| 16:07 Uhr

Mickrige Kartoffelernte
Kleine Kartoffeln – große Preise

 Ein Kartoffelroder vom Typ WM 6000 Kartoffeltechnik der Agrargenossenschaft Forst zieht am Montag auf einem staubtrockenen rund zehn Hektar großen Kartoffelfeld an der Euloer Straße in Forst seine Bahnen. Katja Möller sortiert hier beschädigte Kartoffeln aus.
Ein Kartoffelroder vom Typ WM 6000 Kartoffeltechnik der Agrargenossenschaft Forst zieht am Montag auf einem staubtrockenen rund zehn Hektar großen Kartoffelfeld an der Euloer Straße in Forst seine Bahnen. Katja Möller sortiert hier beschädigte Kartoffeln aus. FOTO: Michael Helbig
Forst/Heinersbrück. Nach der schlechten Kartoffelernte 2018 hatten die Lausitzer Bauern auf ein besseres Jahr gehofft. Doch auch in diesem Herbst macht sich der fehlende Regen bemerkbar.

„Wir haben die Kartoffeln sehr zeitig in den Boden gebracht, um noch die Frühjahrsfeuchtigkeit zu nutzen“, sagt Raik Kasper, Leiter der Kartoffelproduktion bei der Agrargenossenschaft Forst. Doch in der Blüte Anfang Juni seien die Kartoffeln vertrocknet. Bei einigen Schlägen könne man schon fast von einem Totalausfall reden. Während in einem normalen Jahr 250 Dezitonnen Kartoffeln pro Hektar geerntet werden, seien es in diesem Jahr in einigen Bereichen sogar nur 100 Dezitonnen. „Das wirkt sich natürlich auf die Preise aus“, sagt Raik Kasper. „Einige Kunden haben schon geglaubt, dass wir speziell Pellkartoffeln anbieten. Nein, die Kartoffeln sind tatsächlich viel kleiner als gewohnt“, fügt er an. Während in durchschnittlichen Jahren der Kartoffelpreis bei 12 bis 13 Euro je 25-Kilogramm-Sack lag, müssen jetzt 17 Euro bezahlt werden. Raik Kasper ist seinen zahlreichen Stammkunden dankbar, dass sie trotz der höheren Preise der Forster Agrargenossenschaft die Treue halten. „Die Kunden wissen, dass unsere Kartoffeln schmecken und unterstützen regionale Produkte“, freut sich Raik Kasper. Viele Gaststätten in Forst, der Partyservice Hornow und Kitas, die noch selber kochen, werden mit Kartoffeln der Forster Agrargenossenschaft beliefert. Zur Auswahl stehen Sorten wie Laura, Solara, Talent, Afra, Goldmarie und Belana. Während früher die mehligkochende Sorte Adretta bei den meisten Kunden die erste Wahl war, seien jetzt auch die neueren Sorten gefragt. „Mein persönlicher Favorit ist die festkochende Sorte Goldmarie“, sagt Raik Kasper.

Beregnungsanlagen, die in den letzten beiden Jahren von großem Vorteil gewesen wären, hat es früher in Forst gegeben. Doch die wurden in den 1990er-Jahren abgebaut. „Wir liebäugeln schon mit einer neuen Beregnungsanlage, aber dafür fehlt uns im Moment der finanzielle Spielraum“, sagt der Kartoffelexperte. Das zweite trockene Jahr in Folge fordere seinen Tribut, denn auch bei Mais und Getreide gäbe es Ernteausfälle.

Von einer vorhandenen Beregnungsanlage profitiert die Agrargenossenschaft Heinersbrück. „Wir haben fünf Mal bewässert, sonst hätten wir durch unseren sandigen Boden nahezu einen Totalausfall gehabt“, sagt der Vorsitzende Frank Schneider, der gleichzeitig auch an der Spitze des Kreisbauernverbandes Spree-Neiße steht. Bis Mitte Oktober werden noch die Knollen vom Feld geholt. Durch die Bewässerung kann er die Preise für die Lagerkartoffeln der Sorten Afra, Laura, Leila und Talent stabil halten. Lediglich die Frühkartoffeln waren etwas teurer. In Heinersbrück gibt es auch immer noch etliche private Kunden, die Kartoffeln für die Einlagerung kaufen. So wie die Kartoffeln vom Feld kommen, werden sie auch vom Hof verkauft. Gerodet werden die Knollen noch bis Mitte Oktober, dann werden sie eingelagert. „Wir müssen die Flächen frei bekommen für die Herbstbestellung“, blickt Frank Schneider voraus.

In Goßmar bei Sonnewalde (Elbe-Elster) hat die Agrofarm keine Beregnungsanlagen für die Kartoffelfelder. So gab es in diesem Jahr erhebliche Ernteverluste. Lediglich 140 Dezitonnen pro Hektar werde die Genossenschaft in diesem Jahr von den Feldern holen. Im Vorjahr waren es mit 215 Dezitonnen deutlich mehr Kartoffeln. Der Jahresdurchschnitt liegt bei etwa 300 Dezitonnen deutlich höher.

„Eine Fläche von rund 20 Hektar bewirtschaftet die Genossenschaft mit den Erdäpfeln“, sagt Christine Paulo von der Agrofarm. Lediglich 50 bis 60 Prozent der Ernte seien Speisekartoffeln, der andere Teil werde als Tierfutter verwendet. Normal sind etwa 80 Prozent Speisekartoffeln.

Die Genossenschaft verkauft auf ihrem Wirtschaftshof die Knollen. „Wir haben jeden Tag geöffnet“, so die Sprecherin weiter. Im aktuellen Angebot gibt es die Sorten Adretta, Gala, Laura und Vineta. Darunter befinde sich auch unsortierte Ware.

 Ein Kartoffelroder vom Typ WM 6000 Kartoffeltechnik der Agrargenossenschaft Forst zieht am Montag auf einem staubtrockenen rund zehn Hektar großen Kartoffelfeld an der Euloer Straße in Forst seine Bahnen. Katja Möller sortiert hier beschädigte Kartoffeln aus.
Ein Kartoffelroder vom Typ WM 6000 Kartoffeltechnik der Agrargenossenschaft Forst zieht am Montag auf einem staubtrockenen rund zehn Hektar großen Kartoffelfeld an der Euloer Straße in Forst seine Bahnen. Katja Möller sortiert hier beschädigte Kartoffeln aus. FOTO: Michael Helbig