe – genauso wie für die Stadt – das Weltkulturerbe Priorität. Dieser Status würde durch die Eigenheimsiedlung im Außenpark verbaut.

Auch für die SPD hat die Entwicklung hin zum Weltkulturerbe Vorrang. „Es ist eine Frechheit, so öffentlichen Druck zu erzeugen“, sagt Fraktionschefin Lena Kostrewa. Bauland gebe es ausreichend in Cottbus.

Branitzer Gärtnerei
Branitzer Gärtnerei FOTO: LR
Pfeil Blau
Pfeil Blau FOTO: LR