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Auftragsbücher weiter prall gefüllt
Handwerk läuft auf Hochtouren – noch

Der Dieselskandal ist am Kfz-Handwerk nicht spurlos vorüber gegangen.
Der Dieselskandal ist am Kfz-Handwerk nicht spurlos vorüber gegangen. FOTO: Standret/Shutterstock.com
Cottbus. Im Südbrandenburger Handwerk hält die Konjunktur ihr hohes Niveau. Doch die Handwerkskammer Cottbus warnt vor einer Abwanderungswelle wegen einer ungewissen Zukunft nach der Kohle. Der Vorstand fordert Taten zum Strukturwandel von der Politik.

Die Auftragsbücher im Südbrandenburger Handwerk sind gut gefüllt.  Die Konjunktur hält sich auf hohem Niveau. Sorgen bereiten der Nachwuchs- und Fachkräftemangel und die Politik.

Das ist das Ergebnis der Herbst-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Cottbus. 96,7 Prozent der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage mit gut oder zufriedenstellend (2017: 96,3 Prozent). Gegenüber dem Vorjahr ist  der Auftragsbestand in 40 Prozent der Unternehmen angestiegen, über die Hälfte der antwortenden Betriebe berichten über eine unverändert stabile Auftragslage. Die Auftragsreichweite über alle Gewerke hinweg liegt bei knapp neun Wochen.  30 Prozent der befragten Betriebe haben ihre Investitionen gesteigert (2017: 12,3 Prozent). 92,5 Prozent haben ihre Belegschaft gehalten  oder  neue Mitarbeiter eingestellt.

Betriebe im Bauhaupt- und  Ausbaugewerbe mussten mangels Kapazität und Fachkräften sogar schon Aufträge. Dagegen ist im Kfz-Handwerk ein Abwärtstrend deutlich spürbar und sogar von drohenden Insolvenzen infolge des Diesel-Skandals die Rede. „Auf die kommenden Wochen und Monate schauen die Unternehmen optimistisch.Langfristig  sieht es anders aus. Wir müssen klug alles einsetzen, was wir hier haben“, machte Manja Bonin, Abteilungsleiterin Wirtschaftsförderung und Fachkräftesicherung bei Präsentation der Ergebnisse der Herbst-Konjunkturumfrage in Cottbus deutlich.  „Mehr  als 60 Prozent der  Unternehmen blicken sorgenvoll in die Zukunft. Sie befürchten im Zuge des Braunkohleausstiegs den Verlust von Kaufkraft, die Abwanderung und Abwerbung von Fachkräften aus der Region und eine steigende Steuer- und Abgabenlast.“

Hauptgeschäftsführer Knut Deutscher warf der Politik Untätigkeit vor und äußerte Sorgen vor einer erneuten Abwanderungswelle junger Fachkräfte und Familien: „Die Politik hat es geschafft drei Jahre lang nur zu reden und nichts zu schaffen. Das ist auch bei den Unternehmen angekommen. Das ist nicht gut.“ Sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene habe die Kammer  konkrete Vorschläge für die Lausitz und das Handwerk  auf den Tisch gelegt, außer Lob aber keine Hilfen bei der Umsetzung  geerntet, merkte Deutscher weiter  an.

Die Mitglieder des Vorstandes der Handwerkskammer Cottbus verständigten sich in dieser Woche „zutiefst beunruhigt“  über die bisherigen Fortschritte zum Strukturwandel in der Lausitz auf einen Aufruf an die Politik.

„Es muss Schluss sein mit den Worten. Wir erwarten Taten der Landes- und Bundesregierung, die spürbar werden“, fordert Peter Dreißig, Präsident der Handwerkskammer Cottbus.

„Die Verunsicherung im Handwerk wächst mit jeder Woche. Es geht darum, eine jährliche Wertschöpfung von 1,4 Milliarden Euro zu ersetzen. Mit der Tatenlosigkeit wird die Lebensqualität der Menschen in dieser Region erneut mit Füßen getreten“, so der Bäckermeister aus Guben.