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Ungebetene Gäste
Hungrige Waldbewohner ärgern die Lausitzer

Von seinem harmlosen Äußeren sollte man sich nicht täuschen lassen. Auf der Suche nach Nahrung können Wäschbären unter Umständen schwere Schäden in Haus und Garten anrichten.
Von seinem harmlosen Äußeren sollte man sich nicht täuschen lassen. Auf der Suche nach Nahrung können Wäschbären unter Umständen schwere Schäden in Haus und Garten anrichten. FOTO: ondreicka - stock.adobe.com / ondreicka/fotolia
Region. Der Rekordsommer setzt auch den Lausitzer Waldbewohnern immer mehr zu. Durch den Hunger werden die Vierbeiner zu ungebetenen Gästen, die den Menschen kaum noch fürchten.

„Ich hatte heute Nacht Besuch“, erzählt Harald Wilken. Der Cottbuser lebt im Merzdorfer Weg in der Nähe der Hammergrabenaue und erwischt auf seinem Grundstück regelmäßig die verschiedensten Gäste. Manchmal sind es Rehe, manchmal Waschbären – diesmal waren es Wildschweine, die den Kompost durchwühlt haben.

Nicht nur der Wolf, auch Füchse, Rehe und kleine Waldtiere machen den Brandenburgern zu schaffen und sind in Lausitzer Städten keine Seltenheit mehr. Die Grenzen zwischen den Lebensräumen sind nicht mehr klar definiert. Demzufolge seien Füchse, Wildschweine und Co. so genannte Kulturfolger, erklärt Harald Wilken.

Ein weiterer Faktor sind die wechselnden Umwelteinflüsse. Hitze und Trockenheit erschweren die Nahrungssuche im Wald. „Die Tier haben mittlerweile gelernt, mit dem Menschen umzugehen, denn sie wissen, dass der Tisch in der Stadt reich gedeckt ist“, sagt Harald Wilken. Das langjährige Nabu-Mitglied empfindet die vierbeinigen Gäste nicht unbedingt als Ärgernis, sondern als logische Konsequenz des heutigen Umgangs mit der Natur. „Wir sind doch selbst Schuld, wenn wir den Tieren den Lebensraum nehmen, anstatt ihn zu teilen. Jeder kämpft nun mal um seinen Platz.“

Nur wenige Lausitzer zeigen sich gegenüber den wilden Eindringlingen so verständnisvoll, wie auch Mario Wotschka von der unteren Jagdbehörde Cottbus weiß. „Die Leute fühlen sich durch Waldtiere auf ihren Grundstücken gestört, obwohl sie sie oftmals unabsichtlich anlocken.“ Mario Wotschka nennt als Beispiel unsachgemäße Müllentsorgung. „Essensreste und Fallobst auf Komposthaufen locken vor allem Waschbären, Füchse und Wildschweine an. Wenn die Tiere einmal Futter gefunden haben, dann kommen sie auch immer wieder“, sagt er.

Den Fuchs fürchten viele Brandenburger besonders. Der so oft besungene Waldräuber reißt zwar keine Schafe und stiehlt auch keine Gänse, kann aber sehr schnell zu einem lästigen Zeitgenossen werden. „Füchse gehen auf Wanderschaft, das liegt in ihrer Natur, und hin und wieder geht das ganze Rudel gemeinsam auf Nahrungssuche“, erzählt Mario Wotschka. Da ein ganzes Fuchsrudel im Garten nicht sehr vertrauenerweckend ist, melden viele Grundstücks- und Kleingartenbesitzer den roten Räuber beim Ordnungsamt oder der unteren Jagdbehörde.

Eine Notwendigkeit, die Tiere zum Abschuss freizugeben, bestünde nicht. „Erstens wurde in den vergangenen Jahren kein vermehrtes Fuchsaufkommen in der Lausitz beobachtet und die Tollwut gilt seit 2008 ebenfalls als ausgerottet“, bestätigt Mario Wotschka. „Außerdem ist der Fuchs der Säuberer des Waldes, weil er Tierkadaver beseitigt. Er hat ähnlich wie der Wolf eine regulierende Funktion im Wald“, weiß Harald Wilken. Der Cottbuser spricht sich deutlich für ein Zusammenleben mit den Tieren und der Natur aus. Verdrängung würde nur bedeuten, dass man bestehende Probleme verschlimmern würde. „Je stärker man in den natürlichen Lebensraum eingreift, desto enger werden Mensch und Tier künftig zusammenleben müssen“, sagt Harald Wilken.