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Neujahrsempfang der Handwerkskammer
Handwerk fordert mehr Wertschätzung

 Corina Reifenstein, Vizepräsidentin der Handwerkskammer Cottbus (HWK), forderte beim Neujahrsempfang mehr Wertschätzung des Handwerks und eine verlässliche Politik.
Corina Reifenstein, Vizepräsidentin der Handwerkskammer Cottbus (HWK), forderte beim Neujahrsempfang mehr Wertschätzung des Handwerks und eine verlässliche Politik. FOTO: LR / Angelika Brinkop
Cottbus. Auch wenn die Verbraucher gegenwärtig in Konsumlaune sind herrscht bei den Handwerkern nicht nur eitel Sonnenschein. Beim Neujahrsempfang der HWK am Dienstag forderten sie mehr Wertschätzung und kritisierten ständig steigende Belastungen für Unternehmen.

Corina Reifenstein, Vizepräsidentin der Handwerkskammer, machte beim Neujahrsempfang deutlich, dass auch das Handwerk die Frage nach Perspektiven nach dem Kohleausstieg bewegt. „Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, werden Menschen abwandern und die Region an Kaufkraft verlieren“, so die Vizepräsidentin. Sie forderte von der Politik auch mehr Unterstützung und Anreize bei der Unternehmensnachfolge. Interessierte Gründer müssten nicht immer eine neue Firma an den Start bringen, sondern könnten öfter eine etablierte Firma übernehmen.

Im Wahljahr 2019 werde das Handwerk genau analysieren, wie die Parteien die Vorschläge der Unternehmen aufnehmen. Corinna Reifenstein versicherte, dass sich die Politik jederzeit auf das Handwerk verlassen könne.

Brandenburgs Wirtschaftsstaatssekretär Hendrik Fischer (SPD) betonte, dass der von der Landesregierung gezahlte Meisterbonus genau der Respekt gegenüber der Handwerkerschaft sei, der gefordert wird. Ebenso gelte der Innovationsgutschein jetzt auch für Handwerker.

Erst dann, wenn es einen klaren Fahrplan für den Strukturwandel gebe, könne ein Kohleausstieg festgezurrt werden, sagte Fischer in seiner Rede. Für die Strukturentwicklung brauche die Lausitz vier Dinge: erstens ausgereifte Investitionsprojekte, zweitens Geld, drittens ein operatives Dach, um dieses Geld zu managen, und viertens viel Zeit. Landesregierung und Handwerk blicken gemeinsam mit Hochspannung nach Berlin, wo die Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung Ende des Monats ihren Bericht vorlegt und Empfehlungen abgibt. „Das Votum der Kommission wird richtungsweisend sein und erhebliche Konsequenzen mit sich bringen“, so Hendrik Fischer. Beim Neujahrsempfang äußerten sich Südbrandenburger Handwerker zu ihren ganz persönlichen  Wünschen für das Jahr 2019:

Marco Lecher, Firma Lecher Dächer aus Cottbus: „Ich wünsche mir weiterhin eine gute Auftragslage und eine verlässliche Politik. Die sich ständig ändernden Steuergesetze machen uns das Leben schwer. Zum Beispiel gibt es bei der Umsatzsteuer für Bauanträge schon ein jahrelanges Hickhack. Da ist für uns mit sehr viel Aufwand verbunden.“

Carsten Hajek, Inhaber der Cottbuser Baumkuchenmanufaktur und Geschäftsführer der Conditorei & Café Lausterbach: „In diesem Jahr feiern wir 200 Jahre Cottbuser Baumkuchentradition. Ich wünsche mir, dass die Produktion weiter so gut läuft. Etwa ein Drittel der Produktion verschicken wir nach ganz Deutschland.“

Thomas Bubner, Inhaber der Bäckerei Bubner, Doberlug-Kirchhain: „Im letzten Jahr haben wir unsere Produktionsstätte erweitert. Dadurch können wir in diesem Jahr noch den einen oder anderen neuen Standort besetzen. Ich hoffe, dass wir dafür auch die notwendigen guten Fachkräfte finden. Gegenwärtig haben wir 18 Fillialen in Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und dem Landkreis Dahme Spreewald.“

Silvia Perko, Druckerei Perko Cottbus: „ Wenn das neue Jahr auftragsmäßig so weiter geht, wie das alte aufgehört hat, dann bin ich zufrieden. Verschiedene Rahmenbedingungen machen allerdings dem kleinen und mittelständischen Handwerk das Leben schwer. Die Bürokratie kostet viel Energie. Noch ist auch gar nicht so genau klar, was beispielsweise das neue Verpackungsgesetz für uns bedeutet.“