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Region
Herber Herbsteinbruch löst Super-Sommer ab

Region. Trotz Temperatursturz besteht noch Spielraum für eine endgültige Winterprognose. Das regionale Klimabüro Potsdam hält zwei spätherbstliche Szenarien für sehr wahrscheinlich.

„Tritt Matthäus stürmisch ein, wird‘s bis Ostern Winter sein“, heißt es in einer bekannten Bauernregel. Gemeint ist der Matthäus-Tag am 21. September, an dem tatsächlich in der vergangenen Woche das Sturmtief Fabienne über die Lausitz gefegt ist. Der stürmisch Herbstbeginn am vergangenen Freitag sollte aber laut des Deutschen Wetterdienstes (DWD) kein Grund zur Sorge sein. „Es ist bundesweit sehr wahrscheinlich, dass wir einen warmen und etwas trockeneren Spätherbst bekommen“, sagt Bodo Wichura von der Abteilung Klima- und Umweltberatung des DWD. Gemeint seien die Monate Oktober bis Dezember 2018. Diese Prognose ist dem derzeitigen Azorenhoch, das sich gerade über Europa befindet, geschuldet. Wenn die Hochdruckzone aber weiter in Richtung Atlantik abweicht, ist kühles, regnerisches und unbeständiges Herbstwetter zu erwarten.

Festlegen wolle man sich jedoch noch nicht, denn dafür seien die derzeitigen Beobachtungen noch zu ungenau. „Wettertrends werden auf Basis von Klimatologien erstellt, die über mehrere Jahrzehnte beobachtet werden. Demzufolge unterscheidet sich auch die Wettervorhersage von der Jahreszeitenvorhersage“, sagt Bodo Wichura.

Ungewöhnlich sind die extremen und plötzlich auftretenden Wetterphänomene in Zeiten des Klimawandels jedoch nicht mehr – im Gegenteil, wie auch der Vizepräsident des DWD Paul Becker bestätigt. „Der diesjährige Sommer war mit seiner ausgesprochen intensiven Trockenheit und langanhaltenden Hitze außergewöhnlich. Wir erwarten aber in der Zukunft eine Zunahme von solchen extremen Perioden mit all ihren Konsequenzen für unsere Gesellschaft. Dies erfordert von uns allen intensivere Anpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen.“

Den fehlenden Regen beklagen vor allem die Lausitzer Getreidebauern, deren Ernten in diesem Jahr deutlich geringer ausfielen. Aber auch die regionalen Gärtner befürchten, dass nach dem Super-Sommer – gemäß der Bauernregeln – ein umso heftigerer Winter einsetzt.

Einen Grund zur Panik gäbe es allerdings noch lange nicht, meint Simone Radatz von der Dubrauer Baumschule. „Es besteht kein Grund, jetzt schon die Gärten winterfest zu machen, denn wir haben tagsüber noch viel Sonne und die Temperaturen sind noch sehr angenehm“, sagt die Gartenexpertin. Lediglich Frost gefährdete Pflanzen wie Dahlien oder Geranien könne man in der Nacht mit Thermofließ abdecken. Ansonsten sollten Früchte an Sträuchern und Bäumen idealerweise jetzt abgeerntet werden.

Für den Herbst wünscht sich Simone Radatz das, was bereits im Sommer gefehlt hat – Regen. „Es wäre für Natur, Tiere, Menschen und die Pilzsaison das allerbeste, wenn es mal drei Nächte lang durch regnen würde“, sagt die Expertin. In Verbindung mit der Wärme des Altweibersommers würde das eine schöne Herbstfärbung und die besten Voraussetzungen für einen angenehmen Sommer im Folgejahr geben.

Dem kann sich auch Simone Steffenhagen vom Gartencenter der BHG Luckau anschließen. Die Gartenexpertin empfiehlt lediglich, den Rasen durch mähen und vertikutieren jetzt schon winterfest zu machen, da Rasenflächen in diesem Jahr besonders gelitten haben. Zudem sollte mit einem kaliumreichen Dünger gedüngt werden.

Ansonsten sei es auch für das Einpflanzen bestimmter Sträucher und Gehölze noch nicht zu spät – im Gegenteil. „Der Herbst ist eine günstige Pflanzzeit, da man im Herbst mit Regen und wenig Hitze rechnet“, sagt sie und empfiehlt vor allem die Blumenzwiebeln von Frühblühern wie Tulpen und Narzissen jetzt schon zu setzen. Aber auch Sommerpflanzen wie Ginster, die Bartblume und Sonnenhut könne man jetzt bereits pflanzen.

(the)